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Kaum einzufangen vor lauter Freude: Siegtorschütze Franck Ribery mit Vorlagengeber Renato Sanches.

1. FC Bayern München

Breitere Brust

Vor dem Gastspiel bei Eintracht Frankfurt ist der FC Bayern auf dem Weg zu alter Stärke.

Warm eingepackt mit Mützen und in dicke Winterjacken schunkelten die Bayern-Stars Arm in Arm am Mittelkreis zu den Klängen von Stille Nacht, Heilige Nacht. Nur noch sechs statt neun Punkte Rückstand auf Herbstmeister Borussia Dortmund, dazu die Aussicht auf einen Rekordtransfer als kostspieliges Weihnachtsgeschenk sorgten für Festtagsstimmung bei den Münchnern. Mit stolzgeschwellter Brust und einem dicken Vereinsschal um den Hals marschierte Uli Hoeneß bei der Parade der Bosse in den Stadionkatakomben vorneweg; Karl-Heinz Rummenigge fühlte sich schon nach dem 1:0 gegen Leipzig reichlich beschert. „Das Christkind hat es gut mit uns gemeint“, frohlockte der Vorstandschef. 

Beim wechselweise als Sieg der Mentalität oder des Willens gepriesenen Erfolg durch ein spätes Tor von Franck Ribéry nach Vorlage des später vom Platz gestellten und damit in Frankfurt gesperrten Renato Sanches demonstrierten die Münchner eine für die Gegner nervige Bayern-Tugend: gnadenlos zuzuschlagen, wenn sich die Chance ergibt. Für Joshua Kimmich ist der siebte Titel in Folge wieder möglich. „Wir mussten ein Stück mehr gewinnen, weil wir Meister werden wollen“, sagte der 23-Jährige.

Die Bilder vom 28. Championat flimmerten am Mittwochabend über die Videowand der Arena, Nummer 29 ist nicht mehr völlig abwegig. Der letzte Hinrundenspieltag mit dem mit Spannung erwarteten Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt (Samstag 18.30 Uhr) und dem Gipfeltreffen zwischen Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach (Freitag 20.30 Uhr/ZDF) bietet Chance und Risiko zugleich. Bis auf drei Punkte kann der FC Bayern, der im letzten Spiel auf Serge Gnabry (Muskelfaserriss) verzichten muss, aufrücken, aber auch der Rückfall auf neun Zähler droht. „Wir wollen nicht von der Meisterschaft reden, aber wir zeigen uns mal“, sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic, der unweigerlich nun in den Blickpunkt rückt.

Der Sportdirektor sei „on fire“, sagte Rummenigge. Der Name von Weltmeister Lucas Hernández von Atlético Madrid geisterte durch die Arena, der als Winterzugang angeblich die Rekordablöse von 85 Millionen Euro kosten würde. Eine Summe, die die Münchner für ihren großen Umbruch bereit sind, zu zahlen. „Heutzutage ist das nicht so einfach, weil es einige Vereine gibt, die solche Summen locker ausgeben. Unsere Überlegungen müssen sitzen“, sagte Salihamidzic.

Der Sportdirektor tat die Hernández-Personalie als „Gerücht“ ab, Rummenigge ebnete den Weg für einen möglichen Wechsel. „Ich kann weder dementieren noch bestätigen. Wir sind in der Überlegungsphase. Jetzt warten wir mal ab, ob wir am Ende des Tages im Januar was machen.“

Konkurrenz für Alaba

Defensivmann Hernández ist ein Kandidat. Gleichwohl stellt sich die Frage, ob auf der linken Verteidigerposition, wo der 22-Jährige beim Titelgewinn der Equipe Tricolore zum Einsatz kam, wirklich die größte Vakanz besteht. Hier steht gemeinhin David Alaba seinen Mann, einen Backup gibt es nach dem Verkauf von Julian Bernat – den Hoeneß in seiner legendären Wutrede angriff – aber nicht mehr.

Mehr Bedarf besteht mittelfristig für den Offensivbereich. Ein Nationalstürmer stellte sich in der Nacht noch selbst ins Schaufenster. „Ich will mir über die Sache klar werden, ob ich in Leipzig bleiben will oder nicht“, sagte Nationalspieler Timo Werner. „Bayern gehört neben vielen Mannschaften zu Weltmannschaften.“ Eine Verlängerung des bis 2020 laufenden RB-Vertrags zu besseren Bezügen oder ein Wechsel zum deutschen Branchenprimus – diese Zukunftsoptionen klangen bei dem 22-Jährigen als die wahrscheinlichsten durch. (dpa/hel)

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