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Das Fußballstadion in Ar-Rayyan ist schon bereit für die WM.
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Das Fußballstadion in Ar-Rayyan ist schon bereit für die WM.

Kommentar

WM in Katar: Boykottforderungen sind zu kurz gedacht

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Es mehren sich die Stimmen in Europa, die WM in Katar 2022 zu boykottieren - wirklich sinnvoll ist das allerdings nicht. Ein Kommentar.

Der Aufruhr in Norwegen ist groß. Am Sonntag kommt es zu einem Showdown beim Fußballverband, der von Klubs und Fans gedrängt wird, die WM 2022 in Katar zu boykottieren. Wenn in dem Wüstenstaat die Arbeiter- und Menschenrechte mit Füßen getreten würden, so die Argumentation der Kritiker, könnte dort nicht gekickt werden. Die Initiative erfährt viel Zuspruch, plakativ wird der WM-Pokal auf einem Haufen Totenschädel abgebildet, der für die Opfer auf den WM-Baustellen steht. Der Klub Tromsö IL hat die Bewegung ins Leben gerufen.

Ähnliche Forderungen werden lauter – und es werden mehr. Die Fanorganisation „Pro Fans“ fordern den Deutschen Fußball-Bund (DFB) ebenfalls zum Boykott auf, die niederländische Großgärtnerei Hendriks Graszoden will nicht mehr den Rasen für die Stadien liefern.

Es zeugt von Verantwortungsgefühl, wenn ein Familienunternehmen die Menschenrechtssituation in dem Golfstaat zum Anlass nimmt, kein Geld mit dem Event zu verdienen. Das ist grundsätzlich mal sehr zu begrüßen. Was ein bisschen vergessen wird: Nachweislich hat sich durch das öffentliche Interesse an diesem globalen Ereignis bereits einiges getan, ohne dass die Bedingungen für Arbeitsmigranten auch nur annähernd europäischen Standards entsprechen.

Katar bleibt ein Problem

Aber warum hat man sich nicht geschlossen gegen die Vergabe gestellt, als im Dezember 2010 durch das skandalumtoste Fifa-Exekutivkomitee die WM-Doppelvergabe an Russland (2018) und Katar (2022) erfolgte? Diese Abstimmung, an der übrigens für Deutschland damals Franz Beckenbauer teilgenommen hat, verursachte erst das Ärgernis. Damals hätten Topverbände und Topfunktionäre sofort sagen können: Da spielen wir nicht mit. Jetzt, wo in Katar mit Milliardensummen bereits Stadien und Infrastruktur errichtet sind, wirkt ein Entzug des Ausrichterstatus ein bisschen zu kurz gedacht. Wer soll denn dafür das Turnier ausrichten? Darüber hinaus ist die generelle Wirkung eines Boykotts aus sportpolitischer Betrachtung umstritten. Die Olympischen Spiele 1980 in Moskau, der die USA und Nationen wie Deutschland aus Protest fernblieben, haben vor allem die Sportler als Verlierer zurückgelassen. Oder soll die nächste Fußball-WM einfach ausfallen? Das kann nicht die Alternative sein.

Vielmehr müssten alle Anstrengungen darauf zielen, solchen Auswüchsen Einhalt zu gebieten, bevor die fatalen Entscheidungen fallen. Dazu zählt beispielsweise auch ein absurd aufgeblähtes Champions-League-Format ab 2024. Und dazu gehört auch, dass eine Europameisterschaft wie in diesem Sommer mit 24 Mannschaften in zwölf Spielorten gespielt wird.

Weiterhin, das bestätigte gerade der DFB, soll zwischen Baku, Bukarest und Bilbao munter hin- und hergereist werden. Das ist Unfug, der übrigens im schlimmsten Fall auch Menschenleben kosten kann. Vielleicht fangen die Europäer mitten in der noch lange nicht überstandenen Corona-Krise mal an, zuerst vor der eigenen Haustür zu kehren statt jetzt mit dem moralischen Zeigefinger in die Wüste zu zeigen.

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