Der Frust sitzt tief: Werder Bremen befindet sich im Abstiegskampf.
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Der Frust sitzt tief: Werder Bremen befindet sich im Abstiegskampf.

DFB-Pokal

Bremer Bleifiguren

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Vor dem DFB-Pokalachtelfinale gegen Borussia Dortmund spricht nicht viel dafür, dass Werder seinen Coup aus dem Vorjahr wiederholt – die Angst vor dem zweiten Abstieg überlagert alles.

Noch immer kommen die Profis des SV Werder in den Trakten des Weserstadions an der glorreichen Vergangenheit gar nicht vorbei. An Wänden und Aufgängen prangen Schriftzüge und Fotos von sechs DFB-Pokalsiegen und vier Meisterschaften. Der langjährige Vorstandschef Klaus Allofs erzählte einmal, die Umgebung solle die Spieler an die Verpflichtung aus der Historie erinnern. Zwar hat es seit dem Pokalsieg 2009 – der Geschäftsführer Frank Baumann feierte damals seinen Abschied als Aktiver – nicht mehr zu einer Trophäe gereicht, aber zumindest von der Fahrt nach Berlin träumten die Grün-Weißen immer mal wieder. Zuletzt im Frühjahr letzten Jahres. Werder hatte im Halbfinale einen 0:2-Rückstand gegen den FC Bayern (2:3) aufgeholt, als eine krasse Fehlentscheidung von Schiedsrichter Daniel Siebert die Tür zum Endspiel zuschlug. Zuvor hatte das Team von Florian Kohfeldt im Viertelfinale beim FC Schalke 04 (2:0) und im Achtelfinale bei Borussia Dortmund (7:5 nach Elfmeterschießen) gesiegt.

Doch nun spricht vor dem Pokal-Achtelfinale gegen eben wieder Dortmund (Dienstag 20.45 Uhr/ ARD) nichts mehr für Wiederholung eines solchen Coups. Im 56. Bundesligajahr ist der Klassenerhalt so akut gefährdet wie im einzigen Abstiegsjahr 1979/80. Jeder Schritt scheint gerade schwer zu fallen. Spötter sehen in Kohfelds Kickern lauter Bremer Bleifiguren, die mit dem erforderlichen Tempo vollkommen überfordert sind. Das erschreckendste Beispiel gibt dabei ausgerechnet ein ehemaliger Dortmunder ab: Nuri Sahin ist im defensiven Mittelfeld zu einem zentralen Problem geworden. Der vom BVB-Anhang noch immer verehrte 31-Jährige gewinnt kaum mehr einen Zweikampf, geschweige denn ein Laufduell. Dass Baumann zwar neue Innenverteidiger (Ömer Toprak, Kevin Vogt) und zuletzt noch einen Mittelstürmer (Davie Selke) ausgeliehen hat, aber diese Schlüsselposition unbesetzt ließ, gilt als eines der großen Versäumnisse in der Kaderplanung.

Kohfeldt schließt nichts aus

Wie im Weserstadion nun Sprinter Jadon Sancho oder Urgewalt Erling Haaland aufgehalten werden sollen, erscheint ein Rätsel. „Wir wissen, wie dramatisch die Situation ist in der Bundesliga, aber das spielt keine Rolle. Ich bin sicher, dass die Chancen, die dieses Spiel bietet, die Risiken überwiegt“, beteuerte Kohfeldt am Montag. „Der Pokal gibt immer die Möglichkeit gerade für Mannschaften, die in anderen Wettbewerben nicht so gut dastehen, besondere Highlights zu setzen.“

Eingedenk der letzten Darbietungen klangen solche Beteuerungen auf der Pressekonferenz wie das Pfeifen im finsteren Walde. Eine blutleere Darbietung wie in anderen ernüchternden Heimspielen – sechs Niederlagen in neun Partien – würde nicht nur das Schlüsselduell gegen Union Berlin (Samstag, 15.30 Uhr), sondern auch Kohfeldt belasten. Dem 37-Jährigen ist zeitweise sehr wohl anzumerken, wie sehr die Krise auch ihn betrifft. Aus dem vom DFB ausgezeichneten Trainer des Jahres 2018 ist nach einer Umfrage im „Kicker“ der Absteiger des Jahres 2019 geworden.

Dass der Fußballlehrer grundsätzlich fachliche Fähigkeiten mitbringt, bezweifelt auch abseits der Hansestadt kaum jemand, aber auch der sehr auf seine Außendarstellung bedachte und bis 2023 gebundene Coach hat sich angreifbar gemacht. Die Hansestadt spaltet sich allmählich ob dieser Causa in zwei konträre Lager. Seit Wochen funktioniert es bei Werder hinten und vorne nicht mehr. Zuletzt beim FC Augsburg (1:2) probierte der von Baumann immer noch beharrlich geschützte Kohfeldt drei verschiedene Systeme. Vergebens.

Insgesamt wirkt vieles von Seiten der Sportlichen Leitung nicht mehr schlüssig: Der aus Hoffenheim geholte Vogt ist nur in einer Dreierkette zu gebrauchen, aber für dieses System fehlen dynamische Außenbahnspieler. Und im neuen System gibt es vorne zu wenig Anspielstationen. Kohfeldts Plädoyer in eigener Sache („Wäre ich ein normaler Fan und hätte alle Insiderkenntnisse, dann wüsste ich, mit welcher Leidenschaft und mit welcher Kreativität der Trainer versucht, alles rauszuholen“) wird an einem bestimmten Punkt nichts mehr nützen. Inzwischen hat der Trainer einen Rückzug aus freien Stücken nicht mehr völlig ausgeschlossen. „Wenn ich das Gefühl hätte, dass die Mannschaft einen neuen Impuls braucht, dann gewinnt der Werder-Fan in mir.“

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