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Bochums Mängelliste

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Von: Daniel Schmitt

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In der Kritik: Bochums Trainer Thomas Reis.
In der Kritik: Bochums Trainer Thomas Reis. © dpa

Im zweiten Bundesligajahr stößt der VfL Bochum bereits an natürliche Grenzen. Der ruhmlose Abstieg droht für den punktlosen Letzten, weil der Zusammenhalt verloren gegangen ist.

Sechs Spiele, null Punkte, 4:18 Tore - der VfL Bochum hat mit der 1:3-Pleite auf Schalke den Karlsruher SC abgelöst und den schlechtesten Bundesligastart der Geschichte hingelegt. Das ist ein harter Fakt, der bitter ist aus Sicht des Ruhrpottklubs, zumal in dieser Dimension, der grundsätzlich für die Beteiligten wie Fans aber nicht ganz überraschend kommen sollte. Denn: Vor dem Beginn dieser 60. Bundesligarunde war der VfL quer durch die Republik eben genau dort erwartet worden, wo er nun steht: an der Spitze des Tableaus - von unten betrachtet. Übrigens auch von der FR-Sportredaktion in ihrer alljährlichen Tipptabelle, das nur am Rande.

Die erwartbare Krise jedenfalls hat mehrere Faktoren: Zum einen haben die Bochumer eine Mannschaft beisammen, die selbst niedrigen Bundesligaansprüchen kaum genügt, einige der besten Spieler aus der vergangenen Saison (13. Platz) verließen den Verein, Armel Bella-Kotchap, Maxim Leitsch, Sebastian Polter, Milos Pantovic. Da ist Klasse verloren gegangen, die die Neuen nicht auffangen können.

Zum anderen gibt es Schwierigkeiten auf der Kommandobrücke: Sportchef Sebastian Schindzielorz, der den Klub in mühevoller Kleinstarbeit erst zu einem stabilen Zweitligisten managte, um ihn durch kluge Personalentscheidungen nach elf Jahren Abstinenz in die Bundesliga zu hieven, kündigte früh seinen Abschied an, wurde Anfang September beerbt von seinem vorherigen Auszubildenden Patrick Fabian, einem Ex-Profi, der zwar beliebt ist in Fankreisen wie im inneren Klubzirkel aufgrund seines Bochumer Stallgeruchs, der aber eben noch ein Greenhorn auf seinem Posten darstellt. Führungsstärke sieht anders aus.

Und Fabian kann nicht etwa langsam reinfinden, er ist Knall auf Fall gefordert bezüglich einer der wichtigsten Entscheidungen eines Managerdaseins. Die Frage, die er seit Wochen zu beantworten hat: Ist Thomas Reis noch der richtige Coach? Der Trainer flirtete bereits im Sommer fremd mit dem Aufsteiger aus Gelsenkirchen, während er zeitgleich dem VfL die Treue schwor. Ein Schäkern, das bald zur Trennung führen könnte im Sog des sportlichen Misserfolgs. Eines, das über die reine Personalie Thomas Reis hinaus ein fatales Signal sendet.

Nämlich: Der für die Bochumer elementare Zusammenhalt, die verschworene Einheit aus Spielern, Trainern, Bossen und Fans ist aufgebrochen, die Reihen sind nicht mehr geschlossen. Etwas, das nur schwer wieder herzustellen ist und einem vergleichsweise kleinen Klub wie dem VfL Bochum mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit in die zweite Liga führen wird.

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