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Bo Svensson attackiert Bo Svensson

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Von: Frank Hellmann

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Sauer auf sich selbst: Bo Svensson. Foto: dpa
Sauer auf sich selbst: Bo Svensson. © dpa

Der Trainer von Mainz 05 ist mal wieder sauer auf sich selbst, weil er glaubt, die Mannschaft im Stich gelassen zu haben. Das kann Folgen haben.

Bundesliga-Trainer sind, das ist keine ganz neue Erkenntnis, völlig verschiedene Charaktere. Wie im richtigen Leben pflegen Fußballlehrer ganz unterschiedliche Stile von Mitarbeiterführung. Die einen geben selten eigene Fehler zu, die anderen laden wiederum fast zu viel Schuld auf die eigenen Schulter. Der mit seinen 42 Jahren vergleichsweise junge Bo Svensson gehört definitiv zur letzten Kategorie, der zuerst stets in seinem Verantwortungsbereich fahndet, ehe der Trainer des FSV Mainz 05 seine Spieler kritisiert.

Für ihn war schnell klar, dass die peinliche 1:2-Pleite beim inzwischen nicht mehr ganz so hoffnungslos abgeschlagenen Schlusslicht SpVgg Greuther Fürth nach ernüchternder Vorstellung auch ihn betraf. „Wir sind sehr, sehr schlecht in Spiel reingekommen, auch von der Haltung her. Du kannst nicht so in ein Bundesliga-Spiel gehen, wie wir heute. Das müssen wir hinterfragen“, giftete Svensson.

Und natürlich stellte sich der frustrierte Däne die Frage, ob er bei diesem gruseligen Geisterspiel im Frankenland mehr Einfluss hätte nehmen können, wäre er wegen seiner Gelb-Sperre nicht verdammt gewesen, in einer Loge zu hocken und seinem Assistenten Babak Keyhanfar den Job an der Linie zu überlassen. Anfangs trug Svensson hinter der Glasscheibe noch artig seine Maske über Mund und Nase, später nicht mehr.

„Klar ist es nicht optimal, wenn ich da oben sitze, aber das ist keine Ausrede. Ich habe meine Mannschaft heute auch ein Stück weit im Stich gelassen. Ich bin extrem enttäuscht über die Niederlage, aber vor allem über die Haltung, wie wir das Spiel angegangen sind“, sagte Svensson. Und schob gleich noch angesäuert nach: „Wenn wir die letzten drei Halbzeiten so spielen, müssen wir uns ernsthaft hinterfragen, was wir falsch machen.“ Mit solchen Angriffen auch gegen sich selbst wandelt der ehemalige Profi auf einem schmalen Grat. Denn die Spieler nehmen zur Kenntnis, dass der Coach sich gerne in die Fehlerkette einreiht. Einerseits kann das die Glaubwürdigkeit erhöhen, andererseits den Akteuren aber auch ein Alibi verschaffen. Daher muss Svensson gut abwägen, wie oft er solche Worte einsetzt. Schon nach der Niederlage in Frankfurt im alten Jahr hat er ähnlich reagiert. Das spürt offenbar auch der ehemalige Mainzer Chefcoach und aktuelle Sportdirektor Martin Schmidt, der die bittere Mainzer Woche mit dem Pokalaus in Bochum und dem Rückschlag in Fürth in den ganz großen Zusammenhang setzte.

Es geht nicht nur bergauf

„Wir sind jetzt in einer Phase, von der wir vor der Saison wussten, dass sie mal kommen wird und die wir auch in der Hinrunde schon hatten. Das stehen wir zusammen durch. Wichtig ist, dass wir den Kopf oben behalten“, erklärte der Schweizer. Stetig bergauf geht es eben auch bei den Nullfünfern nicht, das haben schon weitaus prominentere Trainer wie Jürgen Klopp oder Thomas Tuchel erfahren.

Zur Fehleranalyse kommt die Länderspielpause am Bruchweg wie gerufen, beschied Torwart Robin Zentner, den zuerst der starke Jeremy Dudziak (12.), dann der eigene Verteidiger Stefan Bell per Eigentor (66.) überwand, ehe noch Karim Onisiwo (90.+3) verkürzte. „Jetzt haben wir zwei Wochen Zeit, die Fehler aufzudecken. An diesen müssen wir arbeiten, uns selbst reflektieren und positiv in die Zukunft schauen.“

Wobei es nicht so einfach ist, nach der Unterbrechung rechtschaffen auf den Reset-Knopf zu drücken. Mit der TSG Hoffenheim stellt sich am 5. Februar in der Arena am Mainzer Europakreisel ein gut harmonierendes Team vor, das aus dem bisherigen Saisonverlauf Ambitionen auf eine Champions-League-Qualifikation anmelden kann. Mainz hingegen wird aller Voraussicht nach erstmal wieder im Mittelmaß verharren.

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