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Achim Beierlorzer und Sandro Schwarz.

Kommentar

Trainerwechsel in der Bundesliga: Bizarre Liga

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Mainz 05 holt einen Trainer, der gerade erst beim 1. FC Köln krachend gescheitert ist - dafür gibt es Gründe. Ein Kommentar.

Den direkten Abstiegsplatz hat Achim Beierlorzer verlassen. Binnen der vergangenen neun Tage ist er im Bundesligatableau von 17 auf 16 nach oben gehuscht, ein Hopser zwar nur, aber immerhin. Dieser drittletzte Platz würde schließlich am Saisonende zur Teilnahme an der womöglich ligaerhaltenden Relegation gegen den drittbesten Zweitligisten berechtigen. Was den Mini-Sprung in etwas angenehmer Gefilde so besonders macht? Innerhalb der neun Tage fand kein einziges Pflichtspiel der deutschen Eliteklasse statt – Beierlorzer wechselte lediglich seinen Arbeitgeber. Von Köln den Rhein entlang nach Mainz. Von der Dom- in die Gutenbergstadt. Dort will der 51-jährige Erlanger nun seine Trainergeschichte in der Bundesliga erfolgreicher als zuletzt fortschreiben.

Denn diese war, man muss es so knallhart formulieren, bisher nicht erbaulich. Elf Ligaspiele coachte Beierlorzer bei seiner Premierenstation im Fußball-Oberhaus den 1. FC Köln, nur sieben Pünktchen sprangen dabei heraus. Die Folge war eine nur allzu logische Trennung von Trainer und Klub vor der derzeitigen Spielpause, zu wenig hatte da zusammengepasst in Müngersdorf. Auch fehlte der Glaube daran, Spieler und Trainer könnten sich noch einmal zu einer verschworenen Einheit zusammenraufen. Gerade das hatten sie in den vergangenen fünfeinhalb Monaten auch nie so recht geschafft.

Dabei ist es unbestritten, dass Achim Beierlorzer ein Fußballfachmann ist. 2014 beendete er die Trainerausbildung des DFB als Jahrgangsbester, erarbeitete sich anschließend bei RB Leipzig erste Meriten als Zuarbeiter der Chefs um den Oberchef Ralf Rangnick und machte daraufhin vor seiner Zeit in Köln den SSV Jahn Regensburg zu dem, was der Klub aus Bayern heute ist: einen Zweitligaverein, der mit seinen relativ geringen Möglichkeiten relativ viel hinbekommt.

Alte Bekannte in Mainz

Beierlorzer wird nachgesagt, vor allem mit jüngeren Kickern eines Fußballteams viel anfangen zu können, sie besonders ergiebig zu fördern, mehr als manch anderer auf dem Trainermarkt. Das dürfte ein nicht ganz unwichtiger Grund dafür gewesen sein, warum sich der Nullfünfer-Sportdirektor Rouven Schröder nun für den 51-Jährigen als Nachfolger von Klubikone Sandro Schwarz und als siebten Mainzer Erstligacoach überhaupt entschied. Die Weiterentwicklung von talentierten Spielern ist gerade an einem vergleichsweise kleinen Bundesligastandort wie jenem in Mainz von nicht zu vernachlässigbarer Bedeutung.

Ein weiterer Grund, der den raschen Arbeitgeberwechsel Beierlorzers begünstigte und ihm einen Vertrag bis Sommer 2022 in Mainz einbrachte (in Köln hatte er bis 2021 unterschrieben), wird auch die gemeinsame Vergangenheit von Trainer und Sportdirektor gewesen sein. Für zwei Jahre, von 2012 bis 2014, schufteten Schröder und Beierlorzer gemeinsam bei der Spvgg. Greuther Fürth. Der eine als Sportdirektor, der andere als Nachwuchscoach. Diese Zeit hatte verbindende Wirkung. Sie war offenbar derart haftend, dass das Risiko, einen gerade erst krachend gescheiterten und geschassten Bundesligatrainer zu verpflichten, plötzlich gar nicht mehr so risikoreich erscheint. Bizarre Bundesliga.

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