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Bundesliga: Ein Hauch von Spannung

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Von: Thomas Kilchenstein

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Bei der Arbeit: Freiburgs Trainer Christian Streich (links) und Union Berlins Trainer Urs Fischer. dpa
Bei der Arbeit: Freiburgs Trainer Christian Streich (links) und Union Berlins Trainer Urs Fischer. dpa © dpa

In seinem Kommentar schreibt unser Autor zum Beginn der Winterpause über die Überraschungs-Teams der Bundesliga und schwächelnde Favoriten.

Wäre diese Saison an diesem Wochenende beendet, wäre - Achtung: Spoiler - Bayern München Meister, der SC Freiburg, RB Leipzig und Eintracht Frankfurt stünden in der Champions League, Union Berlin spielte Europa League und der BVB in der Conference League. Leverkusen, Mönchengladbach oder Wolfsburg guckten in die Röhre.

Sicher, die Saison ist noch lange nicht rum, nicht mal die Hälfte ist absolviert, jetzt kommt erst mal eine weltmeisterliche Zwangspause. Aber die Saison ist bislang bunter, abwechslungsreicher, lebendiger als gedacht. Das liegt an den Ausreißern nach oben, den Überraschungsteams, den Überperformern, es liegt am SC Freiburg, an Union Berlin, an der Eintracht, vielleicht auch an Werder Bremen, die ihre Möglichkeiten zu 100 Prozent (oder drüber) ausschöpften.

Nehmen wir den Sportclub aus Freiburg, die wohl größte Überraschung, der SC als Bayernjäger? Hätten selbst die ewigen Optimisten nicht gedacht, Christian Streich sowieso nicht. Aber der SC ist ein gutes Beispiel wie Erfolg dank Kontinuität, gewachsenen Strukturen, einer klugen, pfiffigen Personalpolitik, Bescheidenheit und Beharrlichkeit nachhaltig Einzug halten kann. Seit bald elf Jahren ist Streich der Spiritus rector im Schwarzwald. Konstanz und Verlässlichkeit sind gute Stichworte, selbst wenn sich das Freiburger Modell nicht eins-zu-eins auf andere Klubs übertragen lässt. Der SC Freiburg funktioniert nur in Freiburg, wie Christian Streich auch. Das ist wahrlich kein Makel, im Gegenteil: Es spricht von großer Reife zu wissen, wo man hingehört.

Ähnlich strukturiert ist Union Berlin, auch dort arbeitet Urs Fischer seit vier Jahren an einer unverwechselbaren Handschrift. Er hat den Berlinern eine Identität gegeben, etwas in die Union-DNA eingepflanzt, das haften bleibt, und mit Teamgeist, verschworener Haufen, Straßenköter-Mentalität eher ungenau umschrieben ist. Dass die Köpenicker zum Ende der Runde deutlich abbauten, ist erklärbar - Bäume wachsen selten in den Himmel.

Die Zeit der Aufmüpfigen

Zur Wahrheit gehört auch: Dass Außenseiter sich genüsslich an der Tabellenspitze tummeln, liegt natürlich an den Bayern, die sich im Frühherbst eine Mini-Krise leisteten mit ein paar Unentschieden und einer Niederlage, der bislang einzigen, gegen FC Augsburg. Danach haben sie in München einen Hamburger Jung namens Eric-Maxim Choupo-Moting von der Ersatzbank gezerrt, schon wird es klappen mit der Meisterschaft.

Ärgster und ernsthaftester Bayern-Verfolger wäre im Kern RB Leipzig, hätten sie in Sachsen eher auf Marco Rose gesetzt, der das unter Domenico Tedesco schlingernde Team ruckzuck aufs richtige Gleis gestellt und seitdem 23 Punkte aus zehn Spielen geholt hat. Seit Rose nach einem 0:4 in Frankfurt nach dem fünften Spieltag ins Amt kam, hat kein Bundesligist mehr Punkte geholt.

Der Aufwind der Kleinen liegt immer am Abwind der Großen, Bayer Leverkusen spielt bislang eine grauenvolle Saison,warum auch immer, Borussia Dortmund sind erneut schon alle Felle auf den Titel davon geschwommen. Wenn die Favoriten straucheln, müssen die Aufmüpfigen da sein, so ist die ungeschriebene Regel. Sollte die Bundesliga womöglich ihren Hauch an Spannung behalten?

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