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Der Mainzer Danny Latza (r) bringt Leipzigs Marius Müller zu Fall.

Bundesliga

Geschärfte Sinne für die Bayern

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RB Leipzig lässt es in Mainz nur ausnahmsweise mal ein wenig schleifen. 

Mit Ehrgeiz bis zum Anschlag vollgepumpte Menschen, zu denen der Leipziger Trainer-Manager Ralf Rangnick zweifelsohne gehört, werden normalerweise unleidlich, wenn sie Zwei-Tore-Führungen wieder herschenken. Insoweit hätte Rangnick nach dem 3:3 von RB Leipzig bei Mainz 05 entsprechend misslaunig angetroffen werden müssen. Stattdessen präsentierte sich der 60-Jährige, der daherkommt wie ein 50-Jähriger, ausgesprochen ausgeglichen. Sogar er selbst, der sonst selten mal Fünfe gerade sein lässt, hatte seinen Job nicht mit der unbedingten Ausrichtung aufs Ergebnis betrieben. Beim Stand von 3:2 brachte Rangnick nach 70 Minuten den jungen Amadou Haidara, um dem Mann aus Mali ein wenig Spielpraxis zu schenken. Prompt fiel gegen die seltsam blanke RB-Abwehr der Ausgleich. „So ist das halt, wenn zwei Mannschaften nicht mehr so brutal auf die Tabelle schauen brauchen“, begründete der Coach die übersichtlich betrübliche Scheunentor-Taktik.

Die entspannte Tabellenarithmetik gilt auch für nächsten Samstag gegen die Bayern. Eigentlich. Uneigentlich können es sich die Leipziger mit Blick auf den geruhsam tosenden Titelkampf nicht leisten, gegen die Münchner nachlässig oder gar fahrlässig aufzutreten. Rangnick verspricht: „Wir werden die bestmögliche Mannschaft aufbieten.“ Zu der dann allerdings Mittelfeldspieler Kevin Kampl wegen einer Gelbsperre nicht gehören kann. Kampl selbst ärgerte sich darüber mehr als sein Trainer. „Nicht so schlimm, Hauptsache, er ist im Pokalfinale dabei.“ Rangnick zeigt sein Pokerface. Es scheint ihm ganz recht, ein wenig mit verdeckten Karten spielen zu können im ansonsten voll-transparenten doppelten Aufeinandertreffen binnen zwei Wochen in Leipzig und Berlin.

Das Heimspiel dürfte dabei auch psychologischer Auswirkungen für das zweite Date des Monats im Olympiastadion haben. Kapitän Willi Orban betrachtet es als „unsere Verantwortung, gegen die Bayern eine Top-Leistung abzuliefern und denen zu zeigen, wie stark wir sind.“ Drei Gegentore wie in Mainz sind absolut unüblich für die Verteidigungsmeister der Liga (jetzt 27 Gegentore), gegen den Branchenführer sollen die Schotten wieder dicht gemacht werden. „Das Spiel in Mainz hat unsere Sinne dafür geschärft, dass wir dem Gegner weniger Räume geben dürfen“, sagte Orban.

„Traue RB alles zu“

Im Spiel nach vorn nutzte derweil Timo Werner seine Räume optimal, wiewohl der mutmaßlich heftig vom nächsten Gegner umworbene Stürmer sich auch ein paar Auszeiten gewährte. Die aktiven Phasen nutzte der Nationalspieler zu zwei blitzsauberen Vorlagen und einem nicht minder blitzsauberen Tor, seinem 16. dieser Spielzeit. Das physische und gedankliche Tempo des Daniel Düsentriebs überforderte die Mainzer Defensive regelmäßig.

05-Trainer Sandro Schwarz hat mit Blick auf die beiden Showdowns der Leipziger gegen die Bayern jedenfalls eine klare Ansage: „Ich traue RB alles zu.“ Einen Hinweis für den FC Bayern hatte er gleichwohl parat: „Ich habe selten eine Mannschaft erlebt, die so aktiv auf Abseits spielt wie die Leipziger.“ Beim Mainzer Ausgleich schnappte die Falle nicht zu. Ein interessanter Ansatz für die Bayern, sich mit einer guten Offensividee zu wappnen.

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