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Vorfreude? Dortmunds Paco Alcacer vor dem Spiel gegen Gladbach.   

Bundesliga

Borussia Dortmund bleibt realistisch - träumt aber von Glückwünschen aus München

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  • Marvin Hoffmann
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Lucien Favre und Hans-Joachim Watzke vereinen die Dortmunder Pole vor dem Finale. 

Der letzte Spieltag ist noch nicht angepfiffen, da haben schon die Aufräumarbeiten begonnen. Über den Trainingsplatz von Borussia Dortmund im Stadtteil Brackel rollte am Donnerstag ein Traktor und fräste bereits die ersten Grashalme weg. Im Hintergrund trainierten die BVB-Profis für das letzte Spiel bei Borussia Mönchengladbach (Samstag 15.30 Uhr). Der abgefräste Platz kann sogar als Sinnbild für den Saisonverlauf gelten. Die Mannschaft, sie wirkte, als wäre sie froh über das baldige Ende. Die Herbstmeisterschaft, das 34 Spieltage andauernde Hase-und-Igel-Duell mit dem FC Bayern München, der Umbruch zu Saisonbeginn – das kostete Kraft und Nerven.

Ein letzter Akt ist noch nötig. Trainer Lucien Favre blieb in der Pressekonferenz wie so oft in der Deckung. Der zögerlich wirkende Fußballlehrer wird keiner, der mit einer Kampfansage um die Ecke kommt: „Über die Saison kann ich erst nach Samstag etwas sagen“, erklärte der Schweizer. Realismus steht bei ihm an erster Stelle. Dabei gebe es ja durchaus Mutmacher: Sind doch die Dortmunder seit sieben Spielen in Folge siegreich gegen die Borussia vom Niederrhein. Aber: Aus eigener Kraft wird es bekanntlich nichts mehr. Dennoch weiß man in Dortmund um die gute Saison.

Reicht das? Favre wäre nicht Favre, würde er ohne einen orakelgleichen Spruch auskommen. „Sehr interessant für alle. Alles ist möglich“, setzte der 61-Jährige nach. Die Schwarzgelben haben diejenigen hinter sich, die auf eine Wachablösung hoffen. Jetzt, wo die Borussia erstmals seit 2012 wieder echte Chancen auf die Salatschüssel hat, will man daher nichts unversucht lassen.

Ohne Giftpfeile

Vor allem Vorstandschef Hans-Joachim Watzke versucht sich in einem Pragmatismus, in dem auch Optimismus mitschwingt. „Die Wahrscheinlichkeitsrechnung beherrsche ich schon, daher kann ich das alles vernünftig einschätzen. Ich weiß allerdings auch, dass ein letzter Spieltag – gerade dann, wenn eine Entscheidung fällt – häufig eine Dramaturgie aufweist, die nicht nur vermeintlichen Gesetzmäßigkeiten folgt.“ Er sehe, sehr wohl noch eine Chance.

„Wir empfinden es als großes Privileg, am 34. Spieltag noch um die Meisterschaft mitspielen zu können. Wir als Borussia Dortmund haben in dieser Neustart-Saison etwas erreicht, was wir im Sommer nicht für möglich gehalten hätten.“ Klar sei: „Wenn du dir zwischendrin einen Vorsprung erspielst, würdest du das Ding auch gerne über die Ziellinie schaukeln.“

Was der 59-Jährige keinesfalls will: Ein Rückfall in die alten Zeiten, als in regelmäßigen Abständen Giftpfeile von Süd nach West und wieder zurück flogen. Seine Aussage über die trübe Stimmung bei einer eventuellen Meisterfeier am Marienplatz, mit der er sich bei FCB-Sportdirektor Hasan Salihamidzic „nicht beliebt“ gemacht hatte, wollte Watzke daher nicht missverstanden wissen: „Das war nicht als Angriff gemeint, ganz im Gegenteil: Jeder kennt meine Wertschätzung für den FC Bayern“, erklärte der BVB-Chef, fügte aber an: „Dass bei einer Meisterfeier in Dortmund mehr Leute kommen würden als in München, ist eine Zustandsbeschreibung und hat mit Spitzen und Gift nichts zu tun.“

Geht es nach Watzke, sind die Zeiten der verbalen Kriegsführung für immer vorbei. Das zeige auch die aktuelle Saison, wie der Dortmunder Boss vor dem letzten Spieltag unterstreicht. „Ich bin der Meinung, dass die Rivalität während der Saison von beiden Mannschaften hervorragend gehandhabt worden ist. Es gab keine Beleidigungen, keinen Satz, der den jeweils anderen diskreditiert hätte.“ Daher steht wohl eines fest: Wer auch immer die Schale erhält, bekommt von der Gegenseite prompt aufrichtige Glückwünsche übermittelt.

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