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Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies gerät zunehmend unter Druck.

„Dumpfer Rassismus“

Bundesjustizministerin schaltet sich in Tönnies-Affäre ein

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Nach seinen umstrittenen Aussagen über Afrikaner hagelt es Kritik für Clemens Tönnies. Vom DFB drohen Konsequenzen, selbst aus der Bundesregierung kommen klare Worte. Ob Tönnies Club-Chef auf Schalke bleiben kann, scheint fraglich.

Gelsenkirchen - Nach den umstrittenen Aussagen von Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies über Afrikaner schaltet sich nun auch die Bundesregierung ein. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) kritisierte Tönnies scharf: „Wer dumpfen Rassismus verbreitet, stellt sich gegen hunderttausende Fußballfans. Die übergroße Mehrheit steht klar für Menschlichkeit und Toleranz“, sagte die Justizministerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe. 

Lambrecht forderte den Deutschen Fußball-Bund (DFB) auf, sich mit dem Vorfall zu beschäftigen. „Wir müssen ganz klar machen: Wir lassen uns nicht spalten. Rassismus muss man überall laut und deutlich widersprechen: in sozialen Netzwerken, im Verein, im Job und auf dem Fußballplatz.“ 

Lambrecht sagte weiter: „Nirgendwo gelingt Integration so gut und so schnell wie im Sport. Das darf man nicht gefährden.“ Tönnies hatte nach einem Bericht der Zeitung „Neue Westfälische“ beim Tag des Handwerks in Paderborn als Festredner Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert. Stattdessen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren“, sagte Tönnies. Für diese Aussagen hatte er sich später entschuldigt und sie als „töricht“ bezeichnet. 

Tönnies drohen Konsequenzen vom DFB 

Die Ethikkommission des Deutschen Fußball-Bundes wird sich bei ihrer nächsten Sitzung am 15. August mit dem Vorfall beschäftigen. Das bestätigte der Vorsitzende des Gremiums, Nikolaus Schneider: „Wir werden das Thema in unserem Kreis bereden“, sagte Schneider am Sonntag.

„Die öffentliche Wirkung ist schlimm“, sagte der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland. Das dreiköpfige Gremium kann selbst keine Strafe gegen Tönnies aussprechen, den Vorfall aber zur Anklage bei der DFB-Gerichtsbarkeit bringen.

DFB-Interimspräsident Reinhard Rauball hatte Tönnies am Samstagabend ebenfalls hart kritisiert: „Ich war sehr überrascht, dass ihm das so passiert ist, und das kann man nicht durchgehen lassen, kommentarlos“, sagte Rauball nach dem Supercup in Dortmund. Zu den Ermittlungen der unabhängigen Ethikkommission wollte sich der Ligapräsident und Clubchef von Borussia Dortmund nicht äußern.

„Das ist primitiv und zeugt von Unwissen“

Für zahlreiche Vertreter aus Politik und Sport sind die Aussagen unentschuldbar. „Es ist beschämend, dass ein Mann in einer solchen Funktion eine solche Aussage trifft“, sagte Ex-Profi Otto Addo: „Das ist mehr als ein dummer Spruch. Denn was mich noch mehr stört als der Spruch ist das Gedankengut, das dahintersteckt. Und dann rutscht so etwas eben mal raus. Das ist primitiv und zeugt von Unwissen.“ 

Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, sagte der „Welt am Sonntag“: „Die am folgenden Tag veröffentlichte Klarstellung durch Herrn Tönnies kann den gesellschaftspolitischen Schaden sicher nicht wettmachen.“ 

Während Sylvia Schenk, Leiterin der Arbeitsgruppe Sport bei Transparency International Deutschland, bei Tönnies eine „hoch problematische Geisteshaltung“ erkannte, warf Andreas Rettig, scheidender Geschäftsführer des Zweitligisten FC St. Pauli, diesem eine „Gutsherren-Mentalität“ vor. Ex-S04-Profi Hans Sarpei hatte die Aussagen als „rassistische Bemerkungen“ bezeichnet und das „Weltbild eines Großwild-Jägers“ erkannt, „der ausgestopfte Baby-Elefanten auf seinem Hof als Trophäen präsentiert, auf Arbeitszeitfirmen mit günstigen ausländischen Arbeitskräften setzt und Putin den Hof macht.“ Eintracht Frankfurts Präsident Peter Fischer, der für seine offensive Haltung gegenüber Rassismus bekannt ist,  sagte der „Bild“: „Ich bin sprachlos. Dazu fällt mir nix mehr ein.“ 

Schalke-Fans drohen mit Vereinsaustritt

In den sozialen Medien drohen erste Fans mit Vereinsaustritt, sollte der seit 2001 amtierende Tönnies Club-Chef bleiben. Mit dem Leitbild des Vereins sind Tönnies' Aussagen nicht vereinbar. Noch auf der Mitglieder-Versammlung am 30. Juni hatte Finanzvorstand Peter Peters konkret zum Thema Rassismus darauf hingewiesen und erklärt: „Danach leben und danach handeln wir! Alle, die nicht für die königsblauen Werte einstehen, sind keine Schalker!“ 

Darauf Bezug nehmend twitterte die Schalker Fan-Initiative. „Den Rassismus können wir nicht durchgehen lassen.“ Und weiter: „Jemand, der unseren Verein repräsentiert, darf solche Gedanken nicht mal in sich tragen. Der Verein muss jetzt ein Zeichen setzen und Konsequenzen ziehen! Wir stellen uns die Frage, was Peter Peters Worte von der Mitgliederversammlung sonst wert sind.“

tom / dpa

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