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Sichtlich unzufrieden: Anastasios Donis, Ozan Kabak und Torhüter Ron-Robert Zieler (von links).

Bundesliga-Spieltag im Überblick

VfB am Tiefpunkt: Stuttgart blamiert sich in Augsburg

VfB Stuttgart kassiert gegen den FC Augsburg ein historisches Debakel, nun verweigert Thomas Hitzlsperger Trainer Markus Weinzierl die Rückendeckung. Der Spieltag im Überblick.

Mit einem historisch blamablen Auftritt hat der VfB Stuttgart einen neuen Tiefpunkt im Abstiegskampf erreicht und die wohl letzte Chance auf den direkten Klassenverbleib verspielt. Das Team kassierte am Samstag bei dem nun praktisch geretteten FC Augsburg mit 0:6 (0:3) die höchste Niederlage der Vereinsgeschichte. Das war das Ende für den immer heftiger wankenden Trainer Markus Weinzierl. Wenige Stunden nach der krachenden Niederlage in Augsburg teilte Stuttgart mit, sich von Weinzierl zu trennen.

In der Tabelle der Fußball-Bundesliga wird die Lage für den VfB auf dem Relegationsrang immer prekärer: Die indisponierten Schwaben können im Saisonfinale sogar noch vom 1. FC Nürnberg eingeholt werden und direkt absteigen.

Während Stuttgarts Coach Weinzierl Teile der Partie zusammengesackt in seinem Trainersessel verfolgte, konnten die Augsburger früh jubeln und am Ende den höchsten Bundesliga-Sieg der Vereinshistorie feiern. Mit nun zehn Punkten Vorsprung auf Stuttgart ist ihnen der Klassenerhalt bei nur noch vier Partien quasi nicht zu nehmen.

Rani Khedira (11. Minute) und André Hahn (18.) eröffneten den Torreigen, mit zwei Doppelpacks schraubten Philipp Max (29./58.) und Marco Richter (53./68.) das Ergebnis in die Rekordhöhe.

Vor 30 660 Zuschauern in der ausverkauften Augsburger Arena hatten sich die Stuttgarter neuen Mut holen wollen. Doch es wurde alles noch viel schlimmer und der VfB kassierte zum vierten Mal in seiner Bundesliga-Historie – und erstmals nach mehr als 33 Jahren – ein 0:6.

Nach einem schnellen Angriff fand Schmid Khedira mit einer Flanke und der Mittelfeldspieler traf volley im Stil eines Torjägers. Danach bereitete Rechtsverteidiger Schmid per Eckball auch das Tor von Hahn vor, der im Strafraum einen Haken schlug und flach in die Ecke traf.

Augsburg überließ den Gästen zunächst gern den Spielaufbau, um dann blitzschnell umzuschalten und zuzuschlagen. „Aufwachen!“, skandierten die mitgereisten VfB-Anhänger nach 25 Minuten – vergeblich. Kurz danach ließ sich Stuttgart wieder übertölpeln. Diesmal vollendete Max eine Vorlage von Richter. „Alle könnt ihr gehen! Alle könnt ihr gehen“, brüllten die frustrierten Gäste-Fans ihren Spielern zu.

Weinzierl hatte nach dem 0:1 gegen Leverkusen umgestellt und unter anderem Offensiv-Routinier Mario Gomez in die Startelf zurückgeholt, der nach seiner Spuck-Attacke gesperrte Mittelfeldspieler Santiago Ascacibar wurde von Emiliano Insua ersetzt. Über dessen linker Seite aber marschierten die Augsburger fast mühelos nach vorne.

Stuttgart-Fans pfeifen eigenes Team aus

Dabei waren die Gastgeber mit Personalproblemen in die Partie gegangen. Torhüter Gregor Kobel wurde nach einer leichten Gehirnerschütterung nicht fit, zudem fehlten die Offensiv-Stammspieler Ja-Cheol Koo und Alfred Finnbogason. Während den Koreaner eine Grippe stoppte, ließ sich der Torjäger aus Island am Donnerstag an der Wade operieren und wird den Rest der Saison fehlen, wie der FCA vor Anpfiff mitteilte.

Die Ausfälle fielen nicht ins Gewicht. Augsburg zeigte kämpferisch eine tadellose Vorstellung, gewann die wichtigen Zweikämpfe und kam mit der Schmidt-Taktik – schnörkellosem und schnellem Konterfußball - zum Ziel. Richter mit einem Schlenzer gelang der vierte Treffer.

