Kommentar

Bübchen mit zu wenig Format

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So sehr der scheidende Präsident Uli Hoeneß den Sportdirektor Hasan „Brazzo“ Salihadmidzic auch protegieren mag - es fehlt dem Ex-Profi an Ausstrahlung und Eloquenz. Der Kommentar.

In den vergangenen Tagen hat sich Brazzo, das Bürschchen, in der Öffentlichkeit auffallend zurückgehalten. Nach der samstäglichen Auferstehung der alten Bayern gegen Dortmund schwieg er, der Sportdirektor Hasan Salihamidzic, und überließ die Bühne seinem Ziehvater Uli Hoeneß, der ja am Freitag – manch einer glaubt das wirklich – aus der ersten Reihe zurücktreten wird.

Am Sonntag, als im Fernsehen beim Stammtisch nicht immer nett über „den Hasan“ (Hoeneß) gesprochen wurde, ließ sich dieser nicht zu einer Replik hinreißen, dafür rief Mentor Hoeneß prompt in der Live-Sendung von Sport 1 an, um für den armen Kerl eine Lanze zu brechen. „Despektierlich und unverschämt“ sei der Umgang mit Salihamidzic, er komme total schlecht weg, was wahrscheinlich daran liege, so denkt sich zumindest Uli Hoeneß seine Bajuwaren-Welt, dass da so manch Journalist durch die Branche irrlichtert, „der ja überhaupt keine Ahnung hat“.

Salihamidzic, 42, sei gar solch eine Koryphäe auf seinem Gebiet, dass er es geschafft habe, drei „sensationelle Transfers“ einzutüten, nämlich die von Lucas Hernandez, Benjamin Pavard und Alphonso Davies. Gerade bei Pavard und Hernandez muss Salihamidzic ungeheuerliche Insiderinformationen und einen exzellenten Spürsinn gehabt haben, um die beiden Franzosen überhaupt zu entdecken. So ein WM-Titel wird ja meistens abseits der breiten Öffentlichkeit gewonnen. Und Brazzos Überzeugungskunst war beim Hernandez-Wechsel von Atletico hin nach München natürlich auch sehr viel entscheidender als die Ablöse in Höhe von 80 Millionen und ein fettes Gehalt.

So viel „hervorragende Arbeit“ mündet folgerichtig in einer Beförderung. Am Montag hat Uli Hoeneß seinem Zögling als letzte Amtshandlung zu einem Sitz in der Führungsetage der Bayern verholfen, ab Sommer 2020 ist Salihamidzic nicht mehr Sportdirektor, sondern Sportvorstand.

Er tritt damit die Nachfolge von Matthias Sammer an, einem Querdenker und Eckkopf, einem Strategen, Anschieber und Erneuerer, einem Fußballliebhaber mit Weitsicht und Visionen. Also quasi der Gegenentwurf zum früheren bosnischen Nationalspieler Salihamidzic. Was befähigt ihn eigentlich, dieses verantwortungsvolle Amt zu bekleiden?

Keine Frage, der frühere Profi ist ein kerniger, offener Typ, fleißig und ehrgeizig, einer, der als erster an der Säbener Straße vorfährt und sie als letzter verlässt. So war er schon als Spieler, der Brazzo, ein Kämpfer und Schaffer und Haudrauf, einer, der niemals aufgab und voranging. Diese Haltung hat er sich bewahrt, und wenn er nicht gerade in ein Rotlicht blinzelt, kann er durchaus herzlich, lustig und hintergründig sein.

Doch sein Profil hat er nicht schärfen können, er tritt öffentlich ungelenk und holprig auf, Eloquenz ist ihm nicht gegeben, er hangelt sich inhaltslos an Phrasen entlang. Das wird ihm intern verziehen, doch es muss sehr wohl die Frage erlaubt sein, ob er generell das Format für den FC Bayern hat, einen der größten Klubs der Welt. Er müsste irgendwann mal zeigen, für was er steht, was er kann und was genau seine Kernkompetenz ist. Weltmeister wie Hernandez und Pavard, bei aller Liebe, kennt auch der Geschäftsführer eines Fünftligisten.

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