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Paco Alcácer schoss beide Tore für Borussia Dortmund in der Nachspielzeit.

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Borussia Dortmund bereit für den Gipfel gegen den FC Bayern

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Borussia Dortmund wähnt sich nach dem spät herausgeschossenen Sieg gegen Wolfsburg präpariert für die Bayern.

Michael Zorc ist ein Freund der klaren Worte. Und so diktierte er den vor dem Kabinentrakt wartenden Journalisten nach dem 2:0 (0:0) gegen den VfL Wolfsburg seine Sicht der Dinge in die Notizblöcke. „Es war ein glücklicher Sieg, den wir gerne mitnehmen. Nächste Woche benötigen wir auf jeden Fall eine bessere Leistung. Mehr braucht ihr gar nicht zu schreiben“, erklärte der Dortmunder Sportdirektor.

Doch es gibt genug Geschichten, die diese aus BVB-Sicht äußerst zähe Begegnung geschrieben hatte. Jedenfalls kochte die Stimmung in der Schlussphase im Dortmunder Fußballtempel über. Deshalb besaßen laut Zorc auch die Fans maßgeblichen Anteil an diesen drei so wichtigen Punkten, die die Schwarz-Gelben am Samstag (18.30 Uhr) mit zwei Zählern Vorsprung in München auflaufen lassen. „Die Südtribüne hat die Mannschaft in der Schlussphase regelrecht angezogen, ja angesogen“, beschrieb Michael Zorc seine Eindrücke. Er hatte dann also doch noch mehr gesagt.

Die Dortmunder haben im Kampf um die Meisterschaft wieder alles selbst in der Hand, dank Paco Alcácer. In der ersten Minute der Nachspielzeit hämmerte der Spanier einen Freistoß aus 17 Metern durch die Mauer in die Maschen. Und weil Renato Steffen den Ball leicht abfälschte, war er für Schlussmann Koen Casteels nur schwer zu halten, obwohl er fast direkt auf den Mann kam. Als Alcácer nur wenig später (90.+4) nach einem Konter über Jadon Sancho den Sieg endgültig eintütete, brachen auf den Rängen alle Dämme.

Für den aus Barcelona verpflichteten Stürmer waren es bereits die Tore vier und fünf in der Nachspielzeit. Schon in der Hinrunde hatte er gegen den FC Augsburg mit einem direkt verwandelten Freistoß das entscheidende 4:3 in der Nachspielzeit erzielt. Insgesamt traf der BVB bereits achtmal nach Ablauf der regulären 90 Minuten – Liga-Höchstwert.

Die außergewöhnlichen Abschlussqualitäten von Paco Alcácer

Für Teammanager Sebastian Kehl kein Zufall: „Es war auch der Wille und die Überzeugung. Das haben wir den Jungs in der Halbzeit klar gemacht. Du bist immer in der Lage, noch ein Tor zu schießen. Auch in der 90. Minute. Den Glauben darf man nie verlieren, zumal wir so viel Qualität haben“, beteuerte der langjährige Kapitän der Borussia.

Das gilt besonders für Alcácer. Der belgische Nationalspieler Axel Witsel geriet nach der Partie angesichts der außergewöhnlichen Abschlussqualitäten Alcácers regelrecht ins Schwärmen: „Paco ist verrückt. Ich nenne ihn El Matador, weil er ein Killer ist. Er braucht nicht viele Chancen, um zu treffen.“

Es dauerte dann nicht lange, da drehte sich alles nur noch um den Ligagipfel am kommenden Samstag. „Psychologisch ist es für uns gut, als Tabellenführer nach München zu fahren und zu wissen, dass wir die Sache mit einem Sieg ein Stück weit in unsere Richtung schieben können“, erklärte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

„Dieser Sieg gibt einen Extraschub“, betonte Kehl. „Die Bayern werden unglaublich gierig sein, weil sie wissen, dass sehr viel auf dem Spiel steht“, prophezeite der ehemalige BVB-Kapitän. „Wir müssen mutig sein, müssen frech aufspielen und unsere Chance nach vorn suchen. Die nächste Woche wird richtungweisend sein. Wir wollen die Chance nutzen, die in diesem Jahr da ist.“

„Hartes Spiel“ gegen den FC Bayern

Auch die Dortmunder Profis wissen, was in München auf sie zukommen wird. „Es wird ein hartes Spiel“, sagte Witsel. „Wir haben die Bayern bei uns geschlagen, jetzt wollen wir es auch in München versuchen“, beteuerte der Belgier. Der forderte seine Teamkollegen auf, nicht mit der Einstellung in die Partie zu gehen, dass ein Unentschieden schon reichen würde. „Wenn du das machst, dann hast du schon verloren.“

BVB-Schlussmann Roman Bürki sah angesichts der Ergebnisse des Wochenendes einen kleinen Vorteil bei den Dortmundern. „Wir haben vielleicht ein bisschen mehr Selbstvertrauen gesammelt“, sinnierte der Schweizer. „Doch an Selbstvertrauen hat es auch den Bayern eigentlich nie gemangelt. Wir werden versuchen, ihnen das Leben so schwer wie möglich zu machen.“

Zumal der BVB dann wieder auf Marco Reus zurückgreifen kann, dessen Lebensgefährtin Scarlett Gartmann am Wochenende in den Wehen lag. „Marco fehlte, mit seiner Geschwindigkeit, mit seiner Gedankenschnelligkeit, mit seiner Intuition. Wir werden ihn am Samstag in München brauchen“, erklärte Kehl. Aufgrund der bevorstehenden Geburt seiner Tochter hatte der Nationalspieler das Spiel gegen Wolfsburg verpasst. „Gerade beim ersten Kind gibt es noch Sachen, die noch wichtiger sind als Fußball“, erklärte Michael Zorc einfühlsam. In München sind dann wieder die harten Männer gefragt.

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