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Mittelmäßig gelaunt: Thomas Tuchel.

Champions League

Brüchiges Gebälk

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Bei Paris Saint-Germain hängt der Haussegen mächtig schief, weil sich Trainer Tuchel und Sportchef Leonardo nicht vertragen.

Kein anderer Großraum einer europäischen Hauptstadt besitzt für den Weltfußball eine solche Bedeutung wie Paris. Hier hat nicht nur jeder fünfte Einwohner Frankreichs seine Wiege, sondern haben auch zahlreiche Nationalspieler ihre Wurzeln. Allein bei der WM 2018 in Russland waren 52 in Frankreich geborene Spieler am Ball. 15 stammten aus Paris, darunter sieben Franzosen, vier Senegalesen, zwei Marokkaner und je ein Spieler aus Tunesien und Portugal. Von der schier unerschöpflichen Talentquelle in den Banlieues profitieren viele europäische Topklubs, und dazu gehört auch RB Leipzig, das am Mittwoch (21 Uhr) in einer Neuauflage des Halbfinals nun in der Gruppenphase gegen Paris St. Germain antritt.

Für zwei Leipziger ist es eine Begegnung mit der Vergangenheit: Ibrahima Konaté, 21, der kräftige RB-Verteidiger, stammt direkt aus Paris, Christopher Nkunku, 22, der wuselige Stürmer, kommt aus der PSG-Jugend, wollte sogar Kapitän seines Heimatvereins werden, ehe er vergangenen Sommer zu den Sachsen wechselte. Als am 18. August der Traum vom Champions-League-Finale platzte und Leipzig bei der 0:3-Niederlage chancenlos war, wirkte Nkunku besonders traurig.

„Wir wissen jetzt, wie Paris spielt und wie es sich anfühlt, gegen sie auf dem Platz zu stehen. Es ist die Chance, Wiedergutmachung zu betreiben“, sagt der Franzose. Tatsächlich könnte die Gelegenheit für den Brauseklub, der genau wie der Gegner von Manchester United auf die Bretter geschickt wurde und drei Punkte vorweist, günstig sein. Denn bei PSG knirscht es im Gebälk.

Nach Superstar Neymar (Adduktorenprobleme) fällt mit Kylian Mbappe (Oberschenkelverletzung) auch der zweite Weltklassestürmer aus. Außerdem fehlen Julian Draxler, Marco Verratti, Mauro Icardi und Juan Bernat. PSG, das schon eine Woche nach dem verlorenen Champions-League-Finale gegen Bayern München in der Liga gefordert war, zahlt offensichtlich den Preis für die Terminhatz. Darüber hat sich Thomas Tuchel in einem scharfen Ton beklagt. „Man tötet die Spieler“, sagte der PSG-Trainer kürzlich, angesprochen auf die enorme Belastung in dieser Saison.

Wahrscheinlich war die drastische Aussage seinem ziuemlich guten, aber nicht ganz perfekten Französisch geschuldet, doch der ehemalige Bundesligacoach ist verärgert. In jedem Spiel würde er einen Spieler verlieren, haderte der 47-Jährige. Immerhin steht ihm in Leipzig - wo übrigens auch die deutsche Nationalmannschaft die nächsten Länderspiele gegen Tschechien (11. November) und die Ukraine (14. November) bestreitet - Nationalspieler Thilo Kehrer wieder zur Verführung.

Es sind aber nicht nur personelle Sorgen, die die Stimmung beim französischen Meister haben auf den Nullpunkt sinken lassen, während im Land die Zahl bei den Corona-Erkrankungen in schwindelerregende Höhen klettert. Seit dem Ende des Transferfensters scheint das Tischtuch zwischen Tuchel und Sportdirektor Leonardo zerschnitten. Das Verhältnis gilt als schwer belastet.

Der strebsame, perfektionistisch veranlagte Deutsche und der smarte, weltgewandte Brasilianer – das scheint schon typbedingt nicht zu passen. Wie überhaupt vieles bei PSG schiefläuft; das fing schon nach dem Endspiel in Lissabon an, als zahlreiche Stars in den Ibiza-Urlaub düsten – und sich prompt das Virus einfingen, weil Abstandsregeln in den Ferien offenbar wenig zählten. Als dann die von Tuchel erhofften Verstärkungen ausblieben, um dem Kader frisches Blut einzuimpfen, eskalierte der Streit. Leonardo konterte Tuchels Vorwurf, indem er unverhohlen eine Drohung aussprach: „Wir leben in der wirtschaftlichen Krise, die uns Covid-19 aufgedrängt hat. Wenn Tuchel bleiben möchte, sollte er unsere Politik und die internen Regeln respektieren.“ Klare Ansage.

Seitdem werten viele Experten die Aufstellungen des nur bis nächsten Sommer gebundenen Fußballlehrers als Affront gegen den Manager. Der eigentlich als Sechser verpflichtete Portugiese Danilo Pereira spielte in der Viererkette, und Marcquinhos, Leonardos Landsmann, kam im Mittelfeld zum Einsatz. Wie die Geschichte ausgeht, wird entscheidend davon abhängen, wie es für den vom Katarer Nasser Al-Khelaifi geführten Klub in der Königsklasse ausgeht. Viele sagen schon: Tuchel kann nur bleiben, wenn er endlich den Henkelpott gewinnt. Aber erst einmal muss sein Team die Gruppe überstehen.

Da steht auch der ihm gut bekannte Kollege Julian Nagelsmann unter Druck. Erst 0:5 bei Manchester United, dann 0:1 bei Borussia Mönchengladbach: Zwei Auftritte ohne eigenes Tor gab es unter dem 33-Jährigen noch nie. Als Erklärung hat er angebracht, was auch Tuchel als Ausrede benutzt: „Es sind viele Spiele. Wir haben viele Verletzte.“ (mit dpa/sid)

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