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Borussia Dortmund: Eine Korrektur zur richtigen Zeit

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Von: Thomas Kilchenstein

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Jetzt trennt sich sogar der Vizemeister von seinem Trainer. Die Entlassung von Marco Rose bei Borussia Dortmund fügt sich ins aktuelle Bild. Ein Kommentar.

Dortmund – Es kommt auch in der immer schneller und verrückter drehenden Fußballbranche selten vor, dass selbst eine Vizemeisterschaft keine Garantie für einen sicheren Trainerjob mehr bietet, selbst wenn es sich dabei nicht um den FC Bayern handelt. In München wäre ein zweiter Platz allemal ein Kündigungsgrund, sogar ohne Abfindung.

Aber dass Borussia Dortmund, der gefühlte ewige Zweite, jetzt seinen Trainer Marco Rose auf die Straße setzt, nachdem der BVB wieder als Erster hinter den Bajuwaren ins Ziel eingelaufen ist, ist durchaus ungewöhnlich. Und, ja, ein Hammer, wie der Boulevard schreit, dennoch nachvollziehbar.

Borussia Dortmund: Trennung von Rose ein Eingeständnis

Marco Rose, nur kurz zur Erinnerung, galt vor einem knappen Jahr als die absolute Wunschlösung, keinem anderen wollte man diese sensible Fußballmannschaft anvertrauen, dafür waren die BVB-Bosse bereit, fünf Millionen Euro an Borussia Mönchengladbach zu überweisen, die wiederum 7,5 Millionen für Nachfolger Adi Hütter aus dem Fenster warfen, der ebenfalls längst Vergangenheit ist.

Muss gehen: Dortmunds Trainer Marco Rose.
Muss gehen: Dortmunds Trainer Marco Rose. © dpa

Die Trennung von Rose ist ein Eingeständnis, dass sich die Gelb-Schwarzen mit der Trainerwahl komplett vergaloppiert hatten. Dabei ist Rose nicht an der - wie zuletzt immer - verpassten Meisterschaft gescheitert, sondern daran, dass er seinem hochveranlagtem Team weder Kontinuität noch eine spielerische Weiterentwicklung angedeihen lassen konnte. Im Grunde beschränkte sich die Spielidee des BVB darauf, Erling Haaland in Schussposition zu bringen.

Borussia Dortmund hat unter Rose die Saisonziele verfehlt

Dramatischer war: Das Aus in einer machbaren Champions League-Gruppe, der K.o. gegen Glasgow Rangers in der Europa League, die man eigentlich statt Eintracht Frankfurt gewinnen wollte, das blamable Ausscheiden im DFB-Pokal gegen St. Pauli, nicht zuletzt erstaunliche Heimniederlagen hatten viel größere Wunden gerissen, die Borussia hatte abseits der Liga die Saisonziele verfehlt und Rose offenbar nicht den Eindruck erweckt, mit ihm und klugen Zukäufen werde sich in der neuen Saison etwas ändern.

Diese Scheidung reiht sich ohnehin ein, in eine erstaunliche aktuelle Entwicklung: Klubs, zuletzt etwa Wolfsburg, Gladbach, Hoffenheim, stellen neuerdings früher als sonst ihre Trainer frei, mit denen sie eine gedeihliche Zusammenarbeit nicht mehr für vertretbar halten. Was natürlich viel sinnvoller ist, als mit dicken Zweifeln an der Kompetenz des alten Coaches in die neue Saison zu gehen und den Fehler dann verspätet im Oktober teuer korrigieren zu müssen, wenn der Kader steht und Weichen gestellt sind.

Terzic hätte Borussia Dortmund schon letzte Saison trainieren können

Dass Edin Terzic jetzt den BVB, über dem weiterhin der Geist des Übertrainers Jürgen Klopp schwebt, übernehmen soll, ist ein weiteres Eingeständnis, bei der Besetzung des Top-Jobs schwer daneben gelegen zu haben. Terzic, der den BVB im vergangenen Jahr dank einer beeindruckenden Aufholjagd in letzter Sekunde in die Königsklasse geführt hatte, hätten sie schon im letzten Sommer als Trainer behalten können - anstelle des Fehlgriffs Rose.

Wie es heißt, sollen Julian Nagelsmann (nur die Meiserschaft) und Oliver Glasner (wenigstens das Europa League-Finale nicht verloren) ihre Jobs halbwegs sicher haben. Stand jetzt. Beruhigend. (Thomas Kilchenstein)

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