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Er sagt jetzt, wo es in Mainz langgeht: Bo Svensson.
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Er sagt jetzt, wo es in Mainz langgeht: Bo Svensson.

Mainz 05 holt neuen Trainer

Bo ohne Bikini

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Erwartungsgemäß beschwört der abstiegsbedrohte FSV Mainz 05 weiter die Vergangenheit und holt Jugendtrainer Svensson zurück.

Bo Svensson, der am Montag beim abstiegsbedrohten FSV Mainz 05 erwartungsgemäß einen Vertrag als neuer Trainer unterzeichnet hat, ist bislang nicht für außergewöhnliche Wortdrechselei auffällig geworden. Der 41 Jahre alte Däne gehört mehr in die Kategorie des sachlichen, besonnenen, bodenständigen Vertreters, ein akribischer Arbeiter, solide, eher unspektakulär, keiner mit Flausen im Kopf. Vor Jahren freilich hat der langjährige Jugendtrainer der Mainzer einen gewagten Vergleich angestellt, Statistik, sagte er da in einem Interview, sei so wie ein Bikini, sie zeige viel, verdecke aber das Wichtigste. Das Wichtigste sei für ihn „Gefühl und Wahrnehmung während des Spiels.“ Ohnehin spielt „der Bauch“ eine große Rolle bei Bo Svensson aus Jütland, er hört gerne auf ihn.

Bo Svensson, der sieben Jahre und in 109 Spielen solide bei den Nullfünfern in der Innenverteidigung gearbeitet hat, danach als Co-Trainer unter Martin Schmidt die Erste coachte und fünf Jahre in die Mainzer Jugendarbeit in führender Stelle eingebunden war, dieser Bo Svensson ist kein verkopfter, abgehobener Fußballlehrer wie Thomas Tuchel einer ist, kein Intellektueller, kein Taktik-Maniac. Und doch hat ihn der jüngst bei Paris St.-Germain freigestellte Coach geprägt und beeinflusst, schließlich war Tuchel in den letzten fünf Jahren seiner Karriere sein Trainer. Aber auch Jürgen Klopp hat den beim FC Kopenhagen ausgebildeten Stopper nicht unbeeindruckt gelassen. „Ohne Tuchel und Klopp wäre ich vermutlich nie Trainer geworden“, hat er mal gesagt. Er sei aber „ein anderer Mensch“.

Trotzdem: Einen ausgeklügelten Karriereplan hatte Bo Svensson nie, Svensson, der seinen Co-Trainer Babak Keyhanfar mitbringt, ebenfalls mit Mainzer Vergangenheit im Nachwuchsleistungszentum, sei keiner, „der sein Leben weit im Voraus berechnet“, wie die „Allgemeine Zeitung“ in Mainz dieser Tag schrieb, er vertraue da eher seinem Gefühl.

Trainerwechsel in dieser Saison

27. 9. 2020 David Wagner (Schalke 04) Nachfolger: Manuel Baum 28. 9. 2020 Achim Beierlorzer (FSV Mainz 05) Nachfolger: Jan-Moritz Lichte 13. 12. 2020 Lucien Favre (Borussia Dortmund) Nachfolger: Edin Terzic 18. 12. 2020 Manuel Baum (Schalke 04) Nachfolger: Christian Gross 28. 12. 2020 Jan-Moritz Lichte (FSV Mainz 05) Nachfolger: Bo Svensson

Und sein Gefühl sagte ihm vor eineinhalb Jahren, nach zwölf Jahren Mainz 05 als Spieler und Jugendtrainer, etwas Neues zu wagen, auch um sich als Fußballlehrer weiterzuentwickeln. Er übernahm als Cheftrainer den FC Liefering aus der Zweiten österreichischen Bundesliga, das Farmteam des Champions-League-Teilnehmers RB Salzburg - und Salzburg ließ sich die Dienste von Bo Svensson 1,5 Millionen Euro Ablöse kosten.

Völlig anderes arbeiten

In Liefering, einem Stadtteil von Salzburg, leistete er vorrangig Aufbauhilfe, kein Spieler des Klubs war älter als 20 Jahre. Er tat das mit einigem Erfolg, im vergangenen Jahr kamen die „Jungbullen“ genannten Kicker auf Platz drei, aktuell stehen sie auf dem zweiten Platz. Und Svensson sollte in Salzburg auf Sicht als Nachfolger von RB-Chefcoach Jesse Marsch aufgebaut werden. In Österreich hatte Svensson schon den Spitznamen „Mini-Tuchel“ verpasst bekommen, es war als Auszeichnung gedacht.

Nun kehrt der Däne, dessen Familie während seines Österreich-Aufenthalts in Mainz geblieben ist, zurück an alte Wirkungsstätte. Zum Klub bestand immer „ein besonderes Verhältnis“, daraus hat Svensson nie ein Hehl gemacht. Die auf ihn nun wartende Arbeit ist eine vollkommen andere, in Österreich ging es um die Entwicklung von Talenten, Ergebnisse hatten da nicht oberste Priorität, in Mainz muss er nun den Abstieg verhindern. Er ist der Strohhalm, an den sich der ganze Klub klammert, der mit der Rückholaktion von Christian Heidel und Martin Schmidt eine mal glorreiche Vergangenheit aufleben lassen will. „Bo bringt alle Qualitäten mit, die wir uns für die Besetzung unseres Trainerpostens wünschen“, sagte Sportvorstand Heidel: „Er weiß, wie sich unser Fußball anfühlen muss.“

Wenn jeder „nur sein eigenes Ding macht“, hat Bo Svensson unlängst einem österreichischem Onlineportal gesagt, „wird es nicht funktionieren.“ Genau das war ja zuletzt eines der Probleme von Mainz 05.

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