Fleißig und treffsicher: 1:0-Torschütze Jonathon Burkardt (links). dpa
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Fleißig und treffsicher: 1:0-Torschütze Jonathon Burkardt (links). 

Mainz 05

Bloß noch keine Glückwünsche

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Mainz 05 tut gut daran, sich nach Sieg in Dortmund auch gegen Werder Bremen zu strecken.

Es sind diese Schicksalmomente des Spielplans, die man nur mutig beim Schopfe packen muss. Denn wenn es für einen selbst um die Wurst geht, kann es hilfreich sein, zum rechten Zeitpunkt auf einen lustlosen Gegner zu treffen. Wenn man sich dazu noch hellwach, hochmotiviert und perfekt taktisch eingestellt präsentiert, kann man auch als kleine Mainzelmännchen beim großen BVB bestehen.

2:0 hat Mainz 05 am Mittwochabend völlig überraschend und ebenso verdient in Dortmund gewonnen, und hinterher war allen Beteiligten anzusehen, wie hochgradig erleichtert sie aus diesem Abend herausgingen, Zweinull beim Zweiten! „Die drei Punkte waren elementar wichtig“, vermeldete Trainer Achim Beierlorzer im Duktus eines Mannes, der alles im Griff hat. Was mit Rückblick auf die Saison gewiss nicht komplett stimmt, sicher aber für diese Nacht von Dortmund, in der die Nullfünfer neun Kilometer mehr zurücklegten als die lauffaulen Gastgeber.

Genau diese Basiselemente Mainzer Fußballs – entwickelt von Jürgen Klopp und Thomas Tuchel – hatten ein paarmal zu oft gefehlt in den vergangenen Jahren. Nicht so in Dortmund, als schon fast Totgesagte quietschlebendig von der Schippe sprangen. Kapitän Danny Latza, das Laufwunder, platzte fast vor Stolz: „Viele haben uns schon abgeschrieben. Aber man sieht, dass wir leben. Wir haben uns in jeden Ball und jeden Zweikampf reingeschmissen.“ Es wird eine der Aufgaben für die Zukunft sein, diesen Spirit wieder Spiel für Spiel zu implementieren.

Gemeinsam wollen sie auch am Samstag gegen den ums Überleben strampelnden SV Werder Bremen dafür sorgen, „dass wir“, so Sportchef Rouven Schröder vor dem Aufeinandertreffen mit seinem Ex-Arbeitgeber, „den Klassenerhalt fix machen“. Es sei unbedingt „wichtig, dass wir uns jetzt nicht von den Glückwünschen blenden lassen“, fügte Schröder noch hinzu.

Da hat einer wenig Lust und Laune, sich sechs Punkte und acht Tore Vorsprung noch nehmen zu lassen. Komplett undenkbar ist das nicht: Ein 0:3 gegen Bremen und ein 0:1 am letzten Spieltag in Leverkusen bei gleichzeitigem 2:0-Sieg der Bremer gegen Köln würde die Rheinhessen mindestens auf einen Relegationsplatz zurückwerfen. Wenn sich dazu zwei nicht unrealistische Düsseldorfer Siege gegen Augsburg und bei Union Berlin gesellten, wäre Mainz sogar direkt abgestiegen. Es sind Worst Case-Szenarios, die beim nächsten Gegner Werder viel mehr gefürchtet werden, wo der zweite Abstieg seit 1980 gerade noch viel mehr Realität zu werden droht als einer Wiederholung des Abstiegs von Mainz 05 aus dem Jahr 2007.

Vorerst haben die Nullfünfer durch zwei heldenhaft erkämpfte Auswärtssiege in Frankfurt und Dortmund den Kopf aus der Schlinge gezogen. Dass es Beierlorzer beim BVB gelang, mit sechs Neuen in der Startelf die Tiefe des Kaders zu nutzen und die dringend nötige Mentalität zu wecken, darf der Franke durchaus auf der zuvor etwas abgeschmolzenen Plusseite verbuchen.

Nachwuchs überzeugt

Und noch etwas verdient Erwähnung: Die wichtige 1:0-Führung in Dortmund offenbarte nicht nur selten gesehene spielerische Qualitäten im Mainzer Aufbauspiel, sondern war am Ende auch eine Produktion aus eigener Herstellung: Ausgehend von einem klugen Pass des in der Mainzer Talentschmiede ausgebildeten Keeper Florian Müller, flankte der ebenfalls aus dem Mainzer Nachwuchszentrum stammende Ridle Baku auf den ebendort herangereiften Jonathan Burkardt, der per Kopf traf,

Es ist also keineswegs so, dass Mainz 05 lediglich über eine aus aller Herren Ländern zusammengeholte Söldnertruppe verfügt, die nur Dienst nach Vorschrift verrichtet. Aber es stimmt dennoch, dass diese Mannschaft Klebstoff untereinander braucht, um die Dinge gemeinsam anzugehen. Am Mittwochabend darf der 19-jährige Burkardt getrost davon ausgehen, dass er die Tube dazu dabei hatte. In den vorherigen zehn Einsätzen des Stürmers in der Bundesliga unter Sandro Schwarz war er den Nachweis der Tauglichkeit für die höchste Spielklasse schuldig geblieben. Beierlorzer hatten ihn vor Dortmund nicht eine einzige Minute gebracht und oft gar nicht in den Kader berufen. Der fleißige Burkardt hatte sich das sehr zu Herzen genommen, „Jonny“, sagte der Trainer nun hochachtungsvoll, „sollte sich für uns aufopfern. Das hat er gemacht.“

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