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Leere Ränge.
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Leere Ränge.

Kommentar

Bundesliga in Corona-Zeiten: Eine Saison wie keine

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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In der Corona-Krise hat sich der Profi-Fußball von der Basis entfremdet. Auch nach Rückkehr des Publikums in der Bundesliga dürfte sich das nicht ändern. Kommentar.

Eine in vielerlei Hinsicht einmalige Bundesligasaison biegt in ihre allerletzte Gerade, natürlich nicht einfach so, sondern coronabedingt nach einer seltsamen zweiwöchigen Pause, einigen Nachholspielen und einem zehntägigen Aufenthalt aller 36 Profiklubs in einer Art Quarantäne, einem isolierenden Trainingslager - ob nun in städtischen Nobelhotels oder auf der grünen Wiese - , um zu verhindern, dass auf den letzten Metern wegen erneut auftretender Coronafälle die Saison womöglich nicht ordnungsgemäß am 22. Mai abgeschlossen sein könnte. Denn Spielraum hat die Liga keinen mehr.

Das sind andere Bedingungen als sonst für alle Klubs, aber diese Runde war ja ohnehin pandemiebedingt anders, mit einer kurzen Ausnahme komplett ohne Publikum, mit permanenten Schnelltests, Hygienekonzepten, stark eingeschränkten Kontakten. Andere Bedingungen zwar, aber Bayern wird wieder Meister, Leipzig Zweiter, und die, die man unten verortet hat, stehen unten (mit Ausnahme von Schalke 04 vielleicht, denen man zwar keine ruhige Saison prophezeit hat, aber keinesfalls eine solch desaströse). Und weil die Unterstützung der stimmgewaltigen Anhängerschaft fehlt, es zwischen Auswärts- und Heimspielen praktisch kaum ein Unterschied mehr gibt, gewinnen im Regelfall die Mannschaften, die den besseren Fußball spielen. Und: Es gibt deutlich weniger Rudelbildung, miese Schauspieleinlagen, deutlich weniger Rote Karten - weil Emotionen nicht mehr ausgelebt werden (brauchen).

Viel war zu Beginn der Seuche von Demut die Rede, derer sich auch der Profifußball befleißigen müsste, an ein Innehalten in der ewigen Gier nach mehr und noch mehr, dankbar habe man sein wollen, als Privilegierter weiterhin seinen Beruf ausüben (und ein fürstliches Salär kassieren) zu können. Viel ist davon nicht übriggeblieben. Mag sein, die ärgsten Exzesse sind weniger geworden, doch die allgemeine Krise in der Gesellschaft hat bei vielen, sehr vielen Fans den Blick geschärft: Sie schauen inzwischen genauer hin und gehen nicht über Partyverstöße einzelner Profis, Europapokalspiele in hochinfizierten Standorten, überzogene Kritik wegen verweigerter Extrabratwürste bei Nachtflügen, der klandestin geplanten Einführung einer Superliga für superreiche (aber auch super verschuldete) Klubs oder zuletzt ein unmögliches Auftreten der DFB-Spitze allenfalls murrend hinweg. Die Kluft ist viel größer geworden, auch die Entfremdung von der Basis. Fans, so hat es den Anschein, haben sich ein Stückchen emanzipiert, nehmen nicht mehr klaglos alles hin. Die Überkommerzialisierung, das Söldnertum (neuerdings auch von Trainer), dieses ständige Begreifen des Jobs als reines Projekt, jederzeit verhandelbar, der pure Turbokapitalismus stößt mittlerweile selbst der fußballaffinen Öffentlichkeit immer befremdlicher auf. Viele dieser sauer aufstoßenden Missstände hat jetzt die Pandemie erst zu Tage treten lassen.

Drei Spieltage und 28 Geisterspiele sind es noch, und berechtigte Hoffnungen auf eine Rückkehr des Publikums in der nächsten Runde. Ist dann wieder alles im Lot? Es gibt Hinweise, dass dies nicht der Fall sein wird.

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