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Lucien Favre

BVB

Statistisch auf Meisterkurs

Dortmund ist besser als beim Titelgewinn 2011 - trotzdem sind nicht alle zufrieden.

Lucien Favre zuckte mit den Schultern und ließ sich von Zahlenspielen nicht aus der Ruhe bringen: „Für mich bedeutet der Rekord nicht viel, das ist nur Statistik“, sagte der Trainer von Borussia Dortmund nach dem 5:1 (1:0) gegen Hannover 96. Dabei legte Dortmund mit dem 15. Saisonsieg und 48 Punkten die beste Zwischenbilanz der Vereinsgeschichte hin. Die bisherige Bestmarke von 47 Zählern stammte aus der Spielzeit 2010/11 unter Jürgen Klopp – am Ende feierte Dortmund den Meistertitel.

Doch kein Grund für die BVB-Profis, abzuheben. In erster Linie war nach dem Kantersieg über die Niedersachsen, die den Gastgebern eine Stunde lang große Probleme bereiteten, Kritik zu hören. Vor allem von Roman Bürki, der nach dem Gegentor durch den Ex-Borussen Marvin Bakalorz (86.) mächtig tobte und auch nicht zu beruhigen war, nachdem Axel Witsel in der Schlussminute den Treffern von Ashraf Hakimi (24.), Marco Reus (60.), Mario Götze (63.) und Raphael Guerreiro noch das fünfte Dortmunder Tor folgen ließ.

Der Schweizer Schlussmann war sichtlich angefressen. „Es war am Ende nachlässig verteidigt und arrogant. Die Spieler sehen das vielleicht nicht so, doch für mich war das einfach ärgerlich.“ Von einer guten Vorstellung wollte der Keeper trotz des klaren Resultates nicht sprechen: „Es war nicht so eine Leistung, wie wir sie uns eigentlich wünschen. Vor allem in der ersten Hälfte hatten wir nicht viele Lösungen.“ Zumindest in einer Sache fand Bürki bei seinem Kapitän Zustimmung: „Wir müssen auch am Ende zielstrebiger zu Werke gehen. Wir haben das unnötigste Gegentor des Jahres bekommen. Das ärgert dann natürlich den Roman und unsere Viererkette“, sagte Reus.

Kehl fordert Geduld ein

Der immer smart lächelnde Sebastian Kehl, als Leiter der BVB-Lizenzspielerabteilung Bindeglied zwischen Mannschaft, Trainer und Verantwortliche, bemühte sich darum, die interne Kritik zu relativieren. Nachlässig, vielleicht sogar arrogant verteidigt? „Da würde ich Roman nur zum Teil Recht geben wollen“, erklärte Kehl. „Ich glaube, dass er ein bisschen sauer war, weil er das Gegentor bekommen hat. “

Einige waren sich allerdings alle Dortmunder darüber, dass die Vorstellung in der ersten Hälfte nicht berauschend war. Mit etwas Glück hätte Hannover zu Beginn in Führung gehen können, doch Bürki war bereits nach zwei Minuten beim platzierten Kopfball von Hendrik Weydandt hellwach. „Man braucht manchmal ein bisschen Geduld, kann nicht erwarten, dass von Beginn alles läuft“, sagte Kehl.

Und Reus berichtete, worüber in der Pause geredet wurde: „Wir haben angesprochen, dass wir schneller spielen und zielstrebiger in die Zweikämpfe gehen müssen. Das haben wir dann in der zweiten Hälfte besser gemacht. Wenn wir einmal ins Rollen kommen, haben wir enorme Power.“ Auch sich selbst bezog Reus mit in die Kritik ein. „Ich war vorher sauer auf mich, weil ich schon in der ersten Hälfte zwei Tore machen musste.“ Zufrieden war Reus allerdings mit dem Ergebnis und dem neuen Vereinsrekord: „Stark. Wir machen da weiter, wo wir aufgehört haben. Mit der gleichen Leidenschaft und Qualität.“ (mit sid)

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