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Bundesliga: Mehr Spannung bitte

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Von: Frank Hellmann

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Zehn Jahre schon her: 2012 holt Borussia Dortmund das letzte Mal den Meistertitel - seitdem gibt’s nur noch Pappschalen.
Zehn Jahre schon her: 2012 holt Borussia Dortmund das letzte Mal den Meistertitel - seitdem gibt’s nur noch Pappschalen. © IMAGO/MIS

Die Bundesliga leidet darunter, dass der Meisterschaftskampf entschieden scheint, bevor überhaupt ein Ball rollt.

Es ist jetzt schon vier Jahre her, dass Ansgar Brinkmann einen für ihn typischen Ausspruch tätigte. „Kinder, die in diesem Sommer eingeschult werden, kennen nur den FC Bayern München als Meister. Da ist die Kindheit schon am Arsch.“ Im Kern hatte er nicht Unrecht, der „weiße Brasilianer“, der eigentlich mehr aus seinem Talent hätte machen müssen. Aber mitunter reichen ja auch gute Sprüche, um im Bundesligakosmos in Erinnerung zu bleiben. Seitdem hat sich nichts geändert. Saison für Saison thronen die „Mia-san-Mia“-Bayern an der Spitze. Mag Vorstandschef Oliver Kahn es ganz toll finden, das zehnte Mal hintereinander die Meisterschale an die Säbener Straße geholt zu haben, wo der Trophäenschrank aus allen Nähten platzt, gähnt der Rest der Fußball-Republik.

Die Langeweile im Meisterschaftskampf bedroht und beschäftigt die Fußball-Bundesliga seit längerem. Doch es gibt kein Allheilmittel dagegen. Mag die neue Chefin Donata Hopfen, seit Jahresbeginn Geschäftsführerin der Deutschen Fußball-Liga (DFL), mal laut über Playoffs nachgedacht haben („Wenn uns Playoffs helfen, dann reden wir über Playoffs“), so ist der früheren Axel-Springer-Frau nur zu raten, sich an Stammtischen und in Vereinsheimen umzuhören. Playoffs widersprechen dem, was den deutschen Fußball von der Kreisklasse bis zur Bundesliga auszeichnet: Nach einer Hin- und Rückrunde gehört dem Punktbesten der erste Platz. Punkt. Wobei die 46-jährige Hamburgerin diesen Plan auch nicht ernsthaft verfolgt.

Alle gegen Bayern lautet also wieder die Losung. Die Münchner Dominanz müsste am ehesten Borussia Dortmund satthaben. Es wirkt gefühlt viel länger her, dass die Schwarz-Gelben unter dem längst in England als Meistermacher verehrten Jürgen Klopp ganz oben standen: Am 5. Mai 2012 stemmten Akteure wie Kevin Großkreuz, Nuri Sahin, Sebastian Kehl oder Florian Kringe die „Salatschüssel“ in den Himmel. Acht Punkte hatte der Vorsprung vor den Bayern damals betragen. Und dann folgte eine Woche später im DFB-Pokal noch eine 5:2-Lektion berauschter Borussen gegen bedröppelte Bayern.

Was danach passierte, folgte bekannten Strickmustern: Die schon gegen renitente Leverkusener, Bremer oder Stuttgarter ähnlich vorgegangenen Münchner zapften ihr Festgeldkonto an, rissen in den Folgejahren mit Mario Götze und vor allem Robert Lewandowski Dortmunder Herzstücke heraus. Und sind seitdem nicht mehr vom Thron zu verdrängen. Keinen nervt das mehr als Hans-Joachim Watzke, der als Vorstandschef bei Borussia Dortmund aus seiner Sicht gegen Windmühlen ankämpft. „Wir würden es natürlich gerne mal haben, dass der FC Bayern nicht Meister wird. Aber man kann das von der deutschen Öffentlichkeit nicht zwingend von uns verlangen. Der Budget-Unterschied zwischen Mainz 05 und Dortmund ist kleiner als der zwischen dem BVB und den Bayern. Das ist einfach Fakt.“

BVB und Leipzig hoffen

Genau wie die Bayern mit Lewandowski (FC Barcelona) haben auch die Dortmunder mit Erling Haaland (Manchester City) ihre stürmende Galionsfigur verloren. Die einen haben sich mit internationalen Stars wie Sadio Mané und Matthijs de Ligt verstärkt, die anderen haben Niklas Süle, Nils Schlotterbeck, Karim Adeyemi oder den (tragischerweise an Hodenkrebs erkrankten) Sebastien Haller geholt – in der Hoffnung, dass diese zu internationalen Stars werden. Dass der BVB unter dem wieder installierten Trainer-Eigengewächs Edin Terzic gleich den großen Wurf landet, diesen Druck will Watzke seinem Klub nicht aufbürden.

In seiner neuen Doppelrolle als DFL-Aufsichtsratsvorsitzender muss der 63-Jährige jedoch ein gesteigertes Interesse an einem Titelrennen haben, das seinen Namen wieder verdient. Und dann sind da ja noch Bayer Leverkusen und RB Leipzig. „Nur wer groß denkt, wird Großes erreichen“, sagt Simon Rolfes, der unter dem Bayer-Kreuz aus dem Schatten des tränenreich verabschiedeten Rudi Völler tritt. Aber das Etikett als Vizekusen wird der Werksklub so schnell wohl nicht los. Leipzig hingegen hat mit dem Pokalsieg gegen den sympathischen Nischenverein SC Freiburg immerhin den ersten Titel in seiner jungen Vereinsgeschichte geholt. Trainer Domenico Tedesco lobte danach überschwänglich seine „Siegertypen“. Dass es gelungen ist, mit Christopher Nkunku den besten Spieler der abgelaufenen Saison zu halten, hilft den Sachsen sicherlich. Aber macht es das Team gleich titeltauglich?

Es braucht ein Titel-Drama

Und so sind die Bayern wie immer der haushohe Favorit. Darunter leidet eine dramatisch eingebrochene Auslandsvermarktung. Schon Hopfen-Vorgänger Christian Seifert betonte stets: In den USA, China und Indien, auch nicht im restlichen Europa interessieren sich die Menschen wirklich dafür, ob der FSV Mainz 05, FC Augsburg, Arminia Bielefeld oder Greuther Fürth absteigen (oder vielleicht einmal Werder Bremen oder Schalke 04), sondern es braucht mal wieder ein Drama, wie es der FC Liverpool und Manchester City am letzten Spieltag der Premier League aufführten. Eine Fernduell als Finale furioso. Dass die Bundesliga dazu die Bilder vom „Meister der Herzen“ und schluchzenden Schalkern von vor mehr als 20 Jahren aus der Mottenkiste holen muss, kann es auf Dauer nicht sein.

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