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Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte Ende März festgestellt, dass die Beteiligung des Profi-Fußballs an Polizeikosten grundsätzlich rechtmäßig sei.

Hochrisikospiele

Die DFL bittet zur Kasse: Werder Bremen soll bluten

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Die DFL zahlt widerwillig mehr als eine Millionen Euro ans Land Bremen und will sich das Geld zurückholen. Wird auch Eintracht Frankfurt zur Kasse gebeten?

Im Infight der Deutschen Fußball-Liga (DFL) gegen die Gebührenbescheide des aufsässigen Bundeslandes Bremen für zusätzliche Polizeikosten bei Bundesligaspielen des SV Werder hat die DFL erst einmal das Handtuch geworden. Die Dienstleistungs-GmbH der 36 Bundesligisten musste am Dienstag bekanntgeben, sie werde - allerdings mit Widerwillen - einen Betrag von 1,17 Millionen Euro für vier Heimpartien der Werderaner aus den Jahren 2015 und 2016 zeitnah bis Ende September begleichen.

Der Teufel steckt nun im Detail: Die DFL GmbH überweist den Millionenbetrag zwar fristgerecht ans Land Bremen, will sich das Geld aber zurückholen: Die Hälfte der Gesamtsumme, also rund 584 000 Euro, wird sie „unmittelbar dem SV Werder Bremen als zumindest Mitveranstalter der Spiele in Rechnung stellen“. Die andere Hälfte soll an alle in der DFL e.V. organisierten Bundesligaklubs weitergeleitet werden, deren Präsidium daraufhin entscheidet, was dann geschieht: Entweder, der verärgerte SV Werder müsste auch diese Summe zahlen oder die Klubs würden sich auf eine Umlage einigen - oder irgendjemand hätte eine bessere Idee. Ohnehin hieß es aus dem Hause der DFL gestern, „eine Anerkennung der Rechtmäßigkeit der Gebührenbescheide“ sei mit der aktuellen Überweisung „ausdrücklich nicht verbunden“.

Nicht alles mitmachen, was die DFL vorgibt

Die Angelegenheit könnte gar vor dem Bundesverfassungsgericht landen, falls die DFL es nach der jüngsten Schlappe darauf ankommen ließe. Ein wenig kleinlauter ist sie inzwischen schon geworden, nachdem sie anfangs den DFB gar dazu gebracht hatte, Bremen ein Länderspiel gegen Gibraltar zu entziehen. Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) hatte seinerzeit in einem FR-Interview von einem „Akt der Arroganz“ gesprochen und hinzugefügt: „Wir haben die Macht des Fußballs zu spüren bekommen. Das ist ein Lehrstück besonderer Art, um zu zeigen, wer in diesem Land entscheidenden Einfluss hat.“

Bremen knickte dennoch nicht ein. Mäurer riet am Dienstag auf dpa-Anfrage dem Klub Werder Bremen, gegen die DFL vorzugehen. „Indem sie die Hälfte der Summe auf Werder Bremen abwälzt, versucht sie Politik zu machen und den Druck aufs Land zu erhöhen.“ Man müsse aber nicht alles mitmachen, was die DFL vorgebe. „Das hat unser Rechtsstreit gezeigt.“ Mäurer hofft alsbald bei einem Treffen in Mainz auf mehr Unterstützung aus anderen Bundesländern. Bisher hat nur Rheinland-Pfalz den Bremer Kurs begrüßt, im Gegensatz zu Hessen. „Eine pauschale Bezahlung von Polizeieinsätzen im Umfeld von Fußballspielen durch Vereine ist in Hessen nach wie vor nicht vorgesehen.“ Das Gewaltmonopol liege „beim Staat, der seiner Aufgabe, die Sicherheit und Ordnung zu gewährleisten, auch bei Fußballspielen“ nachkomme. Im Gegenzug müsse sich aber auch der Fußball „unmissverständlich gegenüber gewaltbereiten Chaoten und Problemfans positionieren und sie aus Stadien und Vereinen verbannen“, hieß es gestern auf FR-Nachfrage aus dem hessischen Innenministerium.

Werder Bremen hat Rücklagen gebildet

Der SV Werder Bremen, der bereits Rücklagen in Millionenhöhe für die Gebührenbescheide gebildet hat, fühlt sich im Bundesliga-Wettbewerb krass benachteiligt: Es werde deutlich, dass Werder Bremen „großen finanziellen Schaden“ nehme und einen „nicht unerheblichen Wettbewerbsnachteil“ erfahre“. äußerte äußerte Präsident Hubertus Hess-Grunewald, der jüngst in einem FR-Interview auf die „Rolle der jeweilige Gastvereins“ bei Hochrisikospielen hingewiesen hatte. Dazu muss man wissen: Die höchsten Polizeikosten wurden für das Bremer Heimspiel am 16. Mai 2016 gegen Eintracht Frankfurt mit allein 412.000 Euro fällig. Es könnte also noch unangenehm für die Eintracht werden. Hess-Grunewald stellte jedenfalls gestern klar: „Bei der Verteilung der Lasten sehen wir die DFL in der Pflicht, mit uns eine faire und rechtskonforme Lösung zu finden.“ Der SV Werder werde „sehr deutlich machen, dass wir eine finanzielle Belastung, die über die 50 Prozent der Mehrkosten für Polizeieinsätze hinausgehen, nur schwer akzeptieren können“.

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