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Borussia Mönchengladbach hat in den letzten sieben Spielen nur gegen Mainz 05 gewonnen.

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Doppeltes Taumeln

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Borussia Mönchengladbach hat in den vergangenen sieben Spielen exakt einen Sieg errungen: Gegen Mainz. Ein Kommentar.

In den vergangenen sieben Spielen hat Borussia Mönchengladbach exakt einen Sieg errungen. Wo und wie das gelang, kann keineswegs als Zufall angesehen werden: in Mainz, in einem der niveauärmsten Bundesligaspiele der laufenden Saison. Für die Mainzer war es eine der sieben Niederlagen der zurückliegenden acht Begegnungen.

Das doppelte Taumeln beider Klubs konterkariert deren relative Überperformance während der Hinrunde. Selbige schloss Mönchengladbach mit teils begeisternden Vorstellungen nur drei Punkte hinter Bayern München auf Rang drei ab, Mainz 05 befand sich nur einen Zähler hinter den aktuell stramm auf Europa zusteuernden Bremern. Mittlerweile haben die Nullfünfer weitere elf Punkte auf die Hanseaten verloren, die Gladbacher ebenso viele auf die Bayern.

Schön ist das für die beiden Absacker der Rückrunde natürlich nicht, aber es ist auch Ausdruck völlig normaler Schwankungen an schwierigen Standorten. Klubs wie Gladbach und Mainz müssen schon sehr viel besser machen als die Konkurrenz, um sich nach Europa zu schleichen. Und wenn sie ein paar Dinge falsch machen, kann es holterdipolter wieder nach unten gehen. Siehe Hannover, siehe Stuttgart, siehe HSV, siehe Köln, wo überall bessere Voraussetzungen für Spitzenfußball existieren.

Lob für solide Arbeit

Auch wenn es derzeit komisch klingt: Grundsätzlich wird in Gladbach und Mainz gut gearbeitet. Sowohl am Niederrhein als auch bei den Rheinhessen haben weitsichtige Manager frühzeitig für Stadienneubauten und somit auch eine solide Finanzierung des Profifußballs gesorgt, anders als etwa in Frankfurt, wo die Eintracht-Verantwortlichen seit Jahren in notorisches Wehklagen ausbrechen, weil die Arena vom Steuerzahler bezahlt wurde und der vormals marode Klub als Mieter dafür eine faire finanzielle Gegenleistung zu erbringen hat.

Dass Borussia Mönchengladbach und Mainz 05 seit den Wiederaufstiegen 2008 und 2009 stabil zur deutschen Eliteklasse gehören und seitdem immer mal wieder oben reinstoßen, ist bemerkenswert. Kein Mensch kann das hier wie dort als Selbstverständlichkeit erachten. Auch die Art und Weise, wie die Trainer Dieter Hecking und Sandro Schwarz und die Manager Max Eberl und Rouven Schröder in ihrer Öffentlichkeitsarbeit mit Krisen umgehen, ist lobenswert.

Hecking und Schwarz ihrerseits sind freilich nun besonders gefordert. Derzeit hat es den Anschein, als fehle es ihnen an einer Idee, dem Abwärtstrend entgegenzutreten. Beide waren während der Hinrunde medial ausgiebig belobigt worden, und zwar nicht nur für rechtschaffene Arbeit, die ihnen sowieso jeder zutraut, sondern für fundierte strategische Weiterentwicklung ihrer Teams. Davon ist aktuell aber nicht mehr viel zu erkennen.

Die Krise der Klubs ist auch eine Krise ihrer Trainer – beide keine Taktikgurus, aber standfeste Männer, an deren charakterlichen Tugenden und handwerklichem Wissen es keinen Zweifel gibt. Diese hart erarbeitete Solidität und Zuverlässigkeit könnte an beiden Standorten eher die Grundlage für einen Tunraround werden als ein Feuerwerk zündender Ideen. Andernfalls droht den Gladbachern, Europa noch zu verspielen, und den Mainzern der endgültige Verlust der monatelangen Komfortzone im Tabellenmittelfeld. Die langfristige Situation scheint dabei für Hecking unkomfortabler als für Schwarz.

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