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Hannovers Trainer Andre Breitenreiter streicht den Spielern doch nicht wie zuvor angedroht den Weihnachtsurlaub.

0:1 gegen Fortuna Düsseldorf

96 am Boden: Spieler dürfen trotzdem in den Weihnachtsurlaub

Das 0:1 gegen Düsseldorf war für Hannover 96 der Tiefpunkt einer völlig missratenen Hinrunde. Als Konsequenz daraus sollen aber vorerst nur neue Spieler geholt werden. Auch die Drohung, den Weihnachtsurlaub zu streichen, wurde wieder einkassiert.

Der Weihnachtsurlaub wird den Spielern von Hannover 96 nun doch nicht gestrichen. Auch Trainer André Breitenreiter bleibt nach einer desaströsen Hinrunde im Amt.

Die 0:1 (0:0)-Heimniederlage gegen den direkten Konkurrenten Fortuna Düsseldorf war am Samstag zwar das „i-Tüpfelchen“ (Manager Horst Heldt) auf ein Halbjahr voller vereinsinterner Streitigkeiten und sportlicher Rückschläge. Dennoch konzentriert sich der Tabellenvorletzte bei seinem Versuch, den erneuten Abstieg aus der Fußball-Bundesliga doch noch zu verhindern, allein auf eine Maßnahme: Neue Spieler sollen in der Winterpause her.

„Wir müssen gucken, dass wir mit dem einen oder anderen Personalwechsel frischen Wind hereinbekommen“, sagte Heldt. „Jetzt aufzugeben, wäre der pure Wahnsinn.“

Am Tag vor Weihnachten setzten sich in Hannover noch einmal alle zusammen. Die Spieler erfuhren in einer Teambesprechung, dass sie nun doch bis einschließlich 27. Dezember frei machen dürfen. Ursprünglich hatte Breitenreiter ihnen angedroht, an den Feiertagen durchzutrainieren, falls sie aus den letzten Hinrunden-Spielen gegen Freiburg (1:1) und Düsseldorf (0:1) nicht mindestens drei Punkte holen sollten. Am Sonntag trafen sich auch der Trainer, der Manager und der Clubchef Martin Kind zum Gespräch. Das alles demonstrierte eine Form der Einigkeit bei 96. Es konnte aber auch nicht mehr verhindern, dass aus dieser Hinrunde alle beschädigt herausgehen.

André Breitenreiter verlor in der Frage des Weihnachtsurlaubs einiges an Autorität und Glaubwürdigkeit. Horst Heldt muss nun bis zum ersten Rückrundenspiel am 19. Januar gegen Werder Bremen einen Kader umbauen, den er selbst erst im Sommer neu zusammengestellt hat. Und auch Präsident Kind muss damit leben, dass seine Übernahmepläne eine seit Monaten anhaltende Unruhe rund um diesen Verein ausgelöst haben, die auch die Mannschaft im Abstiegskampf belastet. Jeder potenzielle Neuzugang dürfte es sich ganz genau überlegen, ob er in diesem Winter ausgerechnet nach Hannover wechselt.

Nur 11 Punkte nach 17 Spielen: Auch das sind keine starken Argumente für 96. Dennoch gibt sich gerade der Trainer weiter kämpferisch. „Die Situation ist für uns alle schwierig“, sagte Breitenreiter am Sonntag. „Aber ich bin ein Kämpfer, der sich nicht versteckt.“

Bei seinem Versuch der Krisenbewältigung greift der 45-Jährige auch zu einem Mittel, das in der Bundesliga ansonsten lieber vermieden wird: die schonungslose Offenheit. Bereits zu Beginn der Woche kritisierte er seinen besten Stürmer Niclas Füllkrug, indem er ihn mit einem renitenten Schüler verglich. Nach dem Spiel gegen Düsseldorf räumte Breitenreiter dann vor laufenden Kameras ein: „Wir haben über viele Wochen mitbekommen, dass die Mannschaft keine Einheit ist. Das haben wir in der Kabine gesehen, das haben wir in den Gesprächen mit dem Mannschaftsrat gesagt bekommen. Ich hatte es nicht so extrem eingeschätzt, aber die Signale waren eindeutig. Wir sind vom Mannschaftsrat um Hilfe gebeten worden.“

Seine Drohung, den Spielern den Weihnachtsurlaub zu streichen, will der Trainer im Nachhinein nur als „Hilfsmaßnahme“ verstanden wissen. „Die drei Punkte haben wir in dieser Woche nicht geholt. Das Ziel, dass sich die Mannschaft wieder als Einheit präsentiert, haben wir aber erreicht“, sagte er am Sonntag.

Dennoch hat sich Breitenreiter bei diesem Thema in eine Situation hineinmanövriert, in der er am Ende nur noch verlieren konnte. Eine solche Drohung zumindest in großen Teilen wieder einzukassieren, schwächt seine Position vor der Mannschaft. Denn wie ernst soll die mögliche Ansagen in der Rückrunde noch nehmen?

Auf der anderen Seite wäre der Schaden wahrscheinlich noch größer, wenn dieses schwer angeschlagene Team tatsächlich bis zum Beginn der Rückrunde durchtrainieren müsste. Denn gegen Düsseldorf war am Samstag eine Mannschaft zu sehen, die schon vor dem späten 0:1 durch Oliver Fink (90.+2) hätte in Rückstand geraten müssen. Planlos, erschöpft, verunsichert - so schleppte sich Hannover am Ende über den Platz. Etwas Abstand und Regeneration tun gerade diesem Team gut. „Wir müssen Luft holen und dann in der Rückrunde alles reinwerfen“, sagte Mittelfeldspieler Pirmin Schwegler. „Wir müssen besser werden.“

(Von Sebastian Stiekel, dpa)

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