Nachdem die Stuttgarter Fans ihr Team mit einem lauten Pfeifkonzert zur 2. Halbzeit auf dem Rasen willkommen geheißen hatten, verließen die meisten schon nach weniger als einer Stunde Spielzeit die Arena. Immerhin blieben ihnen dann die weiteren Gegentore erspart. 

Leipzig in Mönchengladbach auf Champions-League-Kurs

Die Champions League so gut wie sicher, das Pokal-Endspiel als großes Ziel. Drei Tage vor dem Halbfinal-Duell mit dem Hamburger SV feierte RB Leipzig am Samstagabend mit dem 2:1 (1:0)-Erfolg bei Borussia Mönchengladbach den siebten Auswärtssieg in Serie in der Fußball-Bundesliga und kann die Teilnahme an der europäischen Königsklasse kaum noch verspielen.

Die Gastgeber hingegen blieben auch im sechsten Heimspiel nacheinander sieglos und müssen jetzt sogar noch um die Teilnahme an der Europa League bangen. Vor 51 75000 Zuschauern im Borussia-Park erzielte Marcel Halstenberg (17./Foulelfmeter/53.) beide Treffer für die seit 14 Pflichtspielen unbesiegten Sachsen. Alassane Pléa traf für die Gastgeber (61.).

RB-Coach Ralf Rangnick verzichtete in der Startformation auf die Rückkehrer Willi Orban und Yussuf Poulsen und setzte auf die in der Vorwoche gegen Wolfsburg mit 2:0 erfolgreiche Elf, die mit einer Dreierkette verteidigte und aus einer kompakten Mittelfeldreihe agierte. Poulsen kam erst zur zweiten Halbzeit ins Spiel.

Die Gladbacher, bei denen Tony Jantschke und Raffael für die verletzten Nico Elvedi und Lars Stindl aufliefen, hatten fast einen perfekten Start, doch Raffaels Treffer nach 33 Sekunden fiel aus einer Abseitsposition.

Beide Teams suchten von Beginn an ihre Chancen und waren sehr offensiv eingestellt. Die erste große Möglichkeit der Gäste vereitelte Borussias Torhüter Yann Sommer, der einen Schuss von Emil Forsberg (8.) gerade noch zur Ecke lenken konnte. Kurze Zeit später scheiterte Pléa an Leipzigs Keeper Peter Gulacsi.

Der Führungstreffer fiel durch einen Foulelfmeter, den Halstenberg zum 1:0 verwandelte. Der Torschütze war zuvor nach einem Zweikampf mit Patrick Herrmann zu Boden gegangen. Drei Minuten später vergab Timo Werner aus kurzer Distanz das 2:0, Sommer konnte abwehren.

Die Gastgeber taten sich schwer, spielten bis zum Strafraum des Gegners ordentlich, kamen aber nicht zu zwingenden Torgelegenheiten. Herrmann hatte auf der rechten Seite viele Aktionen, doch gegen die von Ibrahima Konaté bestens organisierte RB-Abwehr gab es für die Borussen kein Durchkommen.

Für die Vorentscheidung sorgte wieder Halstenberg, der von Forsberg in Szene gesetzt den Ball von der linken Seite zwischen Sommer und Tobias Strobl zum 2:0 ins Tor spitzelte. Pléa gelang zwar noch der Anschlusstreffer, doch kurz darauf scheiterte der Franzose mit einem Kopfball und vergab noch den Ausgleich. Auf der anderen Seite verhinderte Sommer gegen Werner eine höhere Niederlage.

Schalke kassiert gegen Hoffenheim Rückschlag im Abstiegskampf

Der FC Schalke 04 hat im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga einen weiteren Rückschlag einstecken müssen. Das Team von Trainer Huub Stevens unterlag am Samstagabend der TSG 1899 Hoffenheim deutlich mit 2:5 (0:2). Ishak Belfodil (25./80.), Andrej Kramaric (45.), Andrej Szalai (65.) und Nadiem Amiri (73.) schossen den deutlichen Sieg für die Gäste heraus, die damit einen Schritt Richtung Europa machten. Die Treffer von Daniel Caligiuri (60.) zum 1:2 per Foulelfmeter und von Guido Burgstaller (90.) zum Endstand waren zu wenig für die Schalker. Sie blieben vorerst auf dem 15. Tabellenplatz.

