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Einmal VfBler, immer VfBler: Jürgen Klinsmann vor einem Jahr bei einem Prominentenspiel in Stuttgart.

VfB Stuttgart

„Den Brustring im Herzen“

Der VfB Stuttgart diskutiert bei Suche nach dem neuen starken Mann über Jürgen Klinsmann.

Die Nachricht von der prominenten Fürsprache aus der Villa Reitzenstein erreichte Jürgen Klinsmann im fernen Kalifornien per Mail – und er fühlte sich sehr geschmeichelt. Kein Geringerer als der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann hatte ihn nach dem Rücktritt von Vereinspräsident Wolfgang Dietrich als Messias bei seinem zerrissenen Herzensklub VfB Stuttgart ins Gespräch gebracht – und Klinsmann steht ganz offensichtlich bereit. „Der VfB ist ein besonderer Verein für ihn“, sagte Klinsmanns Berater Roland Eitel auf Anfrage, „wenn ihn jemand vom VfB anruft – egal aus welchem Grund – wird er immer ans Telefon gehen. Wie in der Vergangenheit auch.“

Nun ist Kretschmann zwar kein offizieller Vertreter des Bundesligaabsteigers. Doch das Wort des Landesvaters und bekennenden VfB-Fans hat Gewicht. „Der Verein braucht jetzt eine Persönlichkeit mit Fußballkompetenz, die ausschließlich das Interesse des Vereins im Blick hat“, schrieb Kretschmann auf seiner Facebook-Seite: „Jemand der von hier kommt, der zusammenführt und hinter dem sich die ganze VfB-Familie versammeln kann.“ Ihm falle da jemand ein, „den ich letztes Jahr in Kalifornien getroffen habe und der den Brustring definitiv im Herzen trägt“.

Dem Besuch im Herbst bei der Klimakonferenz in San Francisco folgte im März Klinsmanns Gegenbesuch in Stuttgart, wo beide einen gemeinsamen Auftritt bei einer Talkrunde („Kehrwoche in Kalifornien“) im Theaterhaus hatten. Der Politiker und der frühere Fußballer pflegten ein inniges Verhältnis, heißt es. Und so dürfte Kretschmann wissen, dass den ehemaligen Bundestrainer ein VfB-Comeback reizt.

Klinsmann hatte im vergangenen November geäußert, dass „mein Herz noch immer für den VfB schlägt“ und es ihn „mit meiner Erfahrung und meinem Netzwerk in den Profizirkus zurück zieht“. Er sei „für alles offen“ und könne sich „auch eine Rückkehr nach Deutschland vorstellen“. Eitel sagte dazu: „An der Lebenssituation von Jürgen hat sich seither nichts geändert.“ Vorstellbar scheint für den 54-jährigen Klinsmann die Rolle als Vorstandsvorsitzender, die bei den Schwaben neu geschaffen werden soll.

Bereits im März war Klinsmann beim VfB gehandelt worden, mehrmals tauschte er sich mit Dietrich über einen möglichen Posten aus. Damals, heißt es, sei die Rückkehr vor allem am mächtigen Aufsichtsrat Wilfried Porth gescheitert. Im Konflikt mit dem Personalvorstand von Partner Daimler war bereits Klinsmanns Freund Guido Buchwald aus dem Gremium ausgeschieden. Diesmal dürfte Porth der Personalie Klinsmann dennoch kaum im Wege stehen.

Neuwahl am 15. Dezember

Der frühere Topstürmer könnte die Identifikationsfigur sein, die den gespaltenen Klub eint. Zweifler merken an, dass der seit 20 Jahren in den USA lebende Klinsmann vom Bundesligageschehen zu weit weg sei. Allerdings war Klinsmann, dessen Mutter in Stuttgart-Botnang wohnt, zuletzt – auch in seiner neuen Rolle als RTL-Experte – wieder häufiger in der alten Heimat.

Als Favorit auf den Posten des Vorstandschefs galt bis zu Dietrichs Abtritt der frühere Düsseldorfer Robert Schäfer. Als möglicher neuer Präsident sind die Ex-Profis Buchwald oder Karl Allgöwer denkbar, Thomas Berthold hat sich als Aufsichtsratschef ins Gespräch gebracht. Die außerordentliche Mitgliederversammlung zur Neuwahl wurde vom VfB auf den 15. Dezember in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle terminiert. Bis dahin sollen die Geschäfte von Vizepräsident Bernd Gaiser und Hans H. Pfeifer geführt werden, der vom Vereinsbeirat nach Dietrichs Rücktritt interimsweise ins Präsidium berufen wurde. (sid/dpa)

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