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Borussia Dortmund und der mäßige Saisonstart: Die Kapp’ ist ab

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Von: Jakob Böllhoff

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Erfolg gesucht: Nicht nur Marco Reus wundert sich, warum es wieder nicht so richtig klappen will bei Borussia Dortmund.
Erfolg gesucht: Nicht nur Marco Reus wundert sich, warum es wieder nicht so richtig klappen will bei Borussia Dortmund. © dpa

Der BVB disqualifiziert sich nicht erst durch das Bremen-Debakel als Titelkandidat. Das ist schade, für die Dortmunder selbst und für die ganze Bundesliga.

Wir schreiben den dritten Spieltag in der Fußball-Bundesliga, und reden müssen wir über Borussia Dortmund. Ja, jetzt schon. Über das, was Borussia Dortmund sein will, über das, was Borussia Dortmund ist, und über das große Loch dazwischen. Eigentlich hat der BVB einen, sagen wir mal, okayen Saisonstart hingelegt mit zwei Siegen in drei Spielen, aber wie so oft liegt das Dilemma in der Uneigentlichkeit.

Es ist nämlich so: Beim 1:0 zum Auftakt gegen Bayer Leverkusen rettete der Mannschaft Torwart Gregor Kobel den Sieg, so etwas ist selten ein gutes Zeichen. Beim darauffolgenden 3:1 in Freiburg lief diese Mannschaft dann fast 80 Minuten lang einem verdienten Rückstand hinterher, bis erneut ein Torwart half, diesmal der des Gegners, Mark Flekken, der ein Schüsschen durch die Finger gleiten ließ. Außerdem half den Dortmundern die Inkompetenz der Videoschiedsrichter in Köln, die ihnen ein klares Abseits beim dritten Tor durchgehen ließen, weiß der Teufel warum.

Und dann also kam dieser dritte Spieltag und die Schlussphase des dritten Spieltags und eine 2:0-Führung des Vizemeisters Dortmund im Heimspiel gegen den Aufsteiger Bremen, die in wenigen, winzigen Minütchen gleichzeitig implodierte und explodierte und zum bösen Ende den Dortmundern als 2:3-Niederlage ins Gesicht platzte, gemeinsam mit der Illusion des eigentlich okayen Saisonstarts. Denn: so wird das alles nichts.

Vor der Saison konnte man noch problemlos auf die Idee kommen, dass Borussia Dortmund endlich wieder ein Fall für die Meisterschaft sein würde (siehe, hüstel, die FR-Tipptabelle). Serienmeister Bayern München hatte seinen besten Spieler verloren in Person Robert Lewandowskis, während Dortmund früh ein paar erstaunliche Transfers landete. Für die Defensive, eine Art Achillesferse in den vergangenen Jahren, wurden zwei Top-Innenverteidiger angeschafft, Niklas Süle und Nico Schlotterbeck. Vorne war zwar Wundermann Erling Haaland abgängig, den man aber mit einem anderen Torgaranten plausibel zu ersetzen schien, Sebastien Haller. Gut zusammenmischen würde das alles der Dortmunder Trainer Edin Terzic, 39, für den Marco Rose Platz machen musste, trotz einer, sagen wir mal: okayen Vorsaison.

Drei Spieltage ist die Saison erst alt, und die Idee, Borussia sei ein Titelkandidat, fühlt sich nach Wahnsinn an. Der schwer erkrankte Haller fällt aus. Schlotterbeck ist nach wie vor nicht ganz so gut, wie er sich selber findet. Süle spielt mitunter so schwerfällig, wie er doch eigentlich nur aussieht. Und bei Terzic kommt plötzlich wieder der Verdacht auf, dass er seine Ausstrahlung größtenteils dieser riesigen Kappe zu verdanken hatte, die er früher immer trug. Er hat sie abgelegt, vermutlich aus Gründen der Seriosität. An der Seitenlinie wirkt er nun nicht mehr draufgängerisch wie ein Klopp-Klon, sondern schüchtern wie ein Lehramtsanwärter, dem die Klasse entgleitet.

Borussia Dortmund ist mal wieder ein fußballerisches Durcheinander. Work in Progress. Das ist nicht schlimm, das lässt sich bestimmt noch regeln, aber es ist schade, für Borussia Dortmund und für die Bundesliga, die jetzt bereits Bayern München auf die Meisterschale gravieren kann, eigentlich. Und uneigentlich eigentlich auch.

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