Nürnberg verpasst Chance in Leverkusen

In seiner Geburtsstadt hat Trainer Boris Schommers mit dem 1. FC Nürnberg einen großen Schritt zum Klassenverbleib in der Fußball-Bundesliga verpasst. Beim Europacup-Anwärter Bayer Leverkusen verloren die Franken mit 0:2 (0:0) und nutzten die Gunst der Stunde nach dem 0:6 des VfB Stuttgart in Augsburg damit nicht. Eine Stunde hielt der Club mit einer ultradefensiven Spielweise das 0:0 gegen haushoch überlegene, aber umständliche Leverkusener. Dann trafen der eingewechselte Lucas Alario (61. Minute) und Kevin Volland (86.). Der Rückstand auf den Tabellen-16. Stuttgart beträgt vier Spieltage vor Schluss weiter drei Punkte.

Für Bayer heißt es derweil unter Trainer Peter Bosz weiter alles oder nichts: Von 13 Spielen endete noch keines unentschieden; acht wurden gewonnen, fünf verloren. Die Chance auf die erneute Europa-League-Qualifikation lebt weiter.

Schommers ist zwar gebürtiger Leverkusener, hat zu der Stadt aber eigentlich keine Beziehung. Als er drei Monate war, zogen seine Eltern weg. Den Großteil seines Lebens hat er dennoch ganz in der Nähe verbracht, in Köln. Die Niederlage bedeutete auch einen missglückten Einstand des neuen Sportvorstands Robert Palikuca, der seinen Dienst am Montag angetreten hatte.

Während im Hinspiel wegen des Regenchaos zahlreiche Spieler und Offizielle über nahezu irreguläre Verhältnisse klagten, herrschte am Karsamstag bei 26 Grad bestes Fußball-Wetter. Die Partie verlief derweil noch einseitiger als vermutet. Nürnberg baute mit bis zu neun Feldspielern ein Abwehr-Bollwerk kurz vor dem eigenen Strafraum auf. Die vom spielfreudigen Nationalspieler Kai Havertz angetriebenen Leverkusener spielten teilweise wie ein Handball-Team um den Kreis und suchten die Lücke.

Weil Bayer das Spiel zu wenig in die Breite zog und vor allem nicht schnell genug spielte, wurde es für Nürnberg vor der Pause aber nur dreimal gefährlich. Einmal, als Ewerton im letzten Moment mit einer Grätsche vor Charles Aranguiz rettete (14.), dann als Club-Torhüter Christian Mathenia einen sehenswerten Havertz-Schuss mit den Fingerspitzen an den Pfosten lenkte (18.) und schließlich bei einem Kopfball von Alario (45.+2).

Der Argentinier war schon in der 34. Minute ins Spiel gekommen, nachdem sich Leon Bailey bei einem missglückten Schussversuch am linken Oberschenkel verletzt hatte. Volland wechselte aus dem Sturmzentrum nach links. Pech hatten die Gäste, als Schiedsrichter Guido Winkmann nach einem Foul von Sven Bender an Eduard Löwen keinen Strafstoß gab (29.).

Nach der Pause erhöhte Bayer den Druck weiter. Die sechste Ecke der zweiten Halbzeit brachte die Erlösung, als Tim Leibold den Kopfball von Alario erst hinter der Linie wegschlagen konnte. Den Nürnbergern fiel es schwer, von ihrer strikten Verteidigungs-Strategie abzurücken. Leverkusen fand nun mehr Räume vor. Doch Mathenia rettete wieder gegen Havertz (70.), Jonathan Tah köpfte aus drei Metern freistehend vorbei (73.). Nach Löwens Ausgleichs-Chance mit einem Schlenzer aus 18 Metern (84.) machte Volland alles klar.

Mainz sichert sich drei Punkte gegen Düsseldorf

Im Mittelfeld-Duell zwischen Mainz und Düsseldorf erwischten die Gastgeber einen Blitzstart. Noch keine Minute war gespielt, da brachte Jean-Philippe Mateta den FSV in Führung. Die Fortuna kam durch Dodi Lukebakio zum Ausgleich (19.). Der Top-Stürmer der Düsseldorfer vergab in der 58. Minute per Elfmeter die große Chance zum 2:1 für die Gäste. So sicherte sich Mainz den Sieg: Karim Onisiwo traf 23 Minuten vor dem Ende, ehe Mateta für das 3:1 sorgte (87.) (dpa/sid)

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