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Champions League

Englischer Block in der Königsklasse

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Gleich vier Teams von der Insel kämpfen in der Champions League um den Einzug ins Halbfinale.

Jürgen Klopp hat die Fragen in dieser Saison schon oft gehört. Trotzdem muss er sich vor dem Duell mit dem FC Porto in der Champions League wieder damit beschäftigen. Ob sich sein FC Liverpool nicht lieber auf den Titelkampf in der Premier League konzentrieren sollte. Ob seine Mannschaft den Europapokal nicht lieber vernachlässigen sollte, um Kraft zu sparen für den heimischen Betrieb. Ob die Aussicht auf die erste Meisterschaft seit 30 Jahren nicht wichtiger sei als das internationale Geschäft.

Klopp reagiert wie gewohnt abweisend auf dieses Thema. Für ihn ist es keine Option, die Champions League als lästige Nebensache zu sehen. Das Viertelfinale gegen Porto mit dem Hinspiel am heutigen Dienstag an der heimischen Anfield Road ist aus seiner Sicht „eine große Sache“. Und überhaupt: „Wir mögen den Wettbewerb und werden alles versuchen, um zu gewinnen.“

Neben dem FC Liverpool, der den Silberpokal mit den großen Henkeln schon fünf Mal erbeuten konnte, sind drei weitere Teams aus der Premier League im Viertelfinale vertreten. Tottenham Hotspur empfängt ebenfalls am Dienstag Manchester City. Manchester United erwartet am Mittwoch den FC Barcelona. Erst zum dritten Mal in der Geschichte der internationalen Königsklasse kommen die Hälfte der Viertelfinalisten aus der gleichen Liga. Auch bei den beiden Malen zuvor war es England, das vier Mannschaften in die Runde der besten acht Teams entsandt hatte.

In den Saisons 2007/2008 und 2008/2009 schafften es zweimal die so genannten „Big Four“ FC Arsenal, FC Chelsea, Liverpool und Manchester United ins Viertelfinale. Zwischen 2007 und 2009 brachte England jeweils drei Mannschaften sogar ins Halbfinale. Auf der Insel ist die Hoffnung groß, dass der aktuelle Erfolg eine neue Ära der Dominanz des englischen Fußballs im internationalen Geschäft einleitet. „Das Rad dreht sich gerade zu Englands Gunsten“, sagt zum Beispiel der ehemalige Nationalverteidiger Rio Ferdinand.

Der Erfolg der Premier League

Allerdings ist der starke englische Block in der Champions League nicht unbedingt ein Erfolg des englischen Fußballs – sondern der Premier League. Das sind unterschiedliche Dinge. Von den vier verbliebenen Vertretern von der Insel wird keiner von einem Trainer aus England trainiert. Manchester City vertraut dem Spanier Pep Guardiola, Tottenham Hotspur dem Argentinier Mauricio Pochettino, Manchester United dem Norweger Ole Gunnar Solskjaer und Liverpool dem Schwaben Klopp. Die Besitzer von Manchester City kommen aus Abu Dhabi, die von Manchester United und Liverpool aus den USA. Auch die Spieler sind überwiegend importiert. Bei ihren Achtelfinal-Rückspielen standen nur elf Engländer von Beginn auf dem Platz – bei allen vier englischen Teams zusammen.

Die Klubs von der Insel sind in der Champions League erfolgreich, weil sie hochwertiges Personal aus der ganze Welt anziehen, ihr vieles Geld mittlerweile sinnvoll einsetzen und den Trainern Zeit geben, um ihre Philosophie zu installieren. Guardiola bestreitet bei City seine dritte Saison. Klopp ist in seiner vierten Spielzeit in Liverpool. Pochettino amtiert bei Tottenham schon seit 2014. Allerdings ist fraglich, ob das alles reicht, damit die Engländer die Champions League wieder dauerhaft dominieren, wie zuletzt Mitte der 2000er.

Tottenham hat seine Ambitionen gerade mit der Eröffnung des neuen Stadions unterstrichen. Zur internationalen Spitzenklasse gehört der Klub noch nicht. Manchester United befindet sich im Grunde seit dem Weggang von Sir Alex Ferguson vor sechs Jahren im Neuaufbau. Der Viertelfinal-Einzug durch den Sieg über Paris Saint-Germain kam einem Wunder gleich. Bei Liverpool könnten Leistungsträger wie Virgil Van Dijk, Sadio Mané oder Mohamed Salah den Rufen der Konkurrenz erliegen, sollte es nicht irgendwann mit einem Titel klappen. Manchester Citys Schicksal hängt eng mit Guardiola zusammen, von dem viele Fachleute erwarten, dass er den Verein nach einem Champions-League-Triumph verlassen würde.

Darüber hinaus werden die in dieser Saison im Achtelfinale gescheiterten FC Bayern, Real Madrid und Paris hohen Aufwand betreiben, um künftig (wieder) besser abzuschneiden. Und überhaupt: Eine englische Vorherrschaft ist keine Garantie dafür, dass es am Ende der Saison einen englischen Champions-League-Sieger gibt. Als zwischen 2007 und 2009 dreimal nacheinander drei Teams aus der Premier League das Halbfinale erreichten, holte nur Manchester United 2008 den Titel.

Umgekehrt gilt aber auch, dass ein Land nicht unbedingt den Wettbewerb dominieren muss, um den Gewinner zu stellen. 2012 stand nur eine englische Mannschaft im Viertelfinale, nämlich der FC Chelsea. Der Klub holte am Ende den Titel, durch den Sieg im berühmten „Finale dahoam“ gegen den FC Bayern. Es war das bislang letzte Mal, dass ein Vertreter aus England den Silberpokal holte.

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