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Will in Krisenzeiten bewusst Ruhe austrahlen: Werder-Trainer Florian Kohfeldt. 

Niederlage in Augsburg

Bremen-Trainer Kohfeldt: „Werde nicht weglaufen“

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Der Bremer Trainer Florian Kohfeldt ist nach der neuerlichen Niederlage in Augsburg mehr denn je unter Druck, noch aber steht Sportchef Frank Baumann an seiner Seite.

Kurz bevor er zur ersten Antwort ansetzte, schnaufte Frank Baumann durch. Dem Sportchef von Werder Bremen dürfte klar gewesen sein, dass die kommenden Minuten nicht einfach werden. Wieder einmal. Tief im Bauch des Augsburger Stadions galt es, eine erneute Niederlage seiner Mannschaft zu erklären, dieses 1:2 gegen den FC Augsburg, diesen nächsten Rückschlag im Kampf gegen den Abstieg. „Die Mannschaft will auf alle Fälle. Ich glaube nicht, dass es am Einsatz oder an der Mentalität lag“, sagte Baumann, ehe er sich kurz darauf einem Thema stellte, das wohl für jeden Bundesligisten das heikelste ist: der Trainerfrage.

Längst sind im Umfeld des Vereins Stimmen laut geworden, die bezweifeln, dass Florian Kohfeldt noch der richtige Mann ist, um den drohenden Abstieg in die Zweite Liga zu verhindern. Spiele wie das 0:3 gegen Hoffenheim oder das 1:2 in Augsburg sind Wasser auf die Mühlen der Kritiker, das weiß auch Baumann. Deswegen trat er ihnen entschlossen entgegen. „Es ist normal, dass sich Medien, Fans und das Umfeld Gedanken machen, woran es liegt, dass wir nicht so performen, wie wir performen könnten“, sagte er, um dann unmissverständlich klarzustellen: „Wir haben die volle Überzeugung in Florian.“ Bei der aktuellen Verletzungsproblematik sei es schwer für den Trainer, eine Formation und einen Rhythmus zu finden. „Florian versucht aber alles, und sein Plan ist in der ersten Halbzeit komplett aufgegangen.“

Kohfeldt hatte in Augsburg Neuzugang Davie Selke und überraschend auch Bundesligadebütant Nick Woltemade, 17, in die Startelf beordert, weil er sich davon Vorteile im Positionsspiel erhoffte. Eine Idee, die während der ersten 45 Minuten funktionierte. Zwar tat sich Werder auch in Augsburg schwer damit, gefährlich vors gegnerische Tor zu kommen, hielt sich aber hinten zunächst schadlos und hatte diesen einen Moment in der 23. Minute, der im Eigentor von Tin Jedvaj gipfelte. Eine Führung, die bis zur Pause hielt und doch keine Sicherheit brachte.

„Was mich ärgert, ist, dass die Gegentore unnötig sind, weil wir uns einfach nicht gut verhalten. Das können wir uns in unserer Situation nicht leisten“, sagte Baumann und meinte damit die Szenen, die zum 1:1 durch Florian Niederlechner (67.) und zum 1:2 durch Ruben Vargas (82.) geführt hatten. Auch Kohfeldt räumte ein: „Die zweite Halbzeit war nicht gut. Wir sind dem Druck von Augsburg sehr früh mit Hektik begegnet und haben uns zu wenig Anspielstationen geschaffen. Dadurch hatten wir im Konter keine Entlastung.“

Die Lage im Tabellenkeller hat sich also weiter zugespitzt. An einen Rücktritt denkt Kohfeldt aber nicht. „Zurücktreten ist weglaufen“, sagte der 37-Jährige, „und ich werde unter keinen Umständen weglaufen.“ Dass seine Person in der Öffentlichkeit zunehmend kritisch gesehen wird, kann Kohfeldt nachvollziehen. „Natürlich kann ich das verstehen. Ich bin Werder-Trainer und Werder-Fan. Als Werder-Trainer versuche ich gerade, sehr viel Ruhe und Souveränität auszustrahlen. Ich weiß genau, dass die Mannschaft sehr eng bei mir ist, dass die Geschäftsführung sehr eng bei mir ist. Da herrscht das absolute Vertrauen.“

Erst wenn er das Gefühl bekommen sollte, dass die Mannschaft einen anderen Impuls braucht, „würde ich das Gespräch mit Frank suchen“, erklärte Kohfeldt. „Doch dieses Gefühl ist bei mir zu keiner Sekunde aufgekommen.“ Am Dienstag kommt ausgerechnet die Tormaschine aus Dortmund zum DFB-Pokalachtelfinale ins Weserstadion. Eine happige Aufgabe.

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