Hans-Dieter Flick

Vom Bundes-Hansi zum Bayern-Hansi

  • schließen

Mit einigem Anlauf ist der frühere DFB-Assistenztrainer Hans-Dieter Flick in den Schoß der Münchner Titelsammler zurückgekehrt.

Am 16. Januar 2017 räumte Hans-Dieter Flick seinen Schreibtisch in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes in Frankfurt. Die Fachwelt folgerte daraus reflexartig: Dann geht er zum FC Bayern, wo er einst gespielt hat und wo man jemanden braucht, der das Projekt Campus groß aufzieht. Gelandet ist Hansi Flick, 54, tatsächlich in München – aber erst zweieinhalb Jahre später: Er wird Co-Trainer von Niko Kovac.

Natürlich soll er dabei einen Blick auf den Nachwuchs haben. Aber vor allem wird er wieder auf dem Platz stehen und auf der Bank sitzen, die Rolle einnehmen, in der ihn Deutschland kennt. Der Bundes-Hansi jetzt als Bayern-Hansi.

Uli Hoeneß hatte ihn vor ein paar Jahren – so etwa zur Zeit der Turbulenzen um den bisweilen verhaltensauffälligen Louis van Gaal – als Alternative für den Cheftrainerposten im Auge. Doch Flick ging damals in seiner Rolle als Assistent von Joachim Löw bei der Nationalmannschaft auf. Es waren die guten Jahre, als die DFB-Auswahl einen neuen Fußball spielte und dem Ziel WM-Titel zustrebte.

Löw hatte Flick 2006 in sein Team geholt. Eine Überraschung: Flick war zuvor fünf Jahre Trainer der TSG Hoffenheim gewesen, die damals in der Regionalliga Süd spielte, aber es einfach nicht schaffte, wie von Mäzen Dietmar Hopp gewünscht, in die zweite Liga aufzusteigen.

Flick ging zu Red Bull Salzburg, musste sich dort aber Giovanni Trapattoni und Lothar Matthäus unterordnen. Joachim Löw ließ ihn an seiner Seite aufblühen. Jogi und Hansi waren das perfekte Duo.

Zwar verschob der Bundestrainer schon mal (wie 2012 in Südfrankreich im EM-Trainingslager) die von seinem Assistenten aufgestellten Hütchen demonstrativ um jeweils ein paar Zentimeter, doch er gewährte ihm auch Freiheiten. Der etwas schüchterne Flick durfte DFB-Pressekonferenzen übernehmen (dafür nahm er Rhetoriktraining) und das Thema Standardsituationen beackern. Bei der WM 2014 führte er die Trainingsbücher, und dass Deutschland Weltmeister wurde, schrieb man auch Flick zu. Fünf Tore fielen nach Freistößen und Ecken. 2016 bei der EM, als Thomas Schneider Flicks Co-Trainer-Rolle übernommen hatte, war die 2014er-Stärke dahin.

Löw hatte Flick in Brasilien unbedingt noch im Trainerstab haben wollen, obwohl damals der nächste Karriereschritt des Assistenten bereits beschlossen war: Sportdirektor beim DFB. Mit Elan und Konzepten stieg Flick in den Job (Vorgänger: Robin Dutt) ein – und geriet in die Sinnkrise: Zu viel Schreibtischarbeit, zu wenig Praxis, die Familie zu weit entfernt. Darum schmiss er hin – mit dem FC Bayern hatte seine Entscheidung 2017 nichts zu tun. Heimatnah ließ er sich ein zweites Mal in Hoffenheim anstellen – als Geschäftsführer Sport. Doch brauchte die TSG, die über ein funktionierendes Management (durch Alexander Rosen) verfügte, überhaupt jemanden? Im ersten Trainingslager stellte Flick sich einfach in kurzen Hosen mit auf den Platz – als sehnte er sich nach der Zeit mit Jogi zurück. Nach gut einem halben Jahr beendete Hoffenheim die Zusammenarbeit mit Flick.

In München soll Niko Kovac ihn sich explizit gewünscht haben. Flick ist fachlich exzellent, loyal, freundlich, er kennt die deutschen Nationalspieler. „Ein smarter Move“, sagt DFB-Direktor Oliver Bierhoff zur neuen Bayern-Personalie. Und Cheftrainer könnte Flick natürlich auch. Falls Bayern einen braucht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion