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Aufgebrachte Fußballer: Nadiem Amiri mittendrin.
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Aufgebrachte Fußballer: Nadiem Amiri mittendrin.

Rassismus?

Causa Amiri: Was geschah wirklich?

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Der Leverkusener Nadiem Amiri wird rassistisch beleidigt – oder vielleicht auch nicht.

Der Leverkusener Nadiem Amiri, deutscher Nationalspieler und vor 24 Jahren in Ludwigshafen geboren, wird beim Auswärtsspiel in Berlin beim FC Union rassistisch beleidigt. Oder doch nicht? Und welche seltsame Rolle spielt in diesem brisanten Trauerspiel der sonst so besonnene Union-Manager Oliver Ruhnert? Es gibt viele Fragen, die der DFB-Kontrollausschuss klären muss. Es geht um - nach allem, was man weiß - Rassismus in einer sehr aufgewühlten Situation, es geht darum, wie die Beteiligten damit umgehen, und auch, wie offenbar der Versuch gestartet wurde, das ganz unappetitliche Thema klein zu halten.

Über allem schwebt die Gretchenfrage: Was geschah wirklich am Freitagabend an der Alten Försterei?

Der Vorwurf: Der Berliner Florian Hübner soll Amiri, dessen Eltern in der 1980er Jahren aus Afghanistan aus Angst vor der sowjetischen Invasion nach Deutschland geflüchtet sind, „Scheiß Afghane“ genannt haben. Der Leverkusener Jonathan Tah bestätigte öffentlich die verbale Entgleisung, räumte aber ein, sie selbst nicht gehört zu haben. Union-Trainer Urs Fischer und Medienmann Christian Arbeit entschuldigten sich im Namen des Klubs in der Pressekonferenz nach der Partie und versprachen Aufklärung, öffentlich hatte Arbeit zuvor erklärt: „Es geht um eine rassistische Beleidigung, die passiert ist.“

Anderntags ließ sich Amiri selbst in einem Klub-Statement so zitieren: „Er ist zu mir in die Kabine gekommen. Es sind aus den Emotionen heraus unschöne Worte gefallen, die ihm sehr leid tun. Er hat mir das glaubwürdig versichert, deswegen ist die Sache für mich erledigt.“ Den Namen Florian Hübner, einer der drei Söhne von Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner, nannte Amiri nicht. Allerdings hatte am Freitagabend sein Bruder Nauwid via Instagram an Florian Hübner gepostet. „Zu meinem Bruder in einem Bundesligaspiel „Scheiss-Afghane“ zu sagen und damit unsere Herkunft anzugreifen, ist das allerletzte.“ Sich hinterher dafür zu entschuldigen, reiche nicht. Der Post ist gelöscht worden. Zur Wahrheit gehört auch: Nadiem Amiri und Florian-Bruder Benjamin spielten drei Jahre gemeinsam bei der TSG Hoffenheim, man kennt sich vermutlich.

Gefährliche Taktik

Was die unschöne Angelegenheit allerdings zu einem größeren Politikum macht, ist die Reaktion von Union-Geschäftsführer Ruhnert, der offenbar im Bemühen, den Ruf seines Klubs zu retten und Florian Hübner vor einer womöglichen harten Strafe zu bewahren, für Verwirrung sorgte. Natürlich verurteile man jede Form von Rassismus, erklärte er plötzlich am Samstag. Aber: „Für uns hat es diese rassistische Thematik, wie sie jetzt gerade dargestellt wird, nicht gegeben. Der Spieler hat gesagt, er hat sich so nicht geäußert“. Hübner, dessen Ehefrau eine Hautfarbe habe, die „anders ist als weiß“, werde vom Verein nicht sanktioniert. Es habe allenfalls viele „verbale Scharmützel“ gegeben in dieser hitzigen Partie.

Wofür hat sich Hübner dann beim aufgebrachten Amiri entschuldigt? Ist es nicht eher so, dass Ruhnert eine Art Wagenburg aufbaut und hofft, in einem Sportgerichtsverfahren besser wegzukommen, wenn Aussage gegen Aussage steht? Diese Taktik wäre gefährlich. Ruhnert würde damit Rassismus relativieren, er würde sich auf Stammtischniveau begeben. Und müsste es eigentlich als Linken-Politiker viel besser wissen. Echte Aufklärung jedenfalls sieht anders aus und Union steckt in der Glaubwürdigkeitsfalle. Einerseits gibt sich Union als der etwas andere Verein, Anti-Rassismus gehöre zur DNA, andererseits versucht der Manager die Vorwürfe zu bagatellisieren. Eine dem Eklat unangemessene Strategie. (mit dpa)

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