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Immerhin mit dem gebotenen Abstand: Die Wolfsburger Profis Kevin Mbabu (links) und Ismail Azzaoui beim gemeinsamen Ausdauertraining im Stadion.

Training der Fußball-Bundesligisten

Bitte nur im Garten

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Die meisten Fußball-Bundesligisten lassen ihre Profis während der Corona-Einschränkungen individuell zu Hause trainieren. Doch manche Teams üben auch in Gruppen auf dem Trainingsgelände. Das sorgt für Unmut.

Robert Lewandowski erweckt nicht gerade den Eindruck, als störe ihn die Zwangspause sonderlich. Selbst wenn es die Unterbrechung in der Fußball-Bundesliga durch die Corona-Krise nicht gäbe, hätte die Nummer neun des FC Bayern keine Tore schießen können. Nach einem Abbruch der Schienbeinkante war Schonung angesagt, aber wie es sich für einen Musterprofi gehört, hat der 31-Jährige hart an seinem Comeback gearbeitet. Davon zeugen die Videos auf seinem Instagram-Profil. Dabei ist zu erkennen, dass der Pole nicht nur einen als Fitnessstudio zweckentfremdeten Wintergarten unterhält, sondern auch einen echten Garten besitzt, in dem der Rasen vielleicht nicht ganz so gepflegt ist wie in der Münchner Arena. Aber Ball jonglieren geht immer. Und wenn Tochter Klara die Kugel im kleinen Törchen vor dem Gebüsch versenkt, kommt eine innige Umarmung zustande. Rührig auch das Bild, wie die Zweijährige sich auf dem Rücken von Papa festklammert, der derweil mit Liegestütze den gestählten Oberkörper noch weiter festigt. Lewandowski verbreitet, zumindest auf virtuellem Wege, viel gute Laune.

Überhaupt scheint der FC Bayern eingedenk der über die vereinseigenen Kanäle verbreiteten Sequenzen auch beim Trainieren im Homeoffice schon weit vorn. Jeden Vormittag betritt der einst von Bayer Leverkusen abgeworbene Fitmacher Holger Broich, ein hoch aufgeschossener, gut durchtrainierter Mann, der in jedem Fitnessstudio der Welt Eindruck machen würde, einen nach Schweiß und Arbeit riechenden Raum, um den zugeschalteten Bayern-Stars die Übungen vorzumachen und das Tempo anzusagen. Alle machen mit: die deutschen Ex-Nationalspieler Thomas Müller und Jerome Boateng, die Spanier Thiago und Javier Martinez. Und damit auch wirklich der Eindruck eines halben Mannschaftstrainings entsteht, ist auch Cheftrainer Hansi Flick zugegen. Seine Ansage: „Das Wichtigste ist, dass wir topfit aus der aktuellen Situation rauskommen. Wir müssen unser Fitnessniveau halten.“

Für den Tag X, von dem niemand weiß, wann er genau sein wird. Am Dienstag wird auf einer virtuellen Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) abgesegnet, dass mindestens bis zum 30. April in den Stadien und Arenen kein Ball rollt. Inoffiziell gilt bereits ein Zeitkorridor bis zum 15. Juli, die Saison noch irgendwie durchzuziehen. Doch dafür müssten Flick und seine Fußballer sich nicht nur beim Cyber-Training sehen, sondern auch mal wieder an der Säbener Straße.

Theoretisch wäre das in Kleingruppen vom Land Bayern bereits jetzt erlaubt. Der FC Augsburg versammelte seine Spieler zu kontaktfreien Übungen wie Passspiel und Torschuss – und hatte sich dafür extra Erlaubnis eingeholt. Ähnlich verfuhren die TSG Hoffenheim und der VfL Wolfsburg, der seine Spieler gruppenweise antreten ließ. Im Erdgeschoss der werkseigenen Arena stehen Ergometer. Über die Vereinshomepage wird versichert, „großzügiger Abstand“ unter den Protagonisten sei garantiert. Zudem verteile sich der Kader auf vier Kabinen.

Doch welches Signal geht von solchen Mitteilungen aus, wenn die Polizisten vielerorts Normalbürger auseinanderscheuchen, die auf öffentlichen Plätzen zu dritt zusammenstehen? Und was ist mit jenen Vereinen wie Eintracht Frankfurt, die aufgrund von Coronafällen in eigenen Reihen den Spielern nur die Utensilien nach Hause liefern können und aus der Ferne den richtigen Umfang überwachen können? Besteht da wirklich Chancengleichheit?

Schreiben an alle Klubs

Weil die DFL unbedingt dem Eindruck entgegentreten will, dass der Profifußball eine Sonderbehandlung bekommt, ist ein Schreiben an alle Erst- und Zweitligisten gegangen. Darin enthalten ist die Bitte, mit Gruppentraining nicht vor dem 5. April zu beginnen, um eine Wettbewerbsverzerrung zu vermeiden.

Denn in Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen mit den meisten Bundesligisten ist selbst das Training in Kleingruppen untersagt. Thomas Röttgermann, Vorstandschef bei Fortuna Düsseldorf, regte an, dass die Entscheidung, „ob ein Mannschaftstraining möglich ist oder nicht, zwingend ligaweit einheitlich geregelt werden sollte.“ Doch die DFL kann nur Appelle aussprechen, keine Verbote. Zur Einsicht gelangte der Herbstmeister RB Leipzig, der bis zum vergangenen Wochenende seine Profis zeitweise auf dem Platz in kleinen Einheiten zusammenzog, ehe Sportdirektor Markus Krösche gestand: „Es macht keinen Sinn, das Training aufrechtzuerhalten. Wir haben den Jungs ein bisschen mehr Freiraum gegeben.“

Werder Bremen wiederum, wo körperliche Mängel ein Kardinalproblem der sportlichen Krise darstellten, hat die individuellen Trainingspläne nun sogar bis Anfang April erweitert. „Wir müssen sie darauf vorbereiten, dass wir aufgrund des zu erwartenden Wettkampfrhythmus eine bislang nicht dagewesene Belastung haben werden“, sagte Trainer Florian Kohfeldt. Schon bald sind Einheiten in Kleinstgruppen am Weserstadion geplant.

Es scheint in der Liga ziemlich viel Wildwuchs zu gedeihen. Von Chancengleichheit kann ob der unterschiedlichen Verfahren in den Bundesländern keine Rede sein. Zudem: Wer kann wirklich kontrollieren, was läuft? Eigentlich müssen die Vereine nur ihre Social-Media-Aktivitäten runterfahren und niemand würde mitbekommen, was sich auf dem Vereinsgelände wirklich tut. Zumal Fans und Journalisten als Kontrollorgan ausfallen: die halten sich nämlich weitgehend an das, was gerade von staatlichen Stellen vorgeschrieben wird. Alle unnötigen Wege und Begegnungen sind aktuell im Interesse aller zu vermeiden.

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