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Zu allem Überfluss noch ein Eigentor: BVB-Verteidiger Mats Hummels.

BVB

Dortmund-Spieler wirken gegen die Bayern wie kleine Bubis

Beim Topduell gegen den FC Bayern treten die Spieler von Borussia Dortmund wie eine eingeschüchterte Juniorentruppe auf.

Michael Zorc kochte innerlich vor Wut. Und er wollte sich auch nicht die Mühe geben, dies zu verbergen: Er ließ Dampf ab. „Männerfußball“ hatte er sehen wollen, „Kerle“, die „dagegenhalten“. Er bekam das Gegenteil zu Gesicht. „Eine Nicht-Leistung“, sagte er ruhig, aber bestimmt, habe Borussia Dortmund beim 0:4 (0:1) gegen Bayern München abgeliefert, „das war überhaupt kein Fußball“, nein, „das war einfach nichts“.

Zorc wirkte persönlich beleidigt von einer Mannschaft, die er als Sportdirektor maßgeblich zusammengestellt hat, die um die Meisterschaft spielen soll, sein Vertrauen aber aufs Schlimmste missbraucht hatte. Abgesehen von Mats Hummels waren die Dortmunder Feldspieler Totalausfälle. Wie Lämmer, die zur Schlachtbank geführt werden, ergaben sie sich ihrem Schicksal. „Wir haben“, sagte Zorc, „dem Druck nicht standgehalten.“ 

Borussia Dortmund ohne jedes Selbsbewußtsein

Der Manager brach den Stab über eine Mannschaft, die sich nicht im Ansatz gewehrt hatte und wie eine eingeschüchterte Juniorentruppe auftrat, nachdem Robert Lewandowski das erste Gegentor erzielt hatte (17.). Eine Mannschaft, die bei eigenem Ballbesitz völlig mutlos war, der es nur darum ging, Schadensbegrenzung zu betreiben. Und damit auch ja keine Missverständnisse aufkamen, an wem das Desaster festzumachen war, sagte Zorc: „Den Trainer würde ich komplett rausnehmen, fragen Sie die Spieler.“ Aber bis auf Hummels („Wir waren definitiv nicht gut genug, um hier zu bestehen“) kamen von denen keine Antworten.

Das Bemühen von Zorc war freilich leicht zu durchschauen: Das Letzte, was er nach diesem Offenbarungseid noch benötigt, ist eine Diskussion um Lucien Favre. „Er hat für sich wohl auch entschieden“, sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke noch vor dem Spiel über Favre, „dass die Mannschaft einen Trainer braucht, der auch einmal ein Zeichen setzt.“ Derlei Zeichen waren am Samstagabend nicht zu erkennen.

Borussia Dortmund: geschockter Trainer Favre

Favre selbst wirkte nach dem Spiel schockiert. Hatten nicht die vergangenen drei Siege, hatte nicht zuletzt die Aufholjagd am Dienstag in der Champions League gegen Inter Mailand (3:2) gezeigt, dass seine Mannschaft in der Lage ist, sich selbst in schier auswegloser Lage aufzubäumen? Ein fataler Irrtum. „Eine sehr, sehr schwache Leistung“, attestierte Favre seiner Elf, an der Niederlage störte ihn vor allem „die Art und Weise“, zudem machte er viele technische Fehler aus.

„Bayern war uns in allen Belangen überlegen“, konstatierte Mats Hummels, diese Niederlage „war ein Zeichen für uns, dass wir keine Toptruppe sind“. Ja, ergänzte er, „wir können eine sein, an unseren guten Tagen, aber eine Topmannschaft ist das auch an schlechten“.

In München haben die Dortmunder in den vergangenen Jahren viele schlechte Tage erlebt. Auf die Frage, was dem BVB denn diesmal gefehlt habe, musste Hummels kurz überlegen – er wollte die Begriffe Mentalität und Männerfußball unbedingt vermeiden. „Wenn ich es auf ein Wort reduzieren müsste, dann das Dagegenhalten, wenn der Gegner voll da ist, etwas härter gegen sich selbst zu werden“, sagte er dann. Hummels hätte auch sagen können: Borussia Dortmund fehlt es nicht zuletzt bei Spielen gegen den deutschen Rekordmeister an echten Kerlen. An Kerlen wie ihm. (sid/dpa/FR) 

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