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Auf den Spuren von Kaiser Franz: Niko Kovac.

Bayern München

Franck Ribery hofft, dass Niko Kovac bleibt

Niko Kovac hat Mühe, sich über den Titel mit den Bayern zu freuen, zur sehr nagt die fehlende Rückendeckung der Chefs.

Die Meisterparty tobte, auf den Rängen feierten die Fans die Mannschaft, unten auf dem Rasen, die Spieler sich selbst. Der kleine Sohn von Javier Martinez, gerade einmal zwei Jahre, weiß bereits, auf was es ankommt. Er forderte das Publikum zur La-Ola-Welle auf. Auf der anderen Seite machte sich Niko Kovac noch einmal auf. Er schritt gedankenverloren über den Platz, frisch geduscht mit Weißbier. Da skandierten die Fans plötzlich seinen Namen. Laut schallte es „Niko Kovac“ durch das Stadion. Der Gewürdigte schien ein wenig überrascht, er verharrte auf dem mit Glitzerkonfetti überzogenen Rasen. Als dann die Kamera, sein Gesicht heranzoomte, sah man auf der Videowand, dass nicht nur seine Kleidung nass war, sondern auch seine Augen feucht schimmerten. Vor Freude? Erleichterung? Genugtuung? „Alles“, sagte er später.

Kovac hat etwas geschafft, das vor ihm nur Franz Beckenbauer gelungen war: Die Meisterschaft als Spieler und Trainer mit dem FC Bayern zu gewinnen. Die Mannschaft, sagte er nach dem 5:1-Sieg gegen Eintracht Frankfurt, habe „Großes geleistet“. Nicht über die ganze Saison, aber in der Rückrunde „Ich weiß nicht, ob es so eine Aufholjagd schon einmal gegeben hat.“

Die Fans beweisen Gespür

Neun Punkte hatten die Bayern im November Rückstand auf Borussia Dortmund gehabt, am Ende lagen sie in der Abschlusstabelle zwei voraus. „Ich denke, dass wir es als Trainerteam auch bewiesen haben, dass wir die notwendige Qualität haben“, ließ Kovac wissen. „Man kann uns für den Herbst verantwortlich machen, aber auch, dass wir es jetzt ganz ordentlich hinbekommen haben.“

Am Ende einer erfolgreichen (?) Saison sollte nicht der Trainer selbst auf das Erreichte verweisen müssen, in der Regel kommt die Würdigung von anderen. Ja, das Publikum im Stadion ist ihm zur Seite gesprungen. „Die Fans“, sagte Kovac, „haben ein gutes Gespür.“ Eine Gespür dafür, sich trotz des emotionalen Abschieds von Franck Ribery und Arjen Robben Zeit zu nehmen, etwas für den Coach zu tun.

Franck Ribery hofft, dass Niko Kovac bleibt

Das geplante Sponsorengeschäft zwischen dem FC Bayern München und dem Münchner Autokonzern BMW ist überraschend geplatzt. Wie der Rekordchampion kurz nach dem Vollzug der 29. Meisterschaft am Wochenende mitteilte, hat er die Gespräche über eine mögliche Partnerschaft „aufgrund fehlender Vertrauensbasis“ abgebrochen. Das Treffen fand laut Klubangaben bereits am 8. Mai statt. „Über die Gründe für diese Entscheidung möchte der FC Bayern derzeit Stillschweigen bewahren“, hieß es in der Erklärung.

Von ein paar Spielern gab es Zuspruch. Ribery hofft, dass Kovac bleibt. „Er ist ein guter Mensch“. Und der verletzte Kapitän Manuel Neuer wies darauf hin, dass es auch „Welttrainer mit uns nicht geschafft haben“, die Champions League zu gewinnen. „Wenn wir das Double holen, war es auch für den Trainer eine sehr erfolgreiche Saison“, findet der Torhüter.

Von den Verantwortlichen kam auch am Samstag wieder wenig bis nichts. Nur von Sportdirektor Hasan Salihamidzic gab es – auf Nachfrage – ein kleines Lob. Kovac habe „einiges aushalten müssen“, gab er zu. „Niko hat es gut gemacht. Die Fakten sprechen für ihn“. Der Trainer habe, versicherte Salihamidzic, „meine absolute Unterstützung“. Davon, dass diese über die über die Saison hinausgeht, war aber nicht die Rede.

Uli Hoeneß ergreift Partei für Niko Kovac

Präsident Uli Hoeneß, der Anfang April als Einziger aus der Chefetage öffentlich Partei für Kovac ergriffen hatte, wollte dies am Samstag nun nicht wiederholen. „Ich habe mich an dieser Diskussion nie beteiligt und ich möchte mich auch nicht am Tag dieses Triumphs beteiligen. Das ist jetzt nicht der richtige Augenblick, darüber zu reden“, sagte er – und damit ließ auch er Raum für Spekulationen. Die Sprechchöre für Kovac habe er wahrgenommen, ließ Hoeneß wissen – und das habe ihm „gut getan“. Immerhin.

Kovac gab sich zuversichtlich, auch in der neuen Saison noch als Angestellter des Vereins auf der Bayernbank zu sitzen. „Ich bin überzeugt, dass es weitergeht“, sagte er. Er habe „Infos aus erster Hand“. Von wem? Die Antwort blieb er lächelnd schuldig.

Die Saison, gab zu, „war sehr anstrengend“. Auch deshalb sei er „total happy und total ausgelaugt“. Die Freude aber konnte – oder wollte – er am Samstag noch nicht so richtig zeigen. Vielleicht, sagte Kovac, würde sie besser auffallen, „wenn ich mit einer roten Nase rumlaufen würde oder einem Karnevalshut. Aber es ist im Moment sehr viel hier drin.“ Und dabei deutete er mit dem Finger auf sein Herz.

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