Vor Champions League Finale - Feature
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Was macht die Attraktivität eines Europapokalwettbewerbs aus?

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Champions League: Ein Plädoyer fürs Bewährte

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Viele finden, dass die Vorrunde der Champions League zu viel Vorgeplänkel bietet. Aber spätestens mit dem Viertelfinale ist der Kampf um den Henkelpott offen. Ein Kommentar.

Gäbe es im Fußball eine Auszeichnung für die spektakulärsten Spiele einer Saison, hätten sich im vergangenen Jahr definitiv die beiden Halbfinal-Rückspiele der Champions League zur Prämierung angeboten. Die Nächte des 7. und 8. Mai 2019 avancierten zu Fußballfesten der Sonderklasse: Erst schickte der FC Liverpool nach einer wilden 4:0-Aufholjagd den FC Barcelona auf die Bretter, tags darauf schaffte Tottenham Hotspur mit einem irren 3:2-Comeback bei Ajax Amsterdam den Finaleinzug. Gleichzeitig kamen diese weltweit gefeierten Duelle als Plädoyer für den K.o.-Modus daher, der die besten Kicker des Planeten wie Ritter in schweren Rüstungen zum Kampf mit offenem Visier auffordert.

Wenn nun die Achtelfinalspiele beginnen, hat die Königsklasse ihre beste Zeit. Die bekanntesten Stars schalten zwangsläufig in den Angriffsmodus. Viele finden ja ohnehin, dass die Vorrunde zu viel Vorgeplänkel bietet, weil es die Favoriten nach drei, vier Gruppenspielen bereits locker angehen können. Aber spätestens mit dem Viertelfinale ist der Kampf um den Henkelpott offen.

Als 1999/2000 zwischenzeitlich eine zweite Gruppenphase eingeführt wurde, setzte sich bald die Erkenntnis durch, dass diese einen elitär angelegten Wettbewerb unnötig verwässert. Seit 2003/04 wird im bisherigen System gespielt. Und doch wird ein neuer Modus ab 2024/25 angestrebt. Was die speziell aus Südeuropa vorangetriebene Ausweitung der Vorlaufphase bringen soll, liegt auf der Hand: mehr Termine, mehr Übertragungszeiten bei gleichzeitig größerer Planungssicherheit bedeuten mehr Einnahmen. Jetzt wird über den Achtelfinal-Schlager Real Madrid gegen Manchester City ein Global Player aus der Runde der letzten 16 eliminiert. So wie es dem FC Bayern im Vorjahr erging. Aber macht das nicht gerade die Attraktivität eines Europapokalwettbewerbs aus?

Die großen Marken kommen auch dann nicht zu kurz: Sie schaufeln sich mit zusätzlichen Geldern aus der Koeffizienten-Rangliste und dem Marketingpool die dicksten Beträge auf die Konten. Trotz des Aussteigens im Achtelfinale machten in der Vorsaison auch drei Bundesligisten ordentlich Kasse: Bayern verbuchte satte 82,8 Millionen Euro, Dortmund 65,8 Millionen, Schalke knapp 65 Millionen. Die in der Vorrunde gescheiterten Hoffenheimer bekamen nur 28 Millionen Euro vom Geldregen ab.

Die Gier wird gleichwohl immer größer. Andrea Agnelli, Chef von Juventus Turin und Frontmann der European Club Association, hat eine Super League im Hinterkopf, deren Qualifikationskriterien vom Abschneiden in den nationalen Ligen teilweise entkoppelt werden soll. In den Machtspielen mischt auch der Weltverband Fifa kräftig mit. Präsident Gianni Infantino will die Klub-WM 2021 in China ja vor allem deshalb auf 24 Teilnehmer mit acht Europäern aufpumpen und angeblich pro Klub 50 Millionen Dollar Startgeld ausschütten, um irgendwann eine globale Superliga zu installieren, die vom Weltverband vermarktet würde. Was massiv in die Geschäftsgrundlagen der Uefa eingreifen würde.

Kein Wunder, dass Uefa-Boss Aleksander Ceferin gegenüber dem undurchsichtigen Impresario Infantino auf Distanz gegangen ist. Denn über kurz oder lang würde es dann auch kaum noch eine Champions League in jetziger Form mehr geben können. Dabei wäre es doch ganz einfach: Dieses Format einfach so lassen, wie es jetzt ist.

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