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Kluger Kopf: Sebastian Kehl.

Borussia Dortmund

Bindeglied Sebastian Kehl

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Wie Sebastian Kehl in seiner neuen Rolle Borussia Dortmund hilft.

In heimatliche Gefilde kehrt Sebastian Kehl nur zu besonderen Anlässen zurück. Wie etwa zu Weihnachten. Da traf sich die ganze Familie im Landhaus Kehl im idyllischen Örtchen Lahrbach, ein Ortsteil von Tann im hessischen Grenzgebiet zu Thüringen. In der Rhön ist der 31-fache Nationalspieler aufgewachsen – und diese Wurzeln erklären, warum der Leiter der Lizenzspielerabteilung von Borussia Dortmund auch noch einen besonderen Blick auf die Frankfurter Eintracht hat. „Es gibt eine starke Verbundenheit. Ich finde es klasse, wie sich der Verein mit dem Pokalsieg entwickelt hat“, sagte der 38-Jährige am Rande der Sportbusinessmesse Spobis der FR. „Das macht Freude.“

Kehl war und ist eine Identifikationsfigur für den BVB. Loyal und eloquent. Ob früher als Profi oder jetzt als Bindeglied, wie er selbst seine Rolle als Mittler zwischen Mannschaft, Trainer und Sportdirektor beschreibt. Mitnichten sei er derjenige, der den Profis jeden Wunsch von den Lippen abliest. Sein Motto: fördern und fordern. Einer, der von 2002 bis 2015 selbst für die Schwarz-Gelben am Ball war, weiß vielleicht ein bisschen besser, was die heutige Spielergeneration braucht. „Ich besetze alle Schnittstellen: zur Geschäftsstelle, zur medizinischen Abteilung. Ich bin jeden Tag beim Training.“ Es jucke zwar manchmal noch in den Füßen, aber in erster Linie geht es ihm darum, „ein Gefühl für die Stärken und Schwächen der Spieler zu bekommen“. Nur dann könne er auch eine „fundierte Meinung für die Kaderplanung“ abgeben.

Aktuell seien junge Spieler aus Frankreich oder England „möglicherweise auch wegen der gesellschaftlichen Struktur in diesen Ländern“ ihren deutschen Konkurrenten einen Schritt voraus: „Viele junge Spieler aus Frankreich, aus England sind extrem gut ausgebildet und auch körperlich einen Schritt weiter als unsere.“ Mit Sportdirektor Michael Zorc und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke tauscht er sich regelmäßig aus – und dann wird im Sinne der Sache gestritten. „Meine Position ist geschaffen worden, um die Wahrscheinlichkeit auf den Erfolg zu erhöhen. Es ist von Vorteil, wenn verschiedene Generationen zusammenarbeiten“, erklärt Kehl. Dass seine Rolle das Binnenklima gerade in der Kabine signifikant verbessert habe, negiert beim BVB niemand.

Es gibt keine Schablone

„Das ist sicher nicht für jeden Verein nötig und muss auch keine Schablone sein, aber es funktioniert sehr gut, dass man sich die Verantwortlichkeiten aufteilt“, erläutert der Ex-Profi, der ohnehin glaubt, dass heutzutage „eine andere Art von Typ, eine andere Art Führungsstärke“ gefragt ist als früher. Die Hierarchien mögen vielleicht flacher geworden sein, aber mitunter können klare Vorgaben nicht schaden. Etwa beim ewigen Thema der sozialen Netzwerke. Kehl ist kein Freund von ihnen, sagt aber: „Das kann man nicht mehr einschränken. Aber die Marke des Spielers darf nicht größer werden als der Verein.“

Er ist dann auch derjenige, der solche Grenzen persönlich einem Spieler vermittelt. Über den Meisterschaftskampf lässt sich Kehl ebenso wenig locken wie Zorc oder Watzke. Nur so viel steht für ihn fest: Die Aufgabe am Samstag in Frankfurt wird anspruchsvoll. „Ich erwarte zwei offensive Mannschaften.“ Seine Prognose: „Es gibt ein intensives und torreiches Spiel.“ Keine gewagte Vorhersage.

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