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FR-Bundesliga-Tipptabelle (15)

Borussia Dortmund: Mit Rasselbande und Kettensäge

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Der Motor des BVB ruckelt und zuckelt noch, in Schwung sollen ihn vor allem die vielen Jungstars bringen.

Torjäger Erling Haaland will mit Borussia Dortmund möglichst bald Titel gewinnen, für Abwehrchef Mats Hummels ist das ohnehin immer das Ziel – nur die Klubbosse zieren sich diesmal, hatten sie doch vergangene Saison mit dem lauten Ruf nach der Meisterschale kräftig daneben gelangt, um 13 Punkte.

Wie ist die Stimmung?

Soll Michael Zorc doch diese Frage beantworten: „Wir sind aktuell in keiner guten Verfassung, wir müssen die Schlagzahl wieder erhöhen.“ Ihm, dem Sportdirektor des BVB, missfalle die „persönliche Performance“ so manches Profis. Rumms. Zorc ist mies gelaunt, ganz klar, und erhöht deshalb den Druck auf sein Starensemble, das zuletzt in drei aufeinanderfolgenden Testspielen gegen die Niederländer von Feyenoord Rotterdam (1:3) sowie die deutschen Zweitligisten Paderborn (1:1) und Bochum (1:3) ohne Sieg blieb. Zudem sind nun 14 Nationalspieler auf Reisen, ungünstig, um sich gemeinsam einzugrooven. Wobei Zorc darauf so seine ganz eigene Sicht der Dinge hat: „In der Nations League kommst du mehr in einen Wettbewerbsmodus, als wenn du noch einmal einen Test bestreitest.“ Immerhin: Marco Reus ist nach sieben Monaten Verletzungspause wieder zurück und soll heute (17 Uhr) in einem Testspiel gegen Sparta Rotterdam mitmischen.

Wie stark ist der Kader?

Kicken können die Dortmunder, das steht außer Frage. Ob nun die Altmeister um Marco Reus (31 Jahre), Mats Hummels (31) und Axel Witsel (31), oder die Rasselbande um Jadon Sancho (20), Erling Haaland (20) und Giovanni Reyna (17), da ist allerlei fußballerisches Vermögen vorhanden – und wurde zusätzlich ergänzt. Die Real-Madrid-Leihgabe Reinier, ein 18-jähriger Techniker aus Brasilien, bietet Trainer Lucien Favre im offensiven Mittelfeld weitere Variationsmöglichkeiten, der erfahrene Rechtsverteidiger Thomas Meunier (28) von Paris Saint-Germain soll den herben Verlust von Achraf Hakimi abfedern. Und Jude Bellingham (17) ist ohnehin der bisherige Gewinner der Vorbereitung. Der Teenager, für 23 Millionen Euro gekommen aus Birmingham, überzeugte sofort. Mit raumgreifenden Schritten marschiert er durchs Mittelfeld, der Brite kann dem Dortmunder Spiel gewiss zu noch mehr Tempo verhelfen. Allerdings: Während sich die Jungspunde bisher in guter Frühform präsentierten, ruckelt das Getriebe der Älteren noch ein wenig. Um tatsächlich nach 34 Spieltagen die Bayern vom Thron stürzen zu können, muss aber alles wie geschmiert laufen.

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Worauf steht der Trainer?

Wenn er das nur selbst so genau wüsste. Der ewig suchende (und gefühlt auch hadernde) Lucien Favre schien gerade mal eine optimale Formation für seine Truppe gefunden zu haben (3-4-2-1), da krempelt er sie auch schon wieder um (4-2-3-1). Das Einüben der Viererabwehrreihe stand in der Vorbereitung im Fokus. Warum? Favre: „Alle großen Mannschaften spielen so.“ Das mag ja grob stimmen, hilft aber halt nichts, wenn es beim BVB nicht funktioniert. Oder sind die Dortmunder einfach keine große Mannschaft?

Wo hapert’s noch?

Die Testkickresultate waren bestenfalls so la la. Vor allem kassierten die Dortmunder zu viele Gegentreffer, was auch daran liegen könnte, dass eine Menge hochqualifizierte Toreverhinderer unpässlich waren oder es noch sind. Im Urlaub verletzte sich Chefverteidiger Hummels und stieg später in die Teamvorbereitung ein, das den abwehrenden Kollegen Meunier, Mateu Morey (beide Muskelfaserriss), Dan-Axel Zagadou (Knieprobleme), Marcel Schmelzer (Reha nach Knie-OP) und Nico Schulz (Wadenprobleme) derzeit nicht vergönnt ist. Ohnehin präsentierte sich die Hintermannschaft über lange Phasen der vergangenen Saison nicht wirklich stabil. Favre ist gefordert, eine Lösung zu suchen.

Wer sticht heraus?

Der Mann mit der Kettensäge, Erling Haaland. Selbstverständlich ist auch Supersprinter Jadon Sancho stets eine Augenweide auf dem Fußballrasen, Haaland aber bewies nicht nur während der Sommerpause beim Holzfällen mit Papa Alfie in den norwegischen Wäldern seine herausragenden Qualitäten. In der ersten Halbserie für den BVB erzielte der Winterzugang 16 Tore in 18 Pflichtspielen. Die Partien für Ex-Klub Salzburg dazugerechnet, kam der 20-Jährige vergangene Runde auf 44 Tore in 40 Spielen. Nicht ganz so schlecht, da lässt sich selbst ein nächtlicher Disco-Disput inklusive Rauswurf während der Sommerferien verkraften.

Wie geht’s dem Schatzmeister?

Es ist ein leidiges Thema, ein sich stets wiederholendes. Aber ja, auch beim BVB hat die Corona-Krise ein Loch in die Kasse gerissen. Die Dortmunder weisen für das Geschäftsjahr 2019/20 ein Minus in Höhe von 43,9 Millionen Euro aus. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke kann sich dennoch bester Gesundheit erfreuen, persönlich (was ja stets an erster Stelle steht) und für seinen Klub (was dicht dahinter folgt). Die Zahlungsfähigkeit sei „weit über diese Saison vorhanden“, sagte er bei der Bilanzpressekonferenz. Der BVB könne die „Pandemie-Situation noch sehr, sehr lange durchhalten“. Grund: ein Eigenkapital von 305 Millionen Euro. Eine Dividende werden die BVB-Aktionäre aufgrund der aktuellen Situation zwar nicht erhalten, die Mitarbeiter des Klubs aber befinden sich – im Gegensatz zu einigen anderen Bundesligisten – nicht in Kurzarbeit.

Was ist drin?

Die Bayern jedenfalls packen sie nicht. Trotz all des Talents, all der Volldampfsprinter, all der so wunderbar anzuschauenden Techniker sind die Münchner Triple-Helden eine (oder zwei oder drei) Nummern zu groß für die Westfalen. Dahinter reiht sich der BVB ein, wie vergangene Saison auf Platz zwei. Die BVB-Bosse behalten Recht.

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