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Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic

Bayern München

Bürschchen, Bursche

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Das positive Wirken von Hasan Salihamidzic nach innen wird unterschätzt, weil der Auftritt nach außen oft so unbeholfen wirkt. Ein Kommentar.

Man kennt die Bilder vor Abflügen des FC Bayern zu den Spielen der Königsklasse vom Münchner „Franz Josef Strauß“-Flughafen, draußen, vor den Toren der Stadt. Karl-Heinz Rummenigge, der mächtige Vorstandschef, steht dann gewohntermaßen vor einem Schalter und erklärt den aufgeregten Fragestellern routiniert, was „offen und ehrlich“ gerade los ist beim großen FCB und was „am Ende des Tages“ dann noch los sein wird. 

Diesmal war das anders. Diesmal war Hasan Salihamidzic der gefragte Mann, ehe die jungen Leute in den Flieger nach Amsterdam einstiegen. Rummenigge hatte derweil bibbernd mit rot gefrorener Nase an der Arena zu tun, wo die Bayern ihr neues digitales Bezahlkonzept für Stadionwürstchen präsentierten. Als armes Würstchen war bisher auch Salihamidzic in der Öffentlichkeit wahrgenommen worden. Ein Sportdirektor vor Kalles und Ulis Gnaden. Ein Wicht.

Den Bayern dünkt spätestens seit der blamablen Pressekonferenz Mitte Oktober, als Rummenigge den Untergebenen Salihamidzic zum schlechten Schluss hocken ließ wie einen klebengebliebenen Unterprimaner, dass es mit der wiederholten öffentlichen Präsentation ihrer Führungskraft als überfordert wirkendes Bürschchen so nicht funktionieren kann. Es geht schließlich nicht um zweite Liga Hallenjojo, sondern darum, einen der weltgrößten Fußballklubs adäquat zu repräsentieren. Er sei der Meinung, sagt ergo Rummenigge jetzt, dass der gute Brazzo „sich ein Stück profilieren soll und auch muss“. 

Das hat Salihamidzic dann am Flughafen auch brav versucht und etwa auf die Frage, ob nach Arjen Robben auch für Franck Ribéry am Saisonende Schluss ist, geheimnisvoll geantwortet: „Der Präsident hat das gesagt, dann wird das auch so sein.“ Und er hat schon am Wochenende via Interview mit der „Welt am Sonntag“ versucht, sich deutlich offensiver zu positionieren. 

Heraus kam dann allerdings die reichlich selbstgerecht anmutende Wahrnehmung als jemand, der „in meiner bisherigen Arbeit wahrscheinlich mehr bewegt hat als meine Vorgänger in ihrer gesamten Amtszeit beim FC Bayern“, und die selbstbewusste Vorausschau, er könne sich eine Zusammenarbeit mit Oliver Kahn zwar vorstellen, es komme aber für ihn „überhaupt nicht infrage, unter einem Sportvorstand zu arbeiten“. Womit erstens geklärt wäre, dass Brazzo in 18 Monaten mehr auf die Reihe bekommen hat als Matthias Sammer in vier Jahren, und zweitens kein Zweifel mehr bestehen kann, dass ein potenzieller Kandidat Kahn mindestens Gesamtvorstand (oder alternativ Zeugwart, Greenkeeper, Hausmeister, Busfahrer) werden müsste, sollte Brazzo bereit sein zu bleiben. 

Die Messlatte hängt hoch 

Wie man hört, wird das positive Wirken von Salihamidzic nach innen unterschätzt, weil der Auftritt nach außen oft so unbeholfen wirkt. Kalle Rummenigge ließ jedenfalls wissen, man sei mit dem Sportdirektor gerade deshalb zufrieden, weil er „nicht nur fleißig und mit Feuereifer dabei“ sei, sondern „die Dinge sehr klug“ vorbereite. Welche Dinge das genau sind, soll man schon in der Winterpause erfahren, wenn die Dinge dann zu Menschen werden, die sogar gut Fußball spielen können sollten. Das ist die Messlatte, die der kluge Kaderplaner Salihamidzic überspringen muss, um ein echter Bursche zu werden. Sie hängt, offen und ehrlich, verdammt hoch. 

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