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Erling Braut Haaland, neuer Wunderstürmer von Borussia Dortmund.

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Borussia Dortmund: Erling Haaland und die Gefahr des Scheiterns

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Erling Haaland ist in aller Munde. Doch manche können an einer solchen Erfolgsstory fast zerbrechen - so wie der Ex-Eintrachtler Martin Fenin. Ein Kommentar.

An dieser Stelle sei aus gutem Grund an den Fußballer Martin Fenin erinnert, dessen Geschichte wie eine Erfolgsgeschichte begann, letztlich aber sicher keine war. Fenin kam im Alter von 20 in die Bundesliga, zu Eintracht Frankfurt, und gleich im ersten Spiel bei Hertha BSC schoss er drei Tore. Ein toller, vielversprechender Start, den Fenin in der Folge aber nicht bestätigen konnte. Dreieinhalb Jahre später wechselte er zu Energie Cottbus in die Zweite Bundesliga, dort wurde er bald mit einer Hirnblutung ins Krankenhaus gebracht, ein Fenstersturz unter nebulösen Umständen. Er spielte dann in Prag und in Teplice, in Istres, Chemnitz, in Brünn und in Varnsdorf – nie mehr jedenfalls auf der großen Fußballbühne, die für ihn einst bereitet schien, und inzwischen ist er 32 Jahre alt, sein Status bei transfermarkt.de lautet „vereinslos“.

Daran sei also ganz kurz mal erinnert. Der Grund, der gute: Erling Braut Haaland, neuer Wunderstürmer von Borussia Dortmund.

Erling Haaland startet mit lautem Knall

Haaland, 19, ist am Samstag mit einem lauten Knall in der Bundesliga erschienen, drei Tore hat er geschossen bei seinem Debüt, wie Fenin, und so dem BVB zu einem erstaunlichen Comeback-Sieg beim FC Augsburg verholfen (5:3). Der Norweger, so scheint es, ist noch besser als sein Ruf, der ihm aus seiner Zeit in Salzburg vorauseilte und rasend schnell in Europa die Runde machte. Manchester United, Juventus Turin und überhaupt jeder Klub mit Rang und Namen in Europa bemühte sich angeblich um den Stürmer mit dem Körper eines Wikingers und dem Gesicht eines Sängerknaben. Dortmund bekam ihn. Und sieht nun genüsslich dabei zu, wie das skandinavische Naturereignis den Klub nach oben schießt. Fragezeichen.

Es gibt keine Garantien, nicht bei einem so jungen Spieler, darauf verweisen Geschichten wie jene von Martin Fenin. Der gelungene Start markiert dann nur die Fallhöhe für den weiteren Karriereverlauf, wenn die mentale Seite nicht Schritt hält mit der Geschwindigkeit der Ereignisse, der Erwartungen.

Der Vater riet dem Sohn zum Wechsel nach Dortmund

Das weiß man aber in Dortmund, und Erling Haaland müsste es auch wissen. Die Faktoren, dass der junge Mann seinen Weg nach oben fortsetzt, sind jedenfalls gegeben. Er hat zum Beispiel einen Vater, der mit den Härten des Fußballs bestens vertraut ist. Während seiner Zeit im englischen Profifußball geriet Alf-Inge Haaland einst in eine Privatfehde mit dem berüchtigten Iren Roy Keane, der am Norweger eines der berühmtesten Revanchefouls der Fußballgeschichte verübte. Die Tatsache, dass der Vater seinem Sohn zum Wechsel nach Dortmund riet, obwohl finanziell weitaus lukrativere Wechsel möglich gewesen wären, lässt eine gewisse Vernunft im Umfeld vermuten.

Der BVB ist womöglich der perfekte Zwischenschritt für Haaland auf dem Weg nach ganz oben. Er wirkt, aus der Distanz betrachtet, geerdet und selbstbewusst. Er ergänzt das Dortmunder Spiel ideal mit seinen radikalen Läufen in die Tiefe des Raumes, und er hat bei den Schwarz-Gelben ein Vorbild, dessen Karriere nach einem Dreierpack zum Debüt in die genau entgegengesetzte Richtung wie bei Martin Fenin lief: Pierre-Emerick Aubameyang.

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