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Es ist angerichtet wie hier im Frankfurter Waldstadion.

Saison 2019/2020 startet

Bundesliga-Start: FC Bayern soll bibbern - forsche Töne der Konkurrenz

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Die Fußball-Bundesliga geht in ihre 56. Saison – es dürfte spannender werden als zuletzt, und hinter den Kulissen werden schon in der kommenden Woche wichtige Weichen gestellt.

Einen Titel hat der ansonsten leidgeprüfte Bayerntrainer Niko Kovac sich schon gesichert, bevor der erste Ball zur neuen Saison getreten worden ist. Die Nutzer eines bedeutenden Erotikportals haben den 47-Jährigen zum Sexsymbol Nummer eins unter den Trainern der Bundesliga gewählt, klar und deutlich vor dem neuen Leipziger Chefcoach Julian Nagelsmann. Was den Sport angeht, wird es mutmaßlich schwieriger für den smarten Kroaten Kovac. 

Die Konkurrenz der Bayern ist mutiger geworden, sie mag sich nicht zum achten Mal in Folge in Demut vor dem derzeit ein wenig schwach auf der Brust daherkommenden Abomeister verbeugen. Aus Dortmund sind besonders forsche Töne zu hören. Die Westfalen wähnen sich bestens aufgestellt, sie haben fast 130 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben, auf dass die Spielzeit 2019/20 bis zum Ende spannend bleiben möge.

Zuletzt hat der Branchenführer in sieben aufeinanderfolgenden Titeljahren insgesamt 102 Punkte (!) Vorsprung auf die Verfolger gesammelt. Das sind wahre Fußballwelten. 

International lässt sich eine Liga, die derart eindimensional dominiert wird, schwerlich als Spannungsmagnet verkaufen, weshalb Chefvermarkter Christian Seifert immer etwas sparsam schaut, wenn das leidige Thema aufkommt.

Bundesliga-Start: Skandale mindern nicht die Begeisterung

Gerade werkelt er nämlich an einem neuen TV-Kontrakt auf dem nicht ganz einfachen US-amerikanischen Markt. Immerhin haben sich Münchner Bayern und Dortmunder Borussen dort diesen Sommer mit allen Stars zu Werbezwecken sehen lassen.

National bleibt die deutsche Fußball-Eliteklasse ein dickes Ding, auf das die halbe Nation hinfiebert, ein jeder mit dem ganz regional vernebelten Blick durch seine Vereinsbrille. Es gehört zu den ungelüfteten Geheimnissen der Branche, dass komplizierte Fernsehzeiten auf immer neuen Übertragungswegen, DFB-Rekordstrafen von 3,3 Millionen Euro für Fanvergehen, um durchschnittlich neun Prozent verteuerter Eintritt und so manche Skandale und Skandälchen das Feuer der Begeisterung in den Fans keineswegs löschen, sondern gar wie zusätzlicher Kraftstoff wirken. Mitunter ist es wie in einem Gruselfilm. Man würde ja so gerne weggucken – und schaut dann erst recht hin. Gerade sorgt Schalke 04 nach den unsäglichen Aussagen des allgewaltigen Aufsichtsratschefs Clemens Tönnies für so eine Story.

Bundesliga-Start: Gerade DFB hat krude Geschichten geliefert

Allen voran der Dachverband DFB hat in den vergangenen Monaten und Jahren reichlich Stoff für krude Geschichten geliefert. Die Ausläufer der Sommermärchenkrise halten sich hartnäckig bis in die Gegenwart hinein. Hinter den Kulissen ist gerade mal wieder mächtig im ganz Geheimen gewerkelt worden. Kaum hat die Bundesliga das Auftaktwochenende – eingeläutet heute Abend von Bayern gegen Hertha BSC (20.30 Uhr, ZDF) – hinter sich gebracht, treffen sich die Entscheider der Szene am Dienstag und Mittwoch in Berlin zur großen Generalversammlung im Maritim Hotel unweit des Potsdamer Platzes. Schon anderthalb Stunden vorher beginnen die Vertreter der Amateure vis-à-vis im Sheraton-Hotel mit ihrer Tagung.

Es ist alles gerichtet, um dort den DFB-Präsidenten vorzustellen, Der Neuanfang soll mit einem alten Fahrensmann funktionieren: Fritz Keller, Vereinschef des SC Freiburg, soll am 27. September im Frankfurter Kongresszentrum gewählt werden, nachdem Vorgänger Reinhard Grindel Anfang April vorzeitig gehen musste. Nach Gerhard Mayer-Vorfelder, Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach der vierte Verbandschef in Folge, dessen Ende seiner Amtszeit ruhmlos endete.

