Wehen Wiesbaden

Bitterer Abschied für Wehen Wiesbaden

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Wehen Wiesbaden plant für die dritte Liga und rechnet nicht mehr mit dem Klassenerhalt.

Ein paar Stunden nach dem heftigen Niederschlag am Böllenfalltor hatte Christian Hock zumindest die Contenance wiedererlangt. Für das Interview mit dem Hessischen Rundfunk riss sich der Sportliche Leiter des SV Wehen Wiesbaden schwer zusammen, da saß er zu Hause in seinem Wohnzimmer, schwarzes Poloshirt, die weißen Kopfhörer im Ohr, die Haare akkurat gescheitelt, er schaute ernst, wirkte aber gefasst. Seine Worte korrespondierten so gar nicht mit seinem Erscheinungsbild, Christian Hock sprach nämlich von einer „Achterbahn der Gefühle“, die „unbeschreiblich“ gewesen sei. Das Erlebte sei „schwer in Worte zu fassen“. So ist das meistens bei einem Abstieg. „Es ist absolut bitter, es geht an die Nerven, wir sind niedergeschlagen.“

Der Manager des Fußball-Zweitligisten erlebte einen Sonntag zwischen Himmel und Hölle, die eigene Führung in Darmstadt, 1:0; den Rückstand des Konkurrenten aus Karlsruhe, 0:3 gegen Bielefeld. Alles schien sich zu fügen, zumindest schienen die Wehener noch dieses große Abstiegsendspiel am letzten Spieltag zu erreichen. „Wir waren dick im Geschäft“, befand Hock rückblickend. Doch dann nahm das Unheil seinen Lauf: Treffer zum 1:1 für Darmstadt 98, 2:1, 3:1 kurz vor Schluss. In Karlsruhe lief es ähnlich, nur andersherum: Tor für den KSC zum 1:3, zum 2:3 und kurz vor Schluss zum 3:3. Grenzenloser Jubel beim Karlsruher SC, Untergangsstimmung beim SVWW. „In der Kabine herrschte Totenstille“, sagte Christian Hock.

Für seine Mannschaft bedeutet dieser kuriose Spielverlauf den nächsten Abstieg aus der zweiten Liga. Die Wiesbadener liegen weiterhin auf Platz 17 des Tableaus, haben nun aber drei Punkte und zehn Tore Rückstand auf den KSC auf dem Relegationsrang. Wehen müsste am kommenden Wochenende hoch gegen St. Pauli gewinnen, der KSC ebenso deutlich in Fürth verlieren. Das ist möglich, aber nicht wahrscheinlich, es ist, nüchtern betrachtet, nicht mehr zu packen. Die Hoffnung bewege sich „im My-Bereich“, bekundete der Sportdirektor daher treffend. „Die Chancen sind sehr, sehr gering, gehen fast gegen Null.“ Der 50-Jährige spricht also über eine „Situation, die keiner erleben will“. Aber schon viele erlebt haben.

Der Abstieg ist nicht am 33. Spieltag in Darmstadt, sondern zuvor besiegelt worden. „Es hat die gesamte Saison über immer ein bisschen gefehlt“, urteilte Trainer Rüdiger Rehm, dessen Zukunft offen ist. „Wir werden jetzt alles hinterfragen“, sagte Sportdirektor Hock. Dann, wenn der erste Schmerz gewichen ist.

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