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Erhalten im Schnitt die höchsten Gehälter: Profis wie Lionel Messi (Mitte) vom FC Barcelona sowie Marcelo (links) und Toni Kroos von Real Madrid.

Champions League

Am ganz großen Rad drehen

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In der Champions League kann nur noch mitmischen, wer viel Geld bewegt.

Irgendwie dumm, dass dieses Ranking für die Champions League nicht zählt. Kein Verein erzielt aus jeder verkauften Eintrittskarte einen so hohen Erlös wie Paris Saint-Germain, nämlich 86,90 Euro. Das geht aus dem Uefa-Benchmarkreport hervor, der alle relevanten Finanzströme im europäischen Klubfußball im Kalenderjahr 2017 detailliert auflistet. Nicht mal die englischen Spitzenklubs greifen ihrer Kundschaft so tief in die Tasche. Der mit katarischer Hilfe groß gezüchtete Verein aus der französischen Hauptstadt würde aber lieber sportlich mal ganz oben stehen - was Manchester United gegen PSG im Achtelfinale (Dienstag, 21 Uhr) natürlich verhindern will.

Das Hinspiel im altehrwürdigen Old Trafford belegt, wie die latente Sehnsucht nach dem Henkelpott zum Gigantismus verleitet hat. In der Königsklasse kann nur reüssieren, wer abstruse Gehaltsvolumina stemmt. Krösus in dieser Kategorie ist passenderweise der Titelverteidiger Real Madrid: 406 Millionen Euro, immerhin 60 Prozent vom Gesamtumsatz, flossen bei den Königlichen bereits vor zwei Jahren an Spieler, Trainer und Angestellte. Beim FC Barcelona (378 Millionen), Manchester City (334) und Manchester United (306) wird jedoch auch fürstlich verdient. Dahinter folgt auf Platz fünf der FC Bayern München mit einem Gehaltsblock von 278 Millionen Euro, wobei dieser Posten am Gesamtumsatz weniger als die Hälfte ausmachte (47 Prozent). Borussia Dortmund (178) reiht sich hinter den Schwergewichten auf Platz elf ein. Achtelfinalgegner Tottenham Hotspur (148) folgt auf Rang 14.

Wolfsburg oben mit dabei

Auffällig: Zwölf der 16 aktuellen Achtelfinalisten sind unter den 15 Klubs mit den höchsten Gehaltszahlungen gelistet. Allein neun Premier-League-Vereine befinden sich unter den besten 20. Fast drei Milliarden Euro leisteten sich die Engländer an Lohnzahlungen – pro Klub fast 150 Millionen. Was erklärt, warum die Insel die besten Kicker anzieht wie die Motten das Licht. Eine unabhängige Studie besagt, dass das durchschnittliche Spielergehalt aktuell auf umgerechnet 3,4 Millionen gewachsen ist, in der Bundesliga soll es sich bei 1,6 Millionen bewegen. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) gibt den Wirtschaftsreport zur Saison 2017/18 am Mittwoch bekannt.

Aus deutscher Sicht verwundert sehr, dass der VfL Wolfsburg in diesem elitären Zirkel geführt wird. Der Werksklub wies vor zwei Jahren in der Bundesliga nach Bayern München und Borussia Dortmund das dritthöchste Personalkostenbudget aus, stolze 139 Millionen, doch im untersuchten Berichtszeitraum rettete sich die VW-Tochter zweimal erst in der Relegation. Krasser kann ein Missverhältnis zwischen Aufwand und Ertrag kaum sein. 70 Prozent des Etats pumpte der VfL in die Gehälter.

Ähnlich fragwürdig sind sonst nur spanische und italienische Konstrukte. Atletico Madrid und Inter Mailand leiten zwei von drei eingenommenen Euro in Gehälter um. Beim AS Rom, der sich im K.o.-Duell mit dem FC Porto misst, gehen sogar 83 Prozent dafür drauf.

Insgesamt aber ist wirtschaftliche Vernunft eingekehrt. „Die Gesundheit des europäischen Klubfußballs ist hervorzuheben: Die 700 Klubs der ersten Ligen erzielten zusammengenommen erstmals Gewinn in der Geschichte“, stellte Uefa-Präsident Aleksander Ceferin in seinem Vorwort zum 118-seitigen Bericht fest. Einerseits steht darin, dass ein Plus nach Steuern aller Klubs von 615 Millionen zustande gekommen ist, andererseits wird belegt, wie weit die Schere in dem Kontinentalverband inzwischen auseinandergeht. Die Uefa mag zwar mehr Kontrolle haben, aber das Ungleichgewicht wird damit nicht verhindert. Im Gegenteil.

Gewaltige Unterschiede innerhalb der Ligen

In den Niederlanden, Portugal, Belgien, Schweiz oder Österreich wenden Vereine im Schnitt weniger als 20 Millionen Euro für Gehälter auf. Der europäische Vereinsfußball ist von Gräben durchschnitten, die niemals mehr zu überwinden sind. Sobald einen Profi der Lockruf aus den besten fünf Ligen erreicht, muss er aus finanziellen Gründen wechseln. Zudem: Die 20 Vereine mit den höchsten Zuschauereinnahmen – darunter mit Bayern, Dortmund, dem Hamburger SV, Schalke 04 und Eintracht Frankfurt gleich fünf Bundesligisten – absorbieren die Hälfte der Erlöse aus diesem Sektor. Der FC Barcelona hat in 2017 mit jedem seiner 30 Heimspiele 4,8 Millionen Euro eingenommen. Bei Eintracht Frankfurt waren es im Vergleich 1,9 Millionen pro Partie.

Eine Gefahr sind mittlerweile auch die gewaltigen Unterschiede innerhalb der Ligen. Die vier wirtschaftsstärksten Vereine in Deutschland zahlen rund dreimal so viel Gehalt wie die Mittelklasse ab Platz neun, in Spanien liegt das Verhältnis sogar bei 9:1. Die logische Folge: Es qualifizieren sich immer häufiger dieselben Vereine für die europäischen Wettbewerbe. Benfica und Sporting Lissabon in Portugal, Celtic Glasgow aus Schottland, Olympiakos Piräus aus Griechenland oder Schachtjor Donezk aus der Ukraine – Frankfurter Gegner in der Europa League.

Georg Pangl, der über die European Leagues die mittleren und kleinen Ländern vertritt, kritisierte schon häufiger, dass der europäische Fußball in Schieflage geraten ist. „Man sieht jedes Jahr dieselben Klubs, es gibt keine echten Überraschungen mehr.“ Die 15 Großklubs hätten von den Uefa-Ausschüttungen in den letzten Jahren mehr als dreimal soviel wie der gesamte Rest verdient. Durch den seit dieser Saison geltenden Verteilungsschlüssel – zustande gekommen nach der Drohkulisse einer möglichen Abspaltung – sind die Kräfteverhältnisse für die Zukunft zementiert. Daher muss auch gar keine Super League mehr kommen: Die K.o.-Runde der Champions League ist bereits ihr erstes Abbild.

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