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Mo Salah brachte Liverpool früh in Führung.

Kommentar

Ohne Esprit, ohne Pointe, ohne Witz: Ein fades Finale in Madrid

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Dass das Champions-League-Finale ein Endspiel war zwischen zwei englischen Teams, scheint im Nachhinein die Beine aller gelähmt zu haben. Ein Kommentar.

Es war kein Abend für ein großes Fußballfest, ganz und gar nicht, obwohl, im Gegensatz zum Europa League-Finale in Baku ein paar Tage zuvor, alles angerichtet war. Es war vielmehr ein fades, über weite Strecken belangloses Finale, ohne besondere Höhepunkte. Es war eine Partie in Madrid, in der der Fußball meist unterdrückt, fast erstickt wurde. Insofern war es eine überflüssige Volte, dass kurz vor Schluss noch das 2:0 gefallen war. Zu diesem aseptischen Spiel hätte dieses Elfmetertor nach 25 Sekunden weit besser gepasst, ein Tor nach einem Standard, ohne Esprit, ohne Pointe, ohne Witz, statt dessen mit roher Gewalt ins Netz gehämmert, von geradezu geschäftstüchtiger Einfallslosigkeit.

Nichts war zu sehen vom so leidenschaftlichen, emotionalen Schlagabtausch aus den packenden Halbfinalbegegnungen, als beide Teams, Tottenham und Liverpool, das Visier hochklappten und nach vorne marschierten. Das war Fußball in Reinkultur, unverstellt, offen, mit Herzblut. Nun ist es ganz sicher zu viel verlangt, in einem Finale, in dem so viel auf dem Spiel steht, naiv-fröhlich ins offenen Messer zu laufen. Natürlich spielt eine gewisse Vorsicht immer mit, dazu gesellt sich eine Taktik, einen Rückstand möglichst zu verhindern, auch der Druck, der angesichts der Bedeutung eines Champions-League-Finales auf den Spielern lastet, ist einem unbeschwerten Spiel oft im Weg. Und doch darf man ein bisschen mehr verlangen, als das, was in Madrid geboten worden war.

Dass es ein Endspiel war zwischen zwei englischen Teams, scheint im Nachhinein die Beine aller gelähmt zu haben. Beide Mannschaften kennen sich aus der Premier League und von diversen Matches aus dem Effeff, beide wissen, wo Stärken und Schwächen des anderen liegen und können entsprechend reagieren. Beide haben sich weitgehend neutralisiert, aus Liverpooler Sicht war das nach der sehr frühen Führung die erfolgversprechendste Möglichkeit. Die These sei gewagt: Es wäre ein viel besseres Endspiel geworden, hätten die unterlegenen Halbfinal-Klubs, also FC Barcelona und Ajax Amsterdam, gegeneinander gespielt - reizvoll und anspruchsvoller allemal. Eine ähnliche Konstellation gab es schon beim Europa-League-Finale, auch da trafen zwei Altbekannte aufeinander, Chelsea und Arsenal. Zumindest eine Halbzeit lang herrschte gähnende Langeweile.

Dass die britischen Klubs die beiden wichtigsten Wettbewerben im Klubfußball derzeit dominieren, ist wahrlich nicht ihre Schuld. Die Besten sollen im Endspiel stehen. Es ist halt nur ein bisschen zu viel England.

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