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BVB-Geschäftsführer Aki Watzke: Sticheln als probates Mittel.

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Dortmund im Titelkampf: Ein bisschen gegen die Bayern sticheln

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Bayern oder Dortmund? Die Frage ist noch offen. Der BVB kann aber auf jeden Fall zufrieden sein, auch wenn es mit dem Titel nicht klappen sollte.

Der Dortmunder Vereinschef Reinhard Rauball hat in seiner Doppelrolle als DFL-Präsident eine Entscheidung getroffen: Rauball wird am Samstag mehr BVB-Präsident sein als Ligaboss. Ergo macht der 72-Jährige sich erstmals seit sechs Jahren nicht auf zum Spielort des FC Bayern, um die Meisterschale zu übergeben, sondern bleibt bei seiner Borussia und begleitet sie mit einer Replik der Trophäe nach Mönchengladbach.

Ohnehin haben sich die Dortmunder unter Anführerschaft ihres Geschäftsführers Hans-Joachim, genannt „Aki“, Watzke ausgedacht, ein bisschen zu sticheln. Das mag für erfahrene Branchenkenner ein wenig durchsichtig wirken, wird allerdings dennoch immer wieder gern als probates Mittel angesehen, um selbst eine routinierte Mannschaft wie die der Bayern zu verunsichern. Watzke, der bekanntermaßen eher ein Skeptiker ist, hört sich verdächtig an wie ein Optimist, wenn er bekundet: „Meine Hoffnung wird jeden Tag größer. Ich habe das Gefühl, dass wir vor großen Dingen stehen.“ Und er fügte an, er „glaube, dass die Möglichkeit auch nicht so klein ist, wie der eine oder andere glaubt“. Das kann durchaus als Hinweis in Richtung des geschätzten Kollegen Uli Hoeneß interpretiert werden. Hoeneß letztes überliefertes Zitat ging nämlich in die Richtung, dass er sehr gut schlafen werde vor dem finalen Saisonspiel, weil er sehr sicher sei, dass es am Ende nur einen Meister geben könnte: den großartigen FC Bayern natürlich.

Favre kann kein Klopp sein

Selbst wenn es erwartungsgemäß so kommen sollte – in Dortmund sollten sie sich nicht zu sehr grämen. Sie haben das insgesamt gut gemacht in dieser Saison, mit einer jungen Truppe sind sie einige Monate lang voran marschiert, ehe die mangelnde Erfahrung sie Federn lassen ließ: raus ohne Applaus aus der Champions League gegen Tottenham, raus aus dem gemütlichen Punktepolster gegenüber den Bayern. Das ist beides zwar nicht schön, sollte aber fairerweise auch vor dem Hintergrund beurteilt werden, dass der BVB mit dem neuen Trainer einige Entwicklungsschritte nach vorne getätigt hat.

Dass Lucien Favre zwischenzeitlich gegen seinen Vorvorvorvorgänger, das Mentalitätsmonster Jürgen Klopp, geschnitten wurde, ist schlechterdings ein Witz. Lucien Favre wurde als Lucien Favre nach Dortmund geholt, kein Mensch konnte ernsthaft erwarten, dass der manchmal etwas zerstreut wirkende Fußball-Professor beim ersten Anflug einer Krise plötzlich zum Coachingzone-Herkules mutiert, der zähnefletschend an der Linie entlang hastet und nach den Spielen in den obligatorischen Interviews zur Zitatmaschine wird.

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Beim BVB wussten sie: Wo Favre draufsteht, ist auch Favre drin, genauso ist es gekommen. Deshalb haben die Agenturen am Donnerstag aus der Pressekonferenz auch keine Kampfansagen des Schweizers gen München übermittelt. Es gibt sie schlicht nicht. Favre ist ein Übungsleiter im besten Sinne, der Beachtliches geleistet hat in seinem ersten Jahr in Dortmund. Auch, wenn es am Ende der zweite Platz würde.

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