Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

El Titan: Carlos Salcedo (mit nacktem Oberkörper).
+
El Titan: Carlos Salcedo (mit nacktem Oberkörper).

WM 2018

Carlos Salcedo steht für Mexiko seinen Mann

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
    schließen

Eintracht-Profi Salcedo ist ein Manifest an Härte. Und Hirving "Chucky" Lozano netzt für Mexiko ein.

Schon bevor der erste Konter in einem Höllentempo gelaufen war, das hat nicht mal besonders lange gedauert, 100 Sekunden vielleicht, hatte der furchtlose Mexikaner Carlos Salcedo eine Kampfansage an die DFB-Auswahl gerichtet: „Ich sehe keinen Grund, weshalb wir nicht gegen Deutschland gewinnen sollten“, tönte der Verteidiger, der in seinem Brotberuf bei Eintracht Frankfurt den gegnerischen Stürmern nachstellt. Hatte man sofort als klarer Fall von große Klappe (und nix dahinter) abgetan. 

Um dem Ganzen Nachdruck zu verleihen, hat Salcedo aber gleich noch seinem Ex-Trainer die Stirn geboten, der auf einen Sieg der Deutschen gewettet hatte. „Ich habe dagegengehalten“, berichtete der 24-Jährige. Niko Kovac wird seinem einstigen Spieler nun, da das Ergebnis allseits bekannt ist und Weltmeister-Deutschland in die tiefste Krise seit einer ganzen Ewigkeit stürzte, ein Abendessen spendieren müssen. Auf Kerzenlicht wird Carlos Salcedo beim Dinner verzichten, er ist eher so der Mann fürs Grobe, Spitzname: der Titan.

Dass die Mexikaner einen Traumstart in dieses riesige Turnier und die plötzlich zum Scheinriesen geschrumpften Deutschen auf dem falsche Fuß erwischten, lag in erster Linie nicht an einem knüppelharten Typen wie Carlos Salcedo, aber der Wert eines solchen Kerls von Schrot und Korn sollte nicht unterschätzt werden. Natürlich waren es die wuseligen Mittelfeldspieler der Mexikaner und der formidable Stürmer Hirving Lozano, die die deutschen Stars wie eine Altherrentruppe aus Pirmasens aussehen ließen. 

Gerade Lozano, dieser Speedy Gonzales, war für die tumben Teutonen eindeutig zu flink, der Angreifer ist erst 22, nur 1,75 Meter groß, hat beim PSV Eindhoven aber eine herausragende Saison gespielt, in 29 Partien 17 Tore erzielt und elf Treffer vorbereitet. Meister ist er, na klar, ebenfalls geworden mit dem PSV. Wer sich die mexikanischen Offensivraketen in toto so ansah, konnte gut erahnen, weshalb der eher ungelenke und langsame Eintracht-Regisseur Marco Fabian kaum zum Einsatz kommt. Sehr zum Leidwesen der Frankfurter Verantwortlichen, die den Spielmacher gerne teuer verkaufen würden. Wird schwer. 

Chucky Lozano, die Mörderpuppe

Allzu lange wird indes Lozano, der wegen seiner wenig subtilen Streiche Chucky genannt wird (in Anlehnung an die blutrünstige Puppe aus dem Horrorstreifen „Chucky, die Mörderpuppe“), nicht mehr in den Niederlanden kicken, der FC Liverpool und der FC Arsenal umgarnen ihn schwer und haben gar pfundige Argumente. Lozano, der junge König der El Tri, ist ein Versprechen für die Zukunft. 

Carlos Salcedo steht irgendwie eher für die Gegenwart. Der feurige Abwehrmann mit den vielen Tattoos ist ein unverwüstlicher Brocken, ein Manifest an Härte, ein Bollwerk an Widerstandskraft. Salcedo ist tatsächlich erst 24, aber er wirkt so, als habe er schon vieles durch im wilden Fluss, der sein Leben ist: zweifacher Familienvater, bissiger Unterhaltsstreit mit der Ex-Partnerin, Zerwürfnis mit seinem Vater, unmittelbar vor WM-Turnier die Verwicklung in die rauschende Partynacht mit Escort-Ladys, die in der Heimat hohe Wellen schlug. Doch Salcedo, frisch erblondet, steckt es locker weg, er steht wie ein Turm in der Schlacht. Genau so trat er auf dem Feld gegen die Deutschen als rechter Verteidiger auf, eisenhart, kompromisslos, unerbittlich. Julian Draxler wirkte wie ein zartbesaiteter Bubi gegen den Titanen, der sich auch von Verletzungen nicht aufhalten lässt. 

Erst in der vergangenen Saison musste Salcedo wegen zweier schwerer Schulterblessuren operiert werden, doch er kämpfte sich jedes Mal diszipliniert zurück – den Genesungsplan der Ärzte überrollte er förmlich zu seinen Gunsten. Das hat ihm Respekt bei der Sportlichen Leitung der Eintracht eingebracht, die vor fünf Wochen die Option zog und ihn von seinem Stammklub Deportivo Guadalajara für fünf Millionen Euro auslöste. Salcedo, der am Samstag (17 Uhr/ARD) mit den Mittelamerikanern auf Südkorea trifft, hat in Frankfurt einen Vertrag bis 2022 unterschrieben. 

Die Eintracht verfolgt die Leistungen ihres Verteidigers aufmerksam, sie würde ihn gerne behalten, doch sollte er so weiterspielen und Interesse auf der Insel wecken, könnten die Frankfurter sich auch gut vorstellen, ihn zu veräußern – eine Verdreifachung der selbst gezahlten Ablöse schwebt ihnen vor. Klingt unrealistisch, ist es aber wahrscheinlich nicht einmal. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare