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Dürrer Hering: Rabbi Matondo, neu bei Schalke 04.

Bundesliga

Deutschland sucht den Super-Sancho

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Blutjunge Spieler werden als Spekulationsobjekte für die Bundesligisten gesucht.

In ihrem Transfergebaren haben deutscher Lizenzvereine ihre Schwerpunkte verlagert und ihr Kaufverhalten angepasst. Die Fußball-Bundesligisten werden dabei zunehmend vom englischen Markt beeinflusst, der europaweit das Tempo und die Summen vorgibt. Nie zuvor waren deutsche Klubs bereit, so viel Geld in junge ausländische Spieler zu investieren. Auch deshalb, weil der Markt an Talenten aus eigener Herstellung nicht viel hergibt. Deutsche Klubverantwortliche lenken vom Versagen, was die eigene Nachwuchsarbeit angeht, mitunter recht geschickt ab.

Überschreiben lässt sich die rege Nachfrage mit der Überschrift: „Deutschland sucht den Super-Sancho.“ Borussia Dortmund hatte den Engländer Jadon Sancho als 17-Jährigen im Sommer 2017 für knapp acht Millionen Euro aus der Jugend von Mancheser City geholt. Mittlerweile wird der Marktwert des Linksaußen in der Nähe des zehnfachen Preises taxiert. Das sind Renditen, von denen deutsche Manager träumen.

Christian Heidel, Sportvorstand von Schalke 04, berichtet aus der diesjährigen Wintertransferphase: „Das Telefon ging ununterbrochen, weil die Engländer uns Spieler verleihen wollen, die sich vorher für 18 oder 20 Millionen geholt haben und noch gar nicht gebrauchen können.“ Die Blase, glaubt Heidel, „platzt irgendwann“. Heidels Frankfurter Kollege Fredi Bobic sieht es ähnlich: „Die Engländer haben ein großes Problem: Sie kaufen den gesamten Jugendmarkt auf und können diese Spieler dann gar nicht einsetzen.“

Nicht von ungefähr hat Schalke 04 justamente einen 18-Jährigen von Manchester City gekauft. Heidel ließ sich den Waliser Rabbi Matondo neun Millionen Euro kosten. City besitzt dem Vernehmen nach eine Rückkaufoption bei 50 Millionen Euro. Der junge Mann, ein flinker Rechtsaußen, war zuvor kein einziges Mal in der ersten Elf von Pep Guardiola zum Einsatz gekommen. Für Schalke durfte er gleich ein paar Minuten mitmachen, was zeigt: Der Hüpfer in die Mittelklasse der Bundesliga ist für einen talentierten Profi ungleich kleiner als der Sprung in die Spitze der Premier League.

Zweistellige Millionenbeträge

Das internationale Scouting beschert der Bundesliga weitere potenzielle juvenile Hochkaräter:

- Leo Balerdi, gerade 20 geworden, Innenverteidiger, kam von den Boca Juniors aus Argentinien zu Borussia Dortmund. Preis: 15,5 Millionen Euro.

- Für Ozan Kabak, 18-jähriger Verteidiger von Galatasaray Istanbul, überwies der VfB Stuttgart die Vereinsrekordsumme von zwölf Millionen Euro an die Türken.

- Nach Volljährigkeit spielberechtigt für Bayern München ist Alphonso Davies, der für 14 Millionen Euro aus Vancouver kam. Der geplante Kauf von Linksaußen Callum Hudson-Odoi vom FC Chelsea zerschlug sich vorerst. Die Bayern boten angeblich 40 Millionen Euro, Chelsea lehnte ab.

- Der FC Augsburg lieh sich in der Not Mittelfeldmann Reece Oxford von West Ham United aus, der in der Vorsaison schon leihweise bei Borussia Mönchengladbach gespielt hatte. Die avisierte Leihe von Eddie Nketiah (19) vom FC Arsenal misslang.

- Die „Gunners“ verloren aber vorübergehend Emile Smith Rowe (18) an RB Leipzig. Angeblich per Leihe für eine Million Euro ohne Kaufoption.

- Leipzig holte außerdem Tyler Adams für 2,6 Millionen Euro von den New York Red Bulls sowie Amadou Haidara für 15 Millionen Euro von RB Salzburg. Haidara soll bei den Sachsen der neue Naby Keita werden, bei dessen Verkauf an den FC Liverpool sie 30 Millionen Euro Transferüberschuss erwirtschafteten.

Der Jungprofi als Spekulationsobjekt hat Hochkonjunktur.

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