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„Da geht’s lang, Männer.“ Thomas Schaaf (links) schwört die Werder-Profis ein.
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„Da geht’s lang, Männer.“ Thomas Schaaf (links) schwört die Werder-Profis ein.

Rückkehr des Trainer-Dinos

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  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Wie die Trainer-Legende Thomas Schaaf den verrutschten SV Werder Bremen zumindest in der Bundesliga halten will.

Die Vorzüge des Sporthotels Fuchsbachtal in Barsinghausen sind Fußballern aus Norddeutschland grundsätzlich bekannt. Idyllische Lage, gepflegte Plätze. Hinter viel Grün versteckt. Der hier für das Quarantäne-Trainingslager eingezogene SV Werder konnte gar nicht anders, als zumindest auf digitalem Wege einige Einblicke zu gewähren. Dass Thomas Schaaf für den 34. Spieltag als Cheftrainer in die Bundesliga zurückkehrt, ist die passende Pointe einer von Trainer-Rochaden geprägten Spielzeit. Bremen hievt sein Urgestein vom Posten des Technischen Direktors auf den des Cheftrainers, um den zweiten Bundesliga-Absturz der Vereinsgeschichte nach 1980 zu verhindern.

Beschädigt der 60-Jährige damit nicht sein eigenes Denkmal? „Ich mache mir weniger Sorgen um meine Person. Es ist viel entscheidender, das Gefühl zu haben, vielleicht noch etwas leisten und helfen zu können. Ich probiere es“, sagte Schaaf am Montag gleich zu Beginn einer Medienrunde, auf der er sich über die Länge einer Fußball-Halbzeit ziemlich aufgeräumt präsentierte. Nach dem Anruf von Geschäftsführer Frank Baumann habe er nicht lange gezögert. Der SV Werder, dem er seit 1972 angehört, sei nun einmal „eine Herzensangelegenheit“.

Dass unter seinem Vorgänger Florian Kohfeldt seit Wochen so gut wie gar nichts mehr ging – ein Punkt aus neun Spielen – hat Schaaf als stiller Beobachter mitbekommen, obgleich er nach eigener Aussage ins „tägliche Business“ der Profis nicht eingebunden war. Aber eines ist ihm nicht entgangen: „Die Mannschaft konnte keine Leistung realisieren, wofür die Spieler standen.“ Gerade der Auftritt beim FC Augsburg (0:2) wirkte diesbezüglich erschreckend. Ergo fordert Schaaf vor dem Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach (Samstag 15.30 Uhr): „Wir müssen aktiv sein. Das Versäumnis gab es.“ Sich zum Ligaverbleib zu mauern, wie es der 22 Jahre jüngere Kohfeldt über Monate versuchte, kommt für ihn nicht infrage.

Mit seinem nach dreieinhalb wechselvollen Jahren entlassenen Vereinskollegen telefonierte Schaaf noch am Sonntagmorgen. „Ich hätte mir gewünscht, dass Florian die Saison entspannt zu Ende bringt.“ Kohfeldt stolperte letztlich nicht allein über das Abrutschen auf den Relegationsrang, sondern genauso über die Mängel bei der Kaderzusammenstellung, weshalb die Erklärungen für seine Entlassung von Aufsichtsratsboss Marco Bode am Sonntagabend im NDR-Sportclub beinahe so konfus klangen wie die Mannschaft gerade spielt.

Die Floskeln sind bekannt

Schaaf soll am letzten Spieltag – und womöglich noch in einer Relegation – retten, was vielleicht mit diesem wenig zukunftsfähigem Team gar nicht mehr zu retten ist. Auf seiner Agenda tauchten die üblichen Plattitüden eines Feuerwehrmannes auf: „Überzeugungen vermitteln, Gespräche führen, Selbstvertrauen reinzubringen“. Der Fußballlehrer und Familienvater, der immer noch in seinem Flachdachbungalow in Brinkum hinter der Stadtgrenze auf niedersächsischem Terrain hinter hohen Hecken wohnt und gerne ausgedehnte Radtouren unternimmt, muss einen Weg finden, die zuletzt komplett harmlose Offensive zu beleben, wobei er sich gar nicht auf Personalien festlegen, sondern erstmal zusammen mit seinem ewigen Assistenten Wolfgang Rolff („Wir sind ein absolut eingespieltes Team“) Eindrücke sammeln wolle. Aber wäre doch gelacht, wenn er nicht bei den zuletzt zu Reservisten degradierten Milot Rashica oder Yuya Osako zumindest ein bisschen vom verschütteten Potenzial kitzeln kann.

Der neue Rahmen für die Kicker ergibt sich mit dem Trainerwechsel automatisch. Kommunikativ könnten die Gegensätze nicht größer sein: Hier der redselige Kohfeldt, der das Spiel mit den Medien mindestens genauso gut durchschaute wie den Fußball. Seine Ausführungen garnierte er gerne mit einem Scherz. Er konnte Werders graue Auftritte zumindest hübsch grün-weiß verbalisieren. Nun aber schaute der eher trockene Schaaf permanent hoch auf den Bildschirm. Einige seiner Floskeln wirkten altbekannt. Späße waren eher selten.

Seine Nüchternheit und Bodenständigkeit bildeten irgendwie aber auch die Basis dafür, dass er 14 Jahre lang (1999 – 2013) Werder-Coach bleiben konnte – und nach seinen Abstechern zu Eintracht Frankfurt (2014/2015) und Hannover 96 (2016) wieder in anderer Funktion anheuerte. Es entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, dass gar nicht mal sicher ist, ob Schaaf über den Sommer hinaus auf seiner Direktorenstelle weitermachen kann. Die Geldsorgen des Vereins sind erdrückend. Im Zuge einer Fanleihe hat Werder finanzielle Kennzahlen veröffentlich, die sich bei bald 75 Millionen Euro Verbindlichkeiten scheußlich lesen. Thomas Schaaf soll dafür sorgen, dass die Bundesliga-Abschlusstabelle nicht genauso grässlich aussieht.

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