Saison 2019/2020: Neuer DFB-Chef Keller 

Dass der Name des Südbadeners Fritz Keller, Patenkind des legendären Fritz Walter, 62-jähriger hochdekorierter Gastronom und Winzer, in der geschwätzigen Branche lange nicht öffentlich wurde, bezeichnen selbst führende Verbandsmitarbeiter als „achtes Weltwunder“. Der einzige Name, der bis gestern bekanntgeworden war, war in Wahrheit ein Kandidaten-Phantom: Ute Groth, im großen Fußball zuvor unbekannte Vorsitzende des Breitensportvereins DJK TuSA 06 Düsseldorf, war mit ihrer Initiativbewerbung zwar zur Figur auf den Sportseiten geworden, aber völlig chancenlos. „Die würde als Präsidentin nach vier Wochen schreiend davonlaufen“, sagte ein Branchenkenner. Die Bauzeichnerin und Krankenhausplanerin rügte den Verband für den Umgang mit ihr: Als Rückmeldung auf ihre Bewerbung sei von der DFB-Personalabteilung eine Antwort gekommen, „als würde ich mich um eine Stelle als Sekretärin oder Reinigungskraft bewerben“. Auf die Shortlist der von einer Personalberatung unterstützten Präsidenten-Findungskommission schaffte es die 60-Jährige nicht.

Auf der Generalversammlung der Bundesligaklubs am Mittwoch wird sich der designierte DFB-Chef Keller persönlich vorstellen, dort geht es aber auch um die künftige Ausrichtung des professionellen deutschen Fußballs. Werden die Weichen so gestellt, dass die sogenannte 50+1-Regel eines nicht allzu fernen Tages fällt und somit Investoren freies Geleit in den hiesigen Profifußball bekommen könnten - wie das in Italien, Spanien und England üblich ist? Die Zeichen deuten darauf.

Start der 1. Bundesliga: Längst nicht mehr die Besten aus Deutschland

Während der DFB die Fahndung nach einem neuen Präsidenten abgeschlossen hat, schafft die Bundesliga ihren einfach ab: Der 72-jährige Reinhard Rauball, eine integrierende Persönlichkeit, tritt am Mittwoch zurück. Einen Nachfolger gibt es nicht, die Bundesliga lässt sich künftig durch den Geschäftsführer Seifert allumfassend vertreten. Seifert ist ein hochgeachteter Mann des Marketings und der Globalisierung, weniger der kleinen Klubs. Früher als andere hat der 50-Jährige erkannt, dass aus dem Land des Ex-Weltmeisters von 2014 nicht mehr die besten Trainer, die besten Spieler und die besten Spiele kommen. Es gilt, hart am Wind gegenzusteuern. Franzosen, Engländer und Spanier sind nämlich davongesegelt.

Der DFB wird am 26. September den Grundstein für die neue Fußballakademie auf der alten Frankfurter Galopprennbahn legen. Das 150-Millionen-Euro-Projekt soll für Aufbruchstimmung sorgen. Die wird in der Bundesliga schon mal vorweggenommen: In die neue Saison geht die Eliteklasse des deutschen Fußballs mit acht Trainern, die zuvor hierzulande auf diesem Niveau noch nicht tätig waren. Junge, dynamische Kerle, die allesamt rassigen Offensivfußball mit Mut versprechen. Die bibbernden Bayern, so scheint es, müssen sich tatsächlich ein wenig wärmer anziehen.

Fußball im TV

Bundesliga
 Wer die Bundesligaspiele live sehen will, kommt an finanziellen Aufwendungen nicht vorbei. Sky ist dabei die erste Anlaufstelle. Die Spiele am Samstagnachmittag werden sowohl einzeln als auch in der Konferenz ausschließlich beim Pay-TV-Sender gezeigt. Auch das Topspiel am Samstagabend sowie die regulären Sonntagsspiele um 15.30 Uhr und 18 Uhr werden von Sky übertragen.

Die übrigen Spiele am Freitagabend sowie die jeweils fünf Partien, die am Sonntagmittag (13.30 Uhr) und am Montagabend angepfiffen werden, zeigt ab sofort Dazn. Zu diesem Paket gehören auch die Relegationsspiele.

Im Free-TV werden nach derzeitigem Stand drei Spiele gezeigt. Das ZDF überträgt das Auftaktspiel zwischen Meister Bayern München und Hertha BSC, ein Spiel am 17. Spieltag und den Rückrundenauftakt.

2. und 3. Liga 
Die Spiele der zweithöchsten Spielklasse werden allesamt bei Sky live gezeigt. Findet in der Bundesliga ein Montagsspiel statt, gibt es in der Zweiten Bundesliga stattdessen eine weitere Partie am Samstag. Alle 380 Spiele der 3. Liga werden bei Magenta Sport live übertragen. Neu eingeführt wurde zur neuen Saison eine Konferenz. Im Free-TV werden pro Spieltag zwischen zwei und drei Partien bei der ARD oder bei den dritten Programmen live gezeigt.

Champions League und Europa League
Die Königsklasse ist seit vergangener Saison komplett hinter der Bezahlschranke verschwunden, auch hier sind Sky und Dazn die Anbieter. Sky zeigt 34 Einzelspiele und alle Konferenzen, Dazn überträgt 104 der 125 Spiele. Sky hat bei der Auswahl der Einzelspiele das Erstwahlrecht. Der kleine Europapokal ist auch für Haushalte ohne Pay-TV und schnelles Internet zu verfolgen. RTL zeigt über seinen Spartensender Nitro insgesamt 15 Spiele live. Alle 205 Spiele des Wettbewerbs werden bei Dazn übertragen. (sid)

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