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Trainer Dieter Hecking von verlässt Borussia Mönchengladbach.

Bundesliga-Kommentar

Kriechen Richtung Europa

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Der Kampf in der Bundesliga um einen Startplatz in einem europäischen Wettbewerb ähnelt einem Schneckenrennen.

Als klar war, dass der anerkannte Fußballlehrer Dieter Hecking zur neuen Saison bei der Borussia aus Mönchengladbach abberufen werden würde, das war Anfang April, da flötete der Coach der abgeschmierten Elf vom Niederrhein tapfer, dass er seinem Nachfolger sehr gerne eine intakte Mannschaft mit einem Startplatz in der Champions League übergeben würde. Jaja, der arme Dieter, dachten da viele, kann doch froh sein, wenn er nicht noch vor Saisonende achtkantig rausgeworfen wird.

Die Königsklasse schien da ein gutes Stück außer Reichweite, nicht der Punkte halber, sondern wegen der Auftritte der Borussia: blutleer, kopflos, beliebig. Aus den sieben Begegnungen zuvor gab es genau einen Sieg, dafür aber vier Niederlagen. Gladbach schien drauf und dran, nicht nur die Champions League, sondern ganz Europa zu verspielen. Und nun, sechs Wochen später, einen Spieltag vor Ende der 56. Bundesligaspielzeit? Da, man lese und staune, winkt Borussia Mönchengladbach doch glatt von Rang vier, dem letzten Champions-League-Platz. Hut ab. Bemerkenswerte Auferstehung. Oder auch nicht.

Borussia Mönchengladbach könnte sogar noch in die Champions League

In Wahrheit haben sich die Borussen zwar stabilisiert, aber auf allenfalls mittlerem Niveau. Seit April gab es zwei Siege, zwei Unentschieden und zwei Niederlagen. Reicht trotzdem, um einen Spieltag vor Ultimo (und dem schweren Spiel gegen den Titelaspiranten BVB) aus der Pole Position ins Rennen um den attraktiven und lukrativen Königsklassenplatz zu gehen. Das ist grotesk. Im Grunde kommen alle Europa-Anwärter aus einer Position der Schwäche, keine Mannschaft ist konstant formstark, sieht man mal von Bayer Leverkusen ab, das drittbeste Rückrundenteam, das sich am letzten Spieltag aber auch mit einem 1:1 gegen den Tabellenfünfzehnten FC Schalke 04 begnügen musste.

Eintracht Frankfurt, seit Ende März auf Rang vier zu Hause und nun auf sechs durchgereicht, stolpert von einer Verlegenheit in die nächste, hat keines der letzten fünf Ligaspiele gewinnen und nur zwei von 15 möglichen Punkten holen können. Ausbeute aus den vergangenen drei Heimspielen gegen Augsburg, Hertha BSC und Mainz 05: ein einziger Zähler, 0:0 gegen Berlin. Die Eintracht robbt auf dem Zahnfleisch dem Finale entgegen. Das führt sie ausgerechnet nach München zum Deutschen Meister FC Bayern. Könnte eng werden.

Der VfL Wolfsburg hat eine bessere Ausgangsposition durch ein schallendes 0:3 verspielt – gar beim Relegationsteilnehmer VfB Stuttgart. Die Niedersachsen haben immerhin eine lösbare Aufgabe zum Abschluss: Heimspiel gegen Augsburg. Aber was heißt das schon?

Die TSG Hoffenheim, aktuell Achter, muss in Mainz antreten, das ist ebenfalls machbar. Aber in Sinsheim läuft es nicht rund, einige Spieler sollen vor dem Absprung stehen, die innige Zuneigung zum scheidenden Trainer Julian Nagelsmann soll etwas erkaltet sein. Die Luft sei so ein bisschen raus. Die Kraichgauer haben zuletzt aus drei Partien nur einen Punkt geholt und zweimal zu Hause verloren.

Selbst Werder Bremen auf Rang neun hat noch Chancen auf die Europa League, von den letzten vier Spielen aber nur eines gewonnen, dafür zwei verloren.

Merkwürdig ist es, das Schneckenrennen gen Europa, aber zumindest spannend.

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