Gruppen-Coming-out bleibt aus: Wichtigster Tag für schwule Fußballer verpufft?
Homosexualität ist in der Sport-Welt noch immer ein sensibles Thema, so auch im Fußball. Am 17. Mai findet deshalb die Coming-out-Kampagne „Sports Free“ statt.
Update vom 17. Mai, 16.40 Uhr: Das erhoffte Gruppen-Coming-out von homosexuellen Sportlerinnen und Sportlern, im speziellen männlichen Fußballspielern, ist bis zum Freitagnachmittag ausgeblieben. Auf der Webseite der Kampagne „Sports Free“ war bis zu diesem Zeitpunkt kein einziger neuer Name von aktiven Fußballern zu sehen.
Stattdessen fühlen sich Kritiker in ihrer Skepsis gegenüber der Aktion rund um Initiator Marcus Urban bestätigt. Besonders der Zeitpunkt der Kampagne kurz vor dem Saisonfinale und der Europameisterschaft, sowie der spezielle Fokus auf männliche Fußballer hatten Experten schon im Vorhinein an einer größeren Resonanz an der Aktion zweifeln lassen.
Update vom 17. Mai, 9.54 Uhr: Die Coming-out-Kampagne „Sports Free“ von der Initiative Diversero ist am Morgen mit technischen Problemen gestartet. Die Webseite und Online-Plattform, auf der Sportlerinnen und Sportler ihr Coming-out individuell gestalten können, war zunächst nicht aufrufbar. Inzwischen sind die Probleme aber behoben.
Stattdessen wurde am Morgen auf dem Instagram-Kanal der Initiative ein Video veröffentlicht, das den Startschuss in den Tag darstellen soll. „Ein spannendes Datum. Wir haben uns gefragt, was könnte ein richtiges Datum sein für ein Gruppen-Coming-out im Profifußball, im Profisport. Es ist der letzte Bundesliga-Spieltag, der läuft. Die Europameisterschaft im Fußball in Deutschland steht vor der Tür“, sagte Initiator und Ex-Jugendnationalspieler Marcus Urban in dem Video.
Erstmeldung vom 13. Mai, 15.21 Uhr: Frankfurt – Homosexualität scheint im Profifußball immer noch ein Tabu-Thema sein. In Deutschland hat beispielsweise noch immer kein aktiver homosexueller Profifußballer sein Coming-out gehabt. Der Ex-Junioren-Nationalspieler Marcus Urban ruft dazu am 17. Mai auf.
Kampagne „Sports Free“ möchte Profifußballern eine Plattform fürs Outing bieten
Mit der Kampagne „Sports Free“ wollen Marcus Urban und seine Mitstreiter eine öffentliche Plattform für Profifußballer und Funktionäre bieten, auf der sie sich als Gruppe outen können. Das erste Gruppen-Outing ist für Freitag, den 17. Mai, der auch als internationaler Tag gegen Homophobie gilt, geplant.
„Es wollen sich Personen outen aus Österreich, Deutschland und England“, berichtete Urban gegenüber dem TV-Sender RTL. Der frühere Junioren-Nationalspieler hatte sich 2007 in einem Interview geoutet. „Ich freue mich über den Prozess, der tatsächlich auch ein bisschen aufwühlend ist. Aber ich freue mich riesig über das Vertrauen, das entgegengebracht wird“, sagte er weiter.

Coming-out im Profifußball: Der 17. Mai soll nur den Grundstein legen
Dabei soll am 17. Mai nur der Grundstein gelegt werden. Ziel der Kampagne ist es, dass sich monatlich am 17. immer wieder Profifußballer und Funktionäre dafür entscheiden können, sich innerhalb einer Gruppe öffentlich zu outen. „Ich glaube, dass sie großen Support hätten. Aber sie haben Angst vor der eigenen Courage“, erklärte Urban im Gespräch mit dem SWR. Im Februar 2023 hatte sich beispielsweise der tschechische Nationalspieler Jakub Jankto geoutet und viel Zuspruch bekommen.
Mit der Kampagne „Sports Free“ soll das Coming-out auf einer digitalen Plattform vorbereitet werden. „Wir bauen eine digitale Bilderwand, wo die Personen des Profisports das individuell gestalten können – als Video, als Text, als Avatar. Sie können sich gleich mit Partner oder Partnerin zeigen oder als Gruppe mit Freunden“, so die Schilderungen von Urban.
Bundesliga: Zeiten der Homophobie sind vorbei
Nach Angaben von Urban hätten bereits mehrere Proficlubs wie Borussia Dortmund, Bundesliga-Aufsteiger FC St. Pauli oder der SC Freiburg die Kampagne mit Spenden unterstützt. Homophobie war lange ein fester Bestandteil der Fankurven und wurde in den deutschen Stadien offen ausgelebt. Allerdings sind diese Zeiten fast überall vorbei.
„Es ist überhaupt kein Thema mehr, ob man homo- oder heterosexuell ist. Aber im Fußball hat sich das eben noch verhärtet. Das ist so geblieben. Allerdings ist es am Bröckeln“, so Urban. Thomas Hitzlsperger hatte 2014 nach seinem Outing das Bundesverdienstkreuz bekommen und hatte damit dem Thema Homosexualität im Profifußball schrittweise immer mehr Aufmerksamkeit gegeben. Am 17. Mai könnte ein weiterer, wichtiger Schritt gegangen werden. (jari)