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Fredi Bobic plant den Umbruch bei Hertha BSC

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Von: Jan Christian Müller

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Kennen sich und schätzen sich: Fredi Bobic (links) und Alexander Wehrle.
Kennen sich und schätzen sich: Fredi Bobic (links) und Alexander Wehrle. © imago images/ActionPictures

Hertha BSC Vor dem Saisonfinale hofft der Sportchef auf Ruhe statt Störgeräuschen

Eines ist für Fredi Bobic vor dem Saisonfinale bei Borussia Dortmund klar: „Eine große Brandrede macht keinen Sinn. Das haben wir in dieser Saison vielleicht schon ein-, zweimal zu oft gemacht.“ Da schwingt deutlich mit: Klare Ansagen haben nicht das gebracht, was sich der Sport-Geschäftsführer von Hertha BSC davon erhofft hatte. Es ist ein Spieljahr für den 50-Jährigen, das nach dem von allerlei Misstönen begleiteten Abschied von Eintracht Frankfurt mehr Frust als Freude bereitet hat.

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Bobic wurde wie ein Wundermann empfangen, er hat die Hertha in seinem Bereich auf links gedreht, aber die Mannschaft ist seitdem personell eher schlechter als besser geworden, die Trainerentscheidung für den längst durch Felix Magath ersetzten Tayfun Korkut erwies sich als Irrtum, der von Bobic als Leader verpflichteter Kevin Prince Boateng funktionierte lange Zeit aufgrund körperlicher Gebrechen nicht annähernd so wie geplant, ehe Magath den Alphamann in die Spur brachte. Zuletzt musste der Sportchef Schlagzeilen wie diese auf Sportschau.de lesen: „Fredi Bobic – ein Verlierer bei Hertha BSC steht schon fest“.

Immerhin: Anders als in Frankfurt ist sein Verhältnis zu den örtlichen Medien intakt, was in dem schwierigen Umfeld nicht ganz unwichtig erscheint. Die Hauptstadtpresse hat Bobic an dessen alter Wirkungsstätte ungleich freundlicher empfangen als die Reporter vor Ort das seinerzeit in Frankfurt getan hatten, wo er sich aber bald dank bestens funktionierender Transferpolitik einen exzellenten überregionalen Ruf erarbeitete.

Undankbare Rolle für Fredi Bobic

Bei der Hertha ist er dann auch in die undankbare Rolle geraten, einen Mediator zwischen den heillos zerstrittenen Präsident Werner Gegenbauer (71) und Investor Lars Windhorst (45) geben zu müssen. Ein Ding der Unmöglichkeit, weil das Tischtuch zwischen Vereinschef und Geldgeber zerschnitten ist. Da nützte es auch wenig, dass sich Bobic eigens nach London aufmachte, um im Gespräch mit Windhorst nach dessen öffentlicher Attacke auf Gegenbauer („Brauchen Neustart an der Spitze“) Irritationen auszuräumen.

Just diese Woche nun machen Gerüchte die Runde, Gegenbauer, gegen den zwei Abwahlanträge zur Mitgliederversammlung am 29. Mai vorliegen, könnte zuvor freiwillig zurücktreten. Bobic äußert sich dazu vor dem Spiel in Dortmund nicht inhaltlich, hofft aber inständig: „Was hinter den Kulissen läuft, soll auch da bleiben.“

Jüngst redete er im Interview mit der „Stuttgarter Zeitung“ nicht großartig drumrum, was ihn stört bei der Hertha: Man stecke „in einem Teufelskreis aus hohen Erwartungen, öffentlichen Störgeräuschen“ sowie „sportlich enttäuschten Hoffnungen“. Und weiter: „Die Tonalität und die Lautstärke, die bisweilen rund um den Klub herrschen, sind sicher nicht förderlich für eine Leistungskultur. Das muss sich dringend ändern.“

Kommt Sandro Schwarz aus Moskau?

Das ist in der Tat dann vordringlich seine Aufgabe. Denn eine Leistungskultur entwickelt sich aus einem konkurrenzfähigen Kader. Bobic kündigt einen „großen Umbruch“ an. Aber erst einmal muss er die Rückkehrer unter den zehn Leihspielern wieder weg aus Berlin managen, die die Hertha mehrheitlich nicht mehr zurückhaben will. Und klappt es mit dem avisierten neuen Trainer Sandro Schwarz? Der Ex-Mainzer kann sich nach FR-Informationen einen vorzeitigen Abschied bei Dinamo Moskau vorstellen. Bobic ist offenbar dran.

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