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Die Beine in rot gehören zu Edin Dzeko vom AS Rom: Liverpools Torhüter Loris Karius springt beherzt dazwischen.

Video-Beweis

Bitte einigen Sie sich!

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Die Champions-League zeigt: Uefa und Fifa müssen sich auf einen gemeinsamen Weg ins digitale Zeitalter verständigen. Ein Kommentar.

Beim AS Rom ist die Empörung so groß wie die mächtige Kuppel des Petersdoms. Die Kluboberen interpretieren das Ausscheiden in der Champions League als mindestens mittelschweren Skandal. Vor allem deshalb, weil der Schiedsrichter auf Weisung eines Assistenten einmal fälschlicherweise auf Abseits entschied. In der unmittelbaren Folge rasierte Liverpools Torwart Loris Karius den durchgebrochenen Edin Dzeko. Statt Abseits hätte es Strafstoß und zumindest Gelb für Karius geben müssen. Oder Rot.

Man kann sich gern darüber aufregen, indes sollte man dann auch nicht verschweigen, dass die Gäste aus Liverpool zu diesem Zeitpunkt in der 49. Minute 2:1 führten, dass die Engländer da also in der Zusammenrechnung von Hin- und Rückspiel insgesamt 7:3 vorne lagen. Unter diesen Umständen verbietet es sich im Grunde, Schuld irgendwo anders zu suchen als bei sich selbst.

Und doch sollten die großen Verbände das Unbehagen, das sich nach den beiden Halbfinals breitgemacht hat, nicht einfach als abenteuerliches Genörgel von Unterlegenen abtun. Ohnehin haben die Bayern sich geradezu vorbildlich verhalten, als sie nach dem Aus gegen Real Madrid davon absahen, das Scheitern auch nur mit einem Halbsatz mit einem ahndungswürdigen Handspiel des Madrilenen Marcelo im eigenen Strafraum zu begründen. Viele Bayernfans dagegen reagierten mit großer Entrüstung, was aus ihrer Sicht sogar nachvollziehbar erscheint.

Denn es dürfte relativ unstrittig sein, dass die strittige Marcelo-Szene bei Einsatz des Videoassistenten überprüft worden und entsprechend mit Elfmeter bestraft worden wäre. Selbst Marcelo selbst räumte im Nachgang ein, es hätte Strafstoß geben müssen, können, dürfen.

Doch unter dem Dach des europäischen Verbandes Uefa, dem Ausrichter der Champions League, finden Pflichtspiele grundsätzlich nach wie vor ohne Videobeweis statt. In der deutschen Bundesliga und in der italienischen Serie A wird das Projekt dagegen in einer Art Menschenversuch getestet. Die Fifa ist grimmig entschlossen, alle 64 WM-Spiele aus einem „Video Operations Room“ überwachen zu lassen.

Man muss kein Prophet sein, um vorauszusehen, dass es dann wilde Debatten geben wird, weil trotz Video Assistent Referees (VAR) vermeintliche Skandalurteile gefällt werden. Auf den VAR zu verzichten, hieße aber, das Risiko zu maximieren, dass hinterher genauso argumentiert wird, wie es jetzt diejenigen Bayernanhänger tun, die den Fehler des Schiedsrichters und seiner Assistenten an Außen- und Torlinie als noch schwerwiegender erachten als den des armen Torwarts Sven Ulreich.

Wenn die WM vorbei ist, setzen Sie sich bitte schnell zusammen, liebe verantwortliche Funktionsträger in Uefa und Fifa, und einigen sich über einen gemeinsamen Weg ins digitale Zeitalter. Alles andere kapiert kein Fan.

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