Ist unter die Barttäger gegangen: Hasan Salihamidzic.
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Ist unter die Barttäger gegangen: Hasan Salihamidzic.

FC Bayern München

Hasan Salihamidzic: Vom Bürschchen zum Bartträger

  • vonJonas Austermann
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  • Hanna Raif
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Hasan Salihamidzic hat als Sportdirektor eine lehrreiche Zeit beim FC Bayern hinter sich. Nun tritt er als gereifter Macher dem Vorstand des FC Bayern München bei.

Dieser Bart. Man(n) trägt ihn jetzt. Aber weil Hasan Salihamidzic ihn nach der Fußball-Corona-Pause lange unter einer Maske versteckt hielt, wirkt er jetzt, wo man freien Blick auf ihn hat, noch imposanter. Erst am Samstag, auf dem Rasen in Wolfsburg, strich sich der 43-Jährige – bekleidet im Meister-Shirt, geschmückt mit einer Medaille – immer wieder ausgiebig durch das dichte Gesichtshaar. Nach dem Motto: Schaut her! Ich bin kein Bürschchen mehr!

Heute ist es also so weit, der 1. Juli ist da, und wie man beim FC Bayern seit Anfang November des Vorjahres weiß, ist Salihamidzic ab sofort nicht mehr als Sportdirektor, sondern als Sportvorstand tätig. Es war die letzte Amtshandlung von Uli Hoeneß als Präsident, zu garantieren, dass der Champions-League-Sieger von 2001 in diesem höchsten Gremium des besten deutschen Fußballklubs neben dem Vorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge sowie Jan-Christian Dreesen, Andy Jung, Jörg Wacker und Oliver Kahn sitzt, der Rummenigge 2022 als Chef beerben wird. Nicht einmal drei Jahre hat es also gedauert, bis Salihamidzic vom Markenbotschafter zum Vorstand wurde. Eine steile Funktionärskarriere, kann man sagen. Eine, die ihm die Wenigsten zugetraut haben, muss man ergänzen.

Lob von Rummenigge

Rummenigge erinnert sich noch bestens an die Anfangszeit. 2017 war das, der „Neue“ kam gewissermaßen als Kompromisslösung, auf einer Autofahrt in China einigte sich das damalige Führungsduo, dann ging es schnell. „Er hatte an seinem ersten Tag im Büro an der Säbener Straße natürlich noch keine große Erfahrung in diesem Job, aber er hat gleich angekündigt, dass er in dieser Funktion alles für den FC Bayern geben wird“, sagt Rummenigge. Das habe Salihamidzic schon als Spieler getan: „Und er hat sein Versprechen auch nun mehr als eingelöst“, ergänzt der Klubchef. Als „unglaublich engagiert“ bezeichnet Rummenigge „Brazzo“, er habe „eine sehr gute und sehr nachhaltige Entwicklung in der sportlichen Führung des FC Bayern genommen, viel gelernt“. Heute sei er daher „in seinem Job etabliert und sehr wertvoll für den Klub“.

Profiteur von Corona

Lob von oberster Stelle ist für Salihamidzic nichts Neues. Sein Funktionärswirken ist seit jeher von Misstrauen aus der Öffentlichkeit sowie Fürspruch aus den eigenen Reihen begleitet. Ein Berufseinsteiger auf dieser Position polarisiert, einer, der seine Lehrzeit im Scheinwerferlicht absolviert, noch mehr. Es gab Zeiten, in denen Rummenigge Salihamidzic öffentlich zurechtwies oder ihm das Wort entzog, all das aber gilt intern als einkalkuliert. Rummenigge prangert sogar an, dass es der Öffentlichkeit oft „an Geduld fehlt, niemandem wird mehr die Zeit eingeräumt, sich zu entwickeln“. Er erinnert daran, dass auch er sich „zehn Jahre lang als Vizepräsident einarbeiten“ konnte.

Salihamidzic weiß schon heute deutlich besser als vor drei Jahren, wie das Geschäft läuft. Dass Rummenigge auf der Jahreshauptversammlung 2019 daher ein flammendes Plädoyer für ihn hielt („er hat eine Chance verdient“), war kein Zufall. Als „unfair und obendrein polemisch“ bezeichnet der 64-Jährige die öffentliche Dauerkritik am damaligen Sportdirektor – und betont: „Wenn ein Mitarbeiter des FC Bayern ungerecht behandelt wird, dann muss ich auch zeigen, was ,Mia san Mia‘ bedeutet.“

Es bedeutet Zusammenhalt, dieser Klub sieht sich als Familie, das sagt „Brazzo“ auch stets bei Verhandlungen. Seine Transferbilanz ist okay – Alphonso Davies etwa schlug ein, Rekordkauf Lucas Hernandez bislang nicht –, ohnehin findet Rummenigge es aber „viel zu kurz gesprungen“, ihn „ausschließlich über die Aktivitäten auf dem Transfermarkt zu definieren“. Salihamidzic ist mit Trainer Hansi Flick und Nachwuchs-Chef Jochen Sauer für „die sportliche Leitung, eine nachhaltige Kaderzusammenstellung sowie die Entwicklung der Nachwuchsspieler am FC Bayern Campus verantwortlich“. Dass zahlreiche Jugendspieler nun Bundesliga-Debütanten wurden, ist auch sein Verdienst. Er macht sich Gedanken, führt Gespräche, hat unter anderem die Entwicklung eines Innovationszentrums angeschoben, das am Campus modernste Technik garantiert.

Seine Arbeit hat sich in den vergangenen Monaten mehr geändert, als sie es jetzt tun wird. Sie lief im Stillen, nicht vor dem Mikrofon – ein positiver Corona-Effekt. So blieb Zeit für Verhandlungen – unter anderem mit Leroy Sané – und der Einarbeitung mit Kahn. Rummenigge wünscht dem Duo „genauso viel Freude und Erfolg in ihrem Job wie Uli und ich das hatten“. Auch er trägt derzeit übrigens: Bart. Ist anscheinend „in“ im Vorstand